Mach die Welt bunter


20131130-122132.jpgguerrilla knitting in Almagro, Buenos Aires

Advertisements

Ich frag einfach mal


Das Jazz Festival hat mich angefixt. Ich habe wieder richtig Lust, selbst Musik zu machen. Nach den großartigen Radioboyz im Jahre 2009 oder so ist meine Gesangkarriere ja leider eingeschlafen.

Auf der Suche nach noch mehr Jazz finde ich eine winzige Kneipe mit Livemusik. Und zwar ganz in der Nähe meiner neuen Adresse.
Coole Bar, coole Musik.

Spontan frage ich den Gitarristen, ob er eine Band oder irgendwelche Leute kennt, die noch eine Sängerin brauchen. Nur so just for fun.
Er zögert und gibt mir seine Emailadresse.

Heute habe ich ihn angeschrieben und ein kleines Stimmbeispiel rangehängt. Und siehe da, er hat sofort geantwortet. Das gefalle ihm gut, und wenn der Festtagsstress mit all den Auftritten vorbei ist, wolle er sich melden zwecks gemeinsamen Musizierens.
Das heißt also dann im nächsten Jahr.
Aber immerhin…

…und wenn er sich nicht mehr meldet… Ich kann ja noch andere fragen.
Und vielleicht klappt es mit einem Job ja auch so ähnlich.

Fernsehen? Na klar!


Ich gehe zum Bäcker. Ich bin ganz verrückt nach Chipa! Das sind kleine Brötchenbällchen mit einem Hauch von Käse.
Hier gehe ich auch komplett ungeschminkt auf die Straße, ohne Mascara und Co. In Deutschland wäre ich mir da eher nackt vorgekommen, hier ist es mir meistens egal.
In der Bäckerei bedient mich ein Mädchen mit einer Stimme, die noch kleiner ist, als sie selbst.
Ungewöhnlich. Normalerweise sprechen die Argentinierinnen seeeeehr laut. Man hat eigentlich ständig das Gefühl angeschrien zu werden.

Sie piepst mir die Preise vor (mittlerweile verstehe ich auch Piepsstimmen, yeah!), und als ich meinen Einkauf beendet habe, fragt sie mich mit großen Augen, woher ich komme.
Aus Deutschland.
Und, arbeitest Du hier?
Nein, noch nicht. Aber ich würde gern.
Beim Fernsehen?
Äh, weiß nicht.
Naja, Du könntest doch beim Fernsehen arbeiten.
Ich werde mal drüber nachdenken. Danke.

Also, ich werde mal drüber nachdenken…
Aber erst esse ich meine Chipas.

Rechenbeispiel


Hier verändert sich das Verhältnis zu Geld. Obwohl hier alles viel günstiger ist, habe ich oft das Gefühl, viel ausgegeben zu haben.
Das liegt sicher auch daran, daß ich momentan nicht arbeite und von meinem hart Erspartem lebe. (Was sich ja irgendwann ändern soll.)

Aber auf der anderen Seite ist es wirklich günstig.
Ein kleines Rechenbeispiel eines Tages:

Für etwa 2€ beim Bäcker:
Eine Tüte mit kleinen Käsebrötchen, ein Croissant und ein Muffin

Für etwa 5€ auf dem Markt:
Ein großer Burger (siehe Hauptsache gesund) und ein großer frischgepresster Multivitaminsmoothie

Für etwa 3€ im Gemüseladen:
Drei Avocados, ein Pfirsich, zwei Äpfel, eine große rote Zwiebel

Mit 10€ am Tag lebt man sehr gut.

Hauptsache gesund


Ich will auf den Markt. Langsam muß man ja daran denken, Weihnachtsgeschenke zu besorgen, auch wenn die Stimmung hier nicht besonders weihnachtlich ist. (Ein paar Geschäfte verkaufen Weihnachtsartikel, wie bei uns auch, aber irgendwie passt es nicht in den Sommer.)

Der Markt soll ganz schön sein, mit vielen handgemachten Dingen wie Schmuck und Lederwaren.
Leider ist er für mich eine Enttäuschung. Winzig klein, zwar mit hübschen Sachen, aber nicht das, was ich mir vorgestellt habe.

Ich schlendere ein bißchen weiter. Immerhin bin ich schonmal in der Ecke, in der ich sonst nicht so oft bin. Belgrano.
Da entdecke ich an einem weiteren Platz einen anderen Markt. Viel größer und voll mit Leuten.
Ein ‚Organic Food Market‘. Diese Bewegung des supergesunden Essens, überwiegend vegan, hält offenbar überall Einzug, denn aus Berlin und London kenne ich das schon. Alles muß Gluten- frei sein (wer weiß schon, was Gluten ist), möglichst alleine vom Baum fallen und das Schlimmste: durch Geschmacksneutralität glänzen.

Und diese Sachen sehen wirklich toll aus! Ich kaufe mir einen Burger aus Linsen, mit Vollkornbrot und frischem Salat…
…und bekomme eine sehr trockene Masse, die mehr oder weniger nach Nichts schmeckt.
Kein Wunder, daß man bei einigen der Besucher förmlich die Knochen sehen kann. Schön ist das auch nicht!

Ich frage mich, wer auf die Idee gekommen ist, daß vegetarisches, veganes oder einfach nur gesundes Essen nach Nichts schmecken und trocken sein muß!

Ich geb es ganz offen zu: ich hab mir beim Bäcker noch einen Muffin geholt. Ich kam mir schon ganz vertrocknet und verhärmt vor, sah meine Zukunft meditierend auf dem Rasen mit knurrendem Magen, betend um Geschmack in meinem Leben.
Der Muffin hat’s gerichtet. Gottseidank!