Sri Lanka 18 – Das bittere Ende


Wir sitzen beim Essen und machen uns über Hildas Reis und Curry her, als plötzlich die junge Mutter von heute Mittag angerannt kommt. Völlig aufgelöst steht sie vor uns: „Habt Ihr schon gehört; Emirates fliegt nicht mehr nach München und Frankfurt. Unsere Flüge, die aber eigentlich nach Hamburg gehen sollten und für die wir online eingecheckt hatten, wurden auch eben gecancelt. Ich dachte, dass ich Euch lieber Bescheid sage.“

Sie wollte eigentlich in wenigen Stunden mit ihrem Mann und dem sieben Monate alten Baby auf dem Weg zum Flughafen sein, nun steht sie völlig verzweifelt vor uns.
Uns vergeht augenblicklich der Appetit. Wir checken die Flüge – alles bestätigt. Aber auf der Homepage von Emirates steht, dass die Flughäfen nicht mehr angeflogen werden.

Wir werden sofort aktiv. Ich rufe die Botschaft in Colombo an. Dort weiß man offiziell nichts davon, es hätten sich aber schon andere mit der selben Information an sie gewandt. Wir sollen neue Flüge buchen. Es wird so schnell keine Rückholaktion geben. Jeder ist auf sich selbst gestellt und die Gerüchte werden wohl stimmen.
Kurz darauf die neue Nachricht: Emirates steuert Deutschland gar nicht mehr an.
Wir schicken Leute in Deutschland in die Warteschleife von Emirates, weil in Sri Lanka schon alles geschlossen hat – ohne Erfolg.
Wir lassen auch von Deutschland aus noch mal bei der Botschaft anrufen – mit dem selben, traurigen Ergebnis.

Mir fällt eine Bekannte ein, von der ich weiß, dass sie in einem Reisebüro arbeitet. Sie hatte schon im Vorfeld gefragt, ob bei uns alles gut ist.
Ich schicke ihr eine Sprachnachricht mit der Frage, ob sie irgendetwas tun kann.
Ich rufe Ranga an und frage, ob er uns sofort zum Flughafen fahren kann. Wir wollen jetzt einfach vor Ort sein. Er sagt, dass er das machen kann, wenn wir einen bestätigten Flug haben. Ohne den Nachweis bekommt er keinen Passagierschein. Und er versucht uns zu beruhigen: wenn wir hier feststecken, sei das kein Problem. Wir können kostenlos im Zimmer sein, solange es dauert. Es gebe genug zu Essen. Wir sollen uns nicht sorgen.
Wie unfassbar gut kann ein Mensch sein?!

Die Bekannte von Bucketlist Reisen in Stuttgart (der Name muss hier erwähnt sein, weil sie einen wahnsinnig guten Job gemacht hat!) gibt alles. Sie schickt uns so schnell wie möglich einige Optionen. Sie achtet sogar auf den Preis, denn es ist sicher: das Geld ist weg!
Es ist mittlerweile halb neun. Sie findet Flüge um 02:55 Uhr von Colombo nach Dubai nach Stockholm nach Frankfurt für knapp 1300€ pro Person. Buchen!

Jetzt geht alles so schnell. Wir packen, während wir mit unseren Familien schreiben und telefonieren. Ich informiere Ranga. Er holt uns gleich ab, sagt er. Keine Ahnung, ob alles im Koffer ist. Aber Pass und Kreditkarte sind da.

Eine halbe Stunde später ist Ranga da. Wir verabschieden uns von seinen Eltern und fahren los. Erst müssen wir zur Polizei. Er bekommt den Passagierschein ohne Probleme, obwohl es uns wie eine Ewigkeit vorkommt. Er fragt, ob wir die neuen Flüge bezahlen müssten. Ja, leider.
„Wenn Ihr Geld braucht, gebe ich Euch was. Das ist kein Problem. Ihr könnt mir das überweisen, wenn Ihr irgendwann in Deutschland seid.“ Er ist unglaublich. Aber um Geld machen wir uns gerade keine Gedanken, auch wenn es keine zuviel hat.
Hauptsache nach Deutschland. Denn jetzt ist es klar: wir kommen hier sonst nicht mehr weg und keine Botschaft oder Fluggesellschaft hilft uns noch, wenn wir es nicht selbst tun. Wir bekommen nicht mal mehr eine E-Mail, dass unsere Flüge nicht mehr existieren.

Die Straßen sind leer und so sind wir um 23 Uhr am Flughafen. Wir nehmen nun auch Abschied von Ranga.
Der Flughafen ist brechend voll! Einchecken können wir noch nicht. Erst nach einer Stunde dürfen wir uns einreihen. Wir warten eine Stunde und 45 Minuten, bis wir dran sind. Vor uns ist eine Tschechin, die aber nach London gebucht hat. Sie hat keinen UK Pass. Die Frau am Check-in telefoniert lange, denn das Zielland muss jetzt mit dem Reisepass übereinstimmen. Kein Land möchte noch ungebetene Gäste.
Irgendwann wird sie zwar abgefertigt, weil sie zumindest einen englischen Führerschein vorweisen kann, aber ohne Sicherheit, dass sie dort einreisen darf.

Wir haben Flüge mit Emirates bis Stockholm und dann mit Scandinavian bis Frankfurt.
Sie sieht zunächst nur die Flüge bis Stockholm. Logischerweise wird sie auch bei uns skeptisch. Ich zeige ihr unseren gesamten Reiseverlauf auf dem Handy. Sie greift zum Telefon und meine Aufregung steigt. Dann sagt sie: „Ich kann das Gepäck bis Frankfurt durchchecken und Euch die Boarding Pässe komplett ausdrucken. Ist das ok?“
Ja! Ist es! Danke!!

Endlich! Wir haben jeweils unsere drei Bordkarten in der Hand. Wir gehen zum Gate und verlassen pünktlich Sri Lanka.
Der günstigste Urlaub wurde zum teuersten.
Einer der schönsten wurde gleichzeitig der schlimmste und emotionalste.

In Dubai treffen wir sogar noch Bekannte. Coco und Claudio hatten wir in Vietnam kennengelernt. Sie waren in Namibia zum Urlaub machen und haben eine noch schlimmere Odyssee hinter sich als wir.
Wir haben uns zwei Jahre nicht gesehen und treffen uns in Dubai inmitten der Coronakrise.
Ist das Leben nicht manchmal wirklich schräg?

In Dubai stehen, liegen und sitzen die Menschen dicht gedrängt. An Social distancing ist nicht zu denken. Es gibt keine zwei Meter Platz für eine Person. Wenn wir hier nicht infiziert werden, grenzt es an ein Wunder. Aber dann sind wir wenigstens zu Hause krank.

’social distancing‘ in Dubai (C) Maxi Michalzik

Auch der Flug nach Stockholm geht pünktlich weiter. Jetzt haben wir es wirklich fast geschafft.
Und wir schaffen es. In Stockholm ist kaum noch etwas los. Es geht bis nach Frankfurt. Wir sind zurück.

Social distancing, Quarantäne, Homeoffice, Hamsterkäufe,… ich will nichts, was in Deutschland vor sich geht, klein reden, aber ich erlebe das alles so viel lieber in meinen eigenen vier Wänden als in einem Land mit schlechter medizinischer Versorgung, ohne die Sprache zu sprechen, ausschließlich auf die Hilfe anderer angewiesen.

Dieser wirklich wunderschöne Urlaub, den ich auch nicht missen möchte, war überschattet von einer Situation, die es so noch nie gegeben hat. Und wer weiß, wo all das hinführt; welche neuen, besseren Dinge aus der Krise entstehen.
Aber eines ist klar: Schatten gibt es nur dort, wo Licht ist. Danke! An alle, die in dieser Zeit für uns geleuchtet haben.

Danke an Maxi und Gamze für das gemeinsame Durchstehen.

(c) Gamze Kücükertunc

Sri Lanka 17 – Es wird… besser?


Gestern Abend gab es nichts zu Essen für uns. Vor lauter Aufregung, dass ihre Tochter mit Kindern und Mann angereist ist, hat Hilda uns offenbar vergessen. Man kann es ihr aber auch nicht verübeln. Es ist einfach viel passiert in den letzten Tagen. Vielleicht dachte sie auch, dass wir keinen Hunger haben, denn wir wiederum trauen uns nicht nach unten, weil wir zum einen nicht die Familienzusammenkunft stören wollen und zum anderen nicht wissen, wie die Tochter auf uns reagiert. Wir haben noch ein paar Cracker und Kekse und eine Flasche Wein – der Abend bringt uns also nicht um. Und immerhin gibt es keine Hiobsbotschaften.

Wie wir am nächsten Tag herausfinden, reagiert die Schwester sehr gut auf uns. Rangas Schwester strahlt die selbe Herzlichkeit aus wie der Rest der Familie. Sie hat 18 Jahre in England gelebt, ihr Mann arbeitet für die Botschaft und als nächstes soll es wohl nach Deutschland gehen. Wenn sich die weltweite Lage beruhigt hat.

Wir sitzen noch beim Frühstück als sich ein junges, deutsches Paar zu uns gesellt. Hilda kennt sie, sie sind seit mehr als vier Wochen im Land und reisen mit ihrer 7 Monate alten Tochter. Wir tauschen uns aus. Sie haben quasi den gleichen Flug wie wir, nur einen Tag früher. Auch sie haben ein paarmal mit Emirates telefoniert und mussten am Ende einen 20 Stunden Aufenthalt in Dubai in Kauf nehmen, um nach Hause zu kommen. Die 200€ für das Transithotel, um ihre Kleine zwischendurch schlafen zu legen, müssen sie selber zahlen. Aber auch für sie gilt: Hauptsache nach Hause.

Es tut gut, sich auszutauschen, sich gegenseitig Mut zu machen und auch über ganz andere Dinge zu sprechen.
Um uns herum wird es immer leerer, kaum andere Menschen wandern am Strand herum und wir beobachten, wie die Touristen Polizei – das steht auf ihren Uniformen – am Strand patrouilliert.
Trotzdem war es doch kein Abschied vom Strand am Tag vorher; wir dürfen noch ins Wasser und vor dem Haus sitzen, weil wir mit niemandem in Kontakt kommen.

Wir sind froh, dass wir nicht auf dem Zimmer warten müssen. Die kleinen Jungs von Rangas Schwester sind froh, dass sie neue Spielkameraden haben. Irgendwie sind heute alle entspannter.
Wir haben es fast geschafft. Das hebt die Stimmung.

Und wir bekommen so viel Zuspruch von Menschen aus der Heimat. So viele Nachrichten, so viele Fragen, wie es uns geht, Gebete, dass wir heil nach Hause kommen – aus allen Richtungen hat man jetzt das Gefühl, dass wir hier nicht allein sind, auch wenn alle weit weg sind.
Und dafür Danke! Jeder hat jetzt sein Päckchen zu tragen, aber danke, dass Ihr uns nicht vergessen habt!

Heute Abend vergisst uns Hilda nicht mit dem Essen. Um sieben will sie uns auftischen. Wir freuen uns, denn es wird jetzt alles besser. Denken wir.
Und um Viertel nach sieben kommt der absolute Zusammenbruch.

Sri Lanka 16 – Bye Bye Strand


Unsere Flüge sind immer noch bestätigt. Wir sind erleichtert. Heute Morgen bekommen wir ein letztes Mal Frühstück am Strand, ab heute Abend gilt eine Ausgangssperre bis Montagfrüh.
Hilda will uns Toast und Marmelade mit aufs Zimmer geben. Uns ist alles recht, wir sind immer noch dankbar, dass wir hier sein dürfen.

Es gibt hier zwar jeden Tag merklich weniger Touristen, aber auch die wenigen sind auf Nahrungssuche. Viele wollen bei Hilda essen, obwohl man deutlich sieht, dass geschlossen ist. Wir sitzen schon im hinteren Bereich, und trotzdem zeigen andere Gäste auf uns; wir würden ja schließlich auch bedient. Hilda verscheucht sie und sagt mit Blick auf uns: Das sind meine Kinder!

Wir telefonieren nach dem Frühstück mit Ranga, der zu Hause und gerade nicht am Strand ist. Wir wollen wissen, ob es wirklich OK ist, wenn wir heute nochmal baden gehen und uns draußen vorm Restaurant aufhalten. – Ja, selbstverständlich. Nutzt den Tag noch, es ist alles gut.
Und wir fragen ihn wegen der Fahrt zum Flughafen. – Das ist kein Problem, sein Vater macht das. Er schaut, dass alles rechtzeitig klappt.
Und dann die Sache mit der Bezahlung. Wir haben noch umgerechnet ca 200€ in Rupies, aber wir wollten nochmal abheben, was wir nun nicht mehr können. Ich kann ihm aber US Dollar anbieten, die ich noch dabei habe. – Kein Problem. Ihr könnt mir auch das Geld überweisen, wenn Ihr zu Hause seid. Jetzt entspannt Euch mal und genießt noch den Tag.

Wir sind zu Tränen gerührt. Es ist wirklich beeindruckend, was die Menschen hier für uns tun. Mehr als wir hoffen könnten.

Wir verbringen den Nachmittag am Strand, weit weg von den anderen wenigen Touristen. Wir bleiben sogar einmal so lange im Wasser, bis sie den Strandabschnitt verlassen haben, weil sie genau neben unseren Liegen stehen. Wir können es uns jetzt nicht leisten, uns anzustecken. Wir müssen noch zwei Tage durchhalten und vor allem wollen wir Ranga und seine Familie nicht gefährden.

Gegen drei kommt Ranga vorbei und sagt uns, dass ich mit zur Polizei kommen muss. Er braucht einen Passagierschein, damit sein Vater uns am Montagmorgen an den Flughafen fahren darf – und vor allem wieder zurück kommt ohne Strafe. Dafür muss ich mit meinem Pass und der Buchungsbestätigung persönlich zur Polizei.

Ranga sagt mir auf der Fahrt, dass er nicht weiß, wie die Leute jetzt auf mich reagieren. Die Menschen sind verunsichert und wollen sich weit weg von Europäern wissen.
An der Polizeistation müssen wir erstmal gründlich Hände waschen. Ich soll mich draußen hinsetzen, heißt es dort, und Ranga spricht mit dem Polizisten.
Wir kriegen keinen Passagierschein. Den kriegt man wohl nur, wenn man direkt auf dem Weg ist. Wir müssen also am Montagfrüh wiederkommen und hoffen, dass alles klappt.

Solange wir mit ihm Auto sitzen, sei es kein Problem, da Fahrten zum Flughafen erlaubt sind und das Beweis genug sei, aber der Vater könnte auf der Rückfahrt im leeren Auto Probleme bekommen – und das wollen wir auf keinen Fall.

Wir nehmen Abschied vom Strand. Die nächsten Tage verbringen wir auf dem Balkon. Auch ok.

Die Tochter von Hilda mit ihrer Familie trifft am späten Nachmittag auch noch ein. Sie wohnt in Colombo, aber Hilda will ihre Familie zusammen haben. Ranga sagt mir, dass die Schwester der Entscheidung uns aufzunehmen skeptisch gegenüber stand. Können wir verstehen. Trotz der liebevollen Fürsorge, die wir hier erfahren, wissen wir, dass wir in diesem Land nicht mehr erwünscht sind.
Und es sind noch zwei Tage!

Während in Bayern die Ausgangssperre verhängt wird, bekommen wir eine Email von der Botschaft. Angehängt sind die Fluglinien und die geplanten Flüge in den nächsten Tagen. Auch, wenn keine Flugnummern aufgelistet sind, steht doch unverändert da, dass Emirates bis Montag drei Flüge am Tag nach Dubai durchführen wird. Wir sind also weiterhin voller Hoffnung.

Sri Lanka 15 – Die Reihen lichten sich


Die E-Mail ist ein Schock für uns. Colombo – Dubai erst am 02. April? Unvorstellbar. So lange können wir einfach nicht mehr bleiben.
Wir schauen online in unsere Buchung und sehen: der eigentliche Flug am Montag ist nicht gecancelt, es ist nur dieser ominöse, dritte Flug dazu gekommen. Also: Colombo – Dubai und Dubai – München am Montag und dann Colombo – Dubai am 02. April.
Auch, wenn das ein Hoffnungsschimmer ist, geht es uns schlecht. Es ist schon wieder spät am Abend und wir können heute nichts mehr tun. Morgen müssen wir wieder bei Emirates anrufen.

In dieser Nacht schlafe ich nicht, ich bete.
Ich bete dafür, dass alles gut geht, dass wir nach Hause kommen, dass wir und alle zu Hause gesund bleiben, dass jetzt nichts Schlimmes mehr passiert.

Am nächsten Morgen bereitet uns Hilda Frühstück zu. Die Reihen lichten sich um uns herum, täglich reisen jetzt Touristen ab. Uns ist es ganz recht. Bitte keinen Kontakt.
Nach dem Frühstück muss ich nun diesen Anruf tätigen. Ich will nicht. Ich habe Angst, dass wir eine negative Nachricht bekommen, die keiner von uns hören will und ich müsste sie auch noch überbringen.
Aber es hilft nichts.

Natürlich dürfen wir Hildas Telefon benutzen. Mit zittrigen Händen wähle ich die Nummer, ich bin jetzt schon schweißgebadet. Ich hätte nie gedacht, dass diese Situation psychisch so belastend ist.
Ich hänge mehr als 20 Minuten in der Warteschleife, dann werde ich rausgeschmissen. Ich wähle erneut. Nach weiteren ca. 20 Minuten geht endlich jemand ran. Ich erzähle ihr von der E-Mail, sie checkt die Buchung und bestätigt, dass das sehr verwirrend ist. Sie löscht den dritten Flug, alles bleibt bei Montag.

Trotzdem frage ich sie, ob es nicht doch die Möglichkeit gibt, früher zu fliegen. Sie checkt. Es gibt den Flug bis Düsseldorf am Sonntag, sagt sie.
Ah, das war der, auf den wir ja schonmal fehlgebucht waren.
Ich höre ihr Tippen auf der Tastatur. Mhhhh, sieht schlecht aus, meint sie. Würde auch teurer werden, aber sie guckt mal, was sie tun kann. Und dann…
… Stromausfall.

Für den Bruchteil einer Sekunde fällt der Strom bei Hilda aus und die Verbindung wird unterbrochen. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Und ich kann dort auch nicht mehr anrufen.
Ich bitte meine Mitreisenden, sich mit dem Gedanken an den Flug am Montag zurechtzufinden. Sie nicken. Wir checken nocheinmal online und jetzt ist alles korrekt: der dritte Flug ist weg, wir fliegen am Montag bis München.
Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir diesen Düsseldorf Flug auch einfach nicht nehmen sollen. Wer weiß, warum. Aber nun sind wir schon zum zweiten Mal knapp an ihm vorbei geschrammt.

Nach diesem Telefonat bleibe ich erstmal allein auf dem Zimmer. Ich muss mich sammeln, rufe meine Liebsten an. Es tut gut, die Stimmen zu hören, zu wissen, dass es allen gut geht. Ihnen geht es auch so.

Und dann mache ich nicht nur social distancing – am Strand ist sowieso kaum jemand – ich mache auch social Media distancing. Ich lasse mein Handy auf dem Zimmer. Ein Nachmittag ohne Nachrichten, ohne Fragen, ohne negative Entwicklungen. Nur der Strand, das Meer, mein Buch, meine zwei Freundinnen und ich.

Ich komme langsam wieder zur Ruhe.

Am Abend serviert uns Hilda Reis mit Curry. Sie hat am Mittag extra mehr gekocht. Sie, ihr Mann, Ranga… sie sind wie Engel, die auf uns aufpassen.

Es ist noch früh am Abend, deshalb beschließen wir, noch ein bisschen am Strand entlang zu gehen. Wir sind so gut wie allein. Auch in den Restaurants rund herum sitzen nur noch sehr vereinzelt Leute. Weit weg von uns.
Uns begleitet einzig einer der vielen Streuner. Er läuft neben uns her, um uns herum und scheint sich selbst über Gesellschaft zu freuen. Wir gehen ca. einen Kilometer, da sehen wir in der Ferne am Strand drei weitere Hunde. Sie stehen in einer Reihe. Wie Wachhunde. Bisher war keiner der Hunde aggressiv.
Unser Begleiter nähert sich den Dreien und sie rennen auf ihn zu. Bellend und knurrend schlagen sie ihn zurück.
Wir kehren natürlich sofort um.
Der Kleine hält sie noch ein bisschen in Schach, dann beruhigt sich die Situation und er folgt uns wieder. Aber nur noch kurz, dann verschwindet er im Dickicht.
Wir schicken ihm einen Dank hinterher, denn irgendwie hat er die Meute ja doch von uns abgelenkt. Auch, wenn sie uns wahrscheinlich nicht angegriffen hätten.

Wir liegen schon im Bett, als Ranga gegen halb elf nochmal anruft. Wir sind überrascht. Um diese Zeit?
Es sei alles in Ordnung, aber er wollte uns mitteilen, dass es im Hotel Eden den ersten bestätigten Corona Fall gab. Er bittet uns, nur noch bei Hilda und am Strand direkt davor zu bleiben.

Wir googeln das Hotel und stellen fest: es ist genau an der Stelle, wo wir die Begegnung mit den Hunden hatten, die uns auf eine Distanz von ca. 100 Metern gehalten haben.
Sicher hätten wir uns im Vorbeigehen nicht angesteckt, aber vielleicht hat uns unser kleiner Begleiter trotzdem vor einer in unserer Situation verhängnisvollen Begegnung bewahrt.

Sri Lanka 14 – Zurück zum Start


Innerhalb der nächsten sieben Tage sollen wir erfahren, wie es weitergeht. Wir sind sprachlos. Zum Glück dauert es nicht so lange. Nach knapp zwei Stunden erhalten wir eine Mail, dass wir einen Tag später um die selbe Zeit fliegen sollen. Allerdings nur von Colombo nach Dubai, der Anschlussflug wurde nicht geändert und ist immer noch am Tag vorher nach Hamburg.

Da es schon spät ist, als die E-Mail kommt und wir im online Buchungssystem von Emirates nichts selbstständig ändern können, beschließen wir, uns morgen darum zu kümmern. Schweren Herzens. Denn so eine Unsicherheit ist zermürbend und die Angst, dass wir nicht nach Hause kommen, groß.

Am nächsten Morgen gibt es im Buchungssystem eine Änderung. Unser Anschlussflug wurde zwar dem Tag angepasst, allerdings sollen wir nun um 09:50 in Dubai landen, aber schon um 08:30 weiterfliegen nach Düsseldorf. Unmöglich also. Wir überlegen, was wir tun können. Direkt zum Flughafen fahren? Abwarten? Anrufen!

Wir fragen in der Unterkunft, ob wir im Emirates Büro in Colombo anrufen dürfen. Dürfen wir.
Der Besitzer der Unterkunft zeigt uns das Telefon. Die nächste Dreiviertelstunde verbringe ich in einer Kammer, die von Schimmelgeruch getränkt ist und ca. 50 Grad heiß ist. Ich hänge erstmal mehr als 20 Minuten in der Warteschleife bis jemand rangeht. Ich schildere ihr unsere Situation und sie entschuldigt sich für den Fehler. Nun gilt es, ihn zu lösen. Wir reisen egal wohin nach Deutschland, sage ich ihr. Hauptsache nach Hause. Wir können morgen schon fliegen, wenn es geht.
Geht es aber leider nicht. Der nächste Flug ist am Montag, dann nach München. Sie bucht uns dort aber fest ein. Immer wieder legt sie mich in die Warteschleife, ich bin pitschenass  – sowohl von der Hitze als auch von der Anspannung.

Online können wir sehen, dass unsere Buchung tatsächlich geändert ist. Montag also über Dubai nach München. Zwei Tage später als geplant. Nie kamen uns zwei Tage so lang vor wie in diesem Moment. Aber immerhin.
Nur, wo verbringen wir nun die nächsten fünf Tage? Wir hatten eigentlich drei Nächte in Negombo gebucht, um dann von dort zum Flughafen zu fahren. Aber fünf?
Nein, wir wollen jetzt da sein, wo wir uns wohlfühlen, wo wir wissen, dass wir gut aufgehoben sind.
Ich schreibe Ranga an. Kurz darauf ruft er per WhatsApp an.

Ich erkläre ihm unsere Situation. Er selbst erzählt mir, dass sie das Restaurant schon schließen und keine Gäste mehr aufnehmen. Es wird ihm zu heikel, seine Eltern sind alt und er will sie nicht gefährden.
Aber wir seien ja nun schon zwei Wochen im Land. Symptomfrei? – Ja! Wir fühlen uns völlig gesund.
Dann sollen wir morgen kommen. Das Appartement ist frei und wir können bis zum Abflug bleiben. Er wird auch dafür sorgen, dass wir was zu Essen bekommen, auch wenn vieles jetzt schließt. Wir sind so dankbar!

Wir buchen einen Fahrer für den nächsten Tag, brauchen aber noch den Rest des Tages, um alles zu verdauen. Wir checken regelmäßig alle Entwicklung im In- und Ausland, sind permanent informiert. Viele schreiben uns, dass wir bestimmt bald zurück geholt werden von der Regierung.
Nein. Leider gilt die Rückholaktion nicht für Sri Lanka. Wir haben uns bereits in der Krisenliste eingetragen und eine entsprechende E-Mail von der Botschaft in Colombo erhalten. Immerhin ist der Grund, dass die Regierung hier nicht tätig wird, weil immer noch kommerzielle Flüge gehen. Ein Hoffnungsschimmer.

Der Flughafen in Colombo ist mittlerweile für Einreisen gesperrt. Es kommen nur noch Leerflüge an, um Touristen rauszufliegen. Auch das sehen wir als positiv. Man will uns ja weg haben.
Auch Emirates bestätigt, dass bis Samstag täglich vier Flüge nach Dubai gehen, danach täglich drei.

Am nächsten Morgen überschlägt sich der Koch nochmal beim Frühstück und tischt uns ein sensationelles Omelette auf. Der Tag startet gut und nach dem Frühstück werden wir vom Fahrer abgeholt.
Er trägt ein Tuch um den Mund, dass er immer, wenn wir sprechen, versucht etwas höher zu ziehen. Er hat scheinbar Angst, dass wir ihn infizieren könnten.
Endlich kommen wir in Paradise Bay bei Ranga an. Seine Mutter Hilda begrüßt uns – nicht per Umarmung oder per Handschlag, aber mit einem herzlichen Lächeln. Das erste, das sie auf Deutsch sagt: „Scheiße Corona!“
Ja, recht hat sie!

Aber wir sind wahnsinnig froh, dass wir hier sind. Es ist fast ein bisschen wie nach Hause kommen. Jetzt wird alles gut.
Ranga sagt, dass er sich Sorgen um uns gemacht hat und froh ist, dass er uns die letzten Tage hier noch Unterschlupf geben kann. Wir auch!

Den Nachmittag verbringen wir am Strand. Es ist lang nicht mehr so viel los wie bei unserem ersten Besuch, aber es gibt noch Touristen, die in den Unterkünften rund herum sind. Man hält höflich Abstand voneinander. Jetzt nur nicht krank werden! Bei den kleinsten Anzeichen kommen wir hier für zwei Wochen in Quarantäne – das Letzte, das wir wollen!
Ranga muss unsere Pässe kopieren und uns bei der Polizei registrieren. „Hier gibt es nicht so Menschenrechte wie in Deutschland“, sagt er. „Hier können sie sehr schnell einfach Dinge beschließen und machen.“
Die ersten Ausgangssperren rund um Colombo sind verhängt, unter anderem in Negombo. Wie gut, dass wir nicht dorthin gefahren sind.

Abends kocht uns Hilda, aber es gibt keine Auswahl. Salat und Reis. Egal. Hauptsache Essen. Rangas Frau fragt, ob wir was trinken wollen. – Weißwein wäre toll.
Den müsste man besorgen. – Wir können ja zum Getränkeladen laufen.
Nein, sagt Rangas Vater. Die Menschen sind verunsichert und Weiße nicht mehr überall gern gesehen. Erst recht nicht bei Dunkelheit. Er fährt mit dem Roller und holt uns Wein, ihm sei sowieso langweilig.

Noch vor zwei Wochen sind wir hier im Dunkeln die Straßen entlang spaziert und wurden freundlich von den Einheimischen gegrüßt. Es hat sich so viel und so schnell verändert.

Als wir mit unserem Wein auf dem Balkon sitzen, lassen wir den Tag Revue passieren. Es ist alles verrückt. Wir kriegen viele Nachrichten aus der Heimat. Viele machen sich Sorgen, fragen, wie es uns geht.
Mein Arbeitgeber drückt die Daumen, dass alles klappt und bietet Hilfe an sofern möglich, sollte ich irgendetwas benötigen. Kollegen melden sich und machen uns Mut. Einige schreiben auch, dass wir lieber da bleiben sollen, weil Deutschland so chaotisch ist. Ich verstehe den Gedanken, aber hier fängt es genauso an. Und dann sitzen wir in einem fremden Land, wir sprechen die Sprache nicht, die Menschen fangen an, uns gegenüber argwöhnisch zu werden, die medizinische Versorgung hier geht gegen null. Und da sollen wir bleiben? Nein, wir wollen so schnell wie möglich nach Hause!
Aber unsere Flüge sind für den Montag bestätigt, das checken wir im Stundentakt online. Es wird alles gut.

Und dann bekommen wir eine Mail: Flug von Colombo nach Dubai am 02. April!

Sri Lanka 13 – Plötzlich ist alles anders


Nach unserer Safari haben wir uns Strand verdient, finden wir. Es sind immerhin noch sieben Tage. Wir reisen noch am Mittag nach Matara – eine Empfehlung von Max. Eigentlich wollten wir hier drei Nächte bleiben, aber das Hotel mit Meerblick und direktem Strandzugang entpuppt sich als ‚Meerblick, wenn man über die Mauer gucken kann‘, und direkter Strandzugang, wenn man über die Straße läuft und 100 Meter weiter ein Plätzchen sucht.

Wir sind mittlerweile verwöhnt. Da ziehen wir doch lieber weiter. Wir fragen, ob wir auch nur zwei Nächte bleiben können. Von heftigem Kopfwackeln begleitet, bestätigt unser Gastgeber, dass das alles möglich ist und gar kein Problem. Die Leute hier sind wunderbar flexibel.

Am selben Abend entdecken wir ein weiteres kulinarisches Highlight: Kottu. So eine Art gehackte Reisbandnudeln mit Gemüse, scharf angebraten. Sehr gut.
Frühstück ist beim Hotel nicht inbegriffen, obwohl uns der eifrige Besitzer am liebsten welches gemacht hätte und uns zumindest Kaffee anbieten möchte. Wir lehnen höflich ab. Kaffee scheint nur bei Ranga zu schmecken. Der Rest Sri Lankas kann nur Tee. Ceylon eben.

Nach zwei Nächten und einem schönen Strandtag an rauher See ziehen wir weiter nach Unawatuna. Zum Abschied schenkt uns der Hotelbetreiber mit einem breiten Lächeln und viel Kopfgewackel Bananen, Kuchen, Kekse und Saft. Wir sind wieder einmal ganz gerührt von so viel Gastfreundschaft.

Auch im nächsten kleinen Hotel – oder Pension oder Homestay oder wie man die vielen kleinen Unterkünfte mit teilweise nur zwei oder drei Zimmern nennen möchte – werden wir freundlich empfangen. Und diesmal sind wir richtig happy, denn wir haben einen kleinen Privatstrand. Eine winzige Bucht, vor der nur unsere Liegen stehen. Wir stürzen uns direkt nach Ankunft in die Fluten. Hier kann man es sich gut gehen lassen.

Bei all den schönen Tagen, die wir bisher verbracht haben, verlieren wir die Nachrichtenlage nicht aus den Augen. Wir haben fast überall WLAN und entsprechend beobachten auch wir mit Sorge die Entwicklungen rund um das Thema Corona.
Als wir gebucht haben, wusste noch keiner etwas davon, als wir geflogen sind, war es noch so weit weg, nun ist es plötzlich da.

Auf Sri Lanka gibt es bis zu diesem Zeitpunkt wenig Infizierte, wir selbst waren kaum in Kontakt mit anderen Touristen, sind seit zwei Wochen hier und zeigen keine Symptome. Und trotzdem müssen wir uns damit auseinandersetzen. Wir checken die Seiten der Fluggesellschaft. Alles normal. Unsere Flüge: nach wie vor bestätigt. Wir kriegen sogar nach unserer ersten Nacht in Unawatuna noch einmal eine Mail mit unseren Flugdaten. Nichts hat sich verändert. Bis zum Abend.

An diesem Tag machen wir einen Ausflug ins 5km entfernte Galle. Eine hübsche Altstadt erwartet uns und wir hoffen, endlich ein paar Souvenirs ergattern zu können. Aber es ist zu heiß, um wirklich viel rumzulaufen. Wir fahren weitestgehend unverrichteter Dinge wieder zurück.
Auch beim Abendessen im Restaurant ist noch alles in Ordnung. Erst als wir zurück sind, ereilt uns der Schock: eine E-Mail, dass unser Flug gestrichen wurde. Wir sollen innerhalb der nächsten sieben Tage eine Info über einen neuen Flug bekommen, dabei wollten wir doch in fünf Tagen fliegen.

Wir sind erstmal sprachlos. Heute Morgen war noch alles gut und plötzlich ist alles anders. Jetzt geht er also auch hier los, der Corona-Wahnsinn.

Sri Lanka 12 – Safari


Die Nacht war nicht nur kurz sondern auch noch grauenhaft. Ich war gerade eingeschlafen, als draußen ein Hund bellte. Sri Lanka ist voll von Straßenstreunern. Überall laufen sie herum, stellenweise fällt man fast darüber. Bisher waren die Tiere aber zum Glück friedlich.
Der Hund, der draußen bellte, mag auch friedlich gewesen sein, aber er hatte mich wach gemacht. Ein zweiter Hund stieg in das Gebell mit ein, ein dritter und innerhalb kürzester Zeit schienen alle Hunde Sri Lankas gemeinsam zu bellen und zu jaulen.

Was bei der Meute los war – wir wissen es nicht. Ich war jedenfalls nicht die einzige, die nicht schlafen konnte. Etwas lief über unser Dach. Vielleicht ein Affe?
Die ganze Situation war irgendwie unheimlich und definitiv schlafraubend, denn das Gebell ebbte ab und wurde dann wieder lauter, über Stunden hinweg.

Um Viertel vor fünf klingelte der Wecker, der mich nur daran erinnerte, nicht geschlafen zu haben und fünf Minuten später begannen die buddhistischen Gesänge. Spätestens jetzt wäre die Nacht eh vorbei gewesen. Nun denn, dann lasse man die Safari beginnen.

Es ist noch dunkel draußen, als wir auf den Jeep klettern, der Fahrer erwartet uns bereits gut gelaunt.
In einem Affentempo rast er mit uns zum Eingang des Nationalparks. Dort erfahren wir auch den Grund seiner Eile: wir sind nicht die einzigen, die auf Safari gehen. Frech drängelt er sich an den anderen Jeeps vorbei und fährt vor den Ticketschalter. Er springt vom Wagen, rennt zur Tür des Tickethauses und weist mich an, ihm zu folgen.
Ich komme kaum hinterher, weil ich erstmal vom Jeep klettern muss.

Er hat sich schon für mich eingereiht und macht mir den Platz in der Schlange vorm Ticketschalter frei. Na gut, dann stelle ich mich an. Um Viertel vor sechs wird der Schalter geöffnet und dann geht es… sehr langsam voran. Ein einziger Mitarbeiter druckt jedes einzelne Ticket aus. Muss man eben warten. Endlich bin auch ich an der Reihe und wir haben die Formalitäten erledigt. Den Sonnenaufgang habe ich derweil verpasst, er soll aber auch nicht so spektakulär gewesen sein.

Wir schaukeln also los über die Sandpiste. Hinter uns steigt die Sonne langsam höher und wirft ein goldenes Licht auf die Landschaft vor uns.
Es dauert nicht sehr lange, bis unser Fahrer einen Seitenweg einschlägt. Er hatte eben noch telefoniert und vermutlich einen Tipp bekommen. Einen guten.
Wir sehen die ersten Elefanten. Nur leider haben so viele diesen Tipp bekommen, dass wir die Elefanten beinahe nur durch die anderen Jeeps hindurch sehen. Die armen Dickhäuter sind regelrecht eingekreist. Sie stören sich zum Glück nicht daran.

Irgendwann ziehen auch wir weiter. Der Park ist riesig, da wird es doch auch ohne Gesellschaft anderer Touristen gehen.
Geht es auch.
Wir fahren vorbei an riesigen Baumbeständen, Blüten, die die Luft mit ihrem Duft schwängern. Die zahlreichen Vogelarten flattern in den schönsten Farben an uns vorbei. Wie kleine Juwelen flirren sie von Ast zu Ast. Die Pfauen watscheln stolz über die Wege. Wir sehen Affen, die in den Baumwipfeln hin und her springen oder am Wegesrand ihre Kleinen versorgen, Wasserbüffel, die gemütlich grasen oder ein Bad nehmen, die zarten Rehe mit ihren weißen Tupfen, die sich unter die Affen mischen. Landwarane, die sogar Kämpfe miteinander ausfechten.

Wir halten an einem See. In Ufernähe wachsen bizarre Baumformationen. Der Fahrer zeigt auf das andere Ufer. Und erst da sehen wir es: Krokodile. Und zwar richtig viele. Im ersten Moment wirkte der See noch wie ein idyllischer Ort, im nächsten wird einem die Gefahr bewusst.
Wieder am Weg hält der Fahrer, weil sich vor uns eine Python ins Gebüsch schlängelt. Und noch etwas kommt auf uns zu: Elefanten.
Zwei Bullen und eine Kuh. Diesmal ist kein anderer Jeep in der Nähe. Wir können die beeindruckenden Tiere ganz in Ruhe beobachten. Sie strahlen eine Ruhe aus und doch soviel Kraft und Würde. Wir beobachten sie eine ganze Weile, bis sie sich in die Büsche zurückziehen und nicht mehr zu sehen sind. Diese Elefanten haben für einen Moment ganz uns gehört.

Wir sehen wirklich viele Tiere. Adler, Wildschweine, Schakale, die sich vor uns auf dem Weg balgen.
War es morgens regelrecht kühl, ist es nun heiß. Die Tiere ziehen sich zurück und wir tun es ihnen nach. Nach sechs Stunden Safari geht es zurück in die Unterkunft. So langsam wird das Geschaukel aber auch unbequem und blaue Flecken gab es auch schon.
Trotzdem: ein toller Vormittag. Und keinen Tag zu früh. Drei Tage später werden die Nationalparks geschlossen. Corona.