Von vierzig Grad auf Null


Da bin ich nun also. Fühlt sich irgendwie seltsam an. So als wäre ich kaum weg gewesen.
Und so schön, alle wiederzusehen. Meine Familie, Freunde.
Ein großes Treffen auf dem Weihnachtsmarkt. Schließlich muß ich die Tage Vorweihnachtszeit, die ich jetzt noch habe, ausnutzen.
Lichter, Dekoration, der Duft nach Mandeln und Rotkohl. Schon ein Riesenunterschied zu den fast vierzig Grad, aus denen ich gerade komme.
Ich weiß nicht, ob Weihnachtsstimmung und Kälte zwangsläufig zusammenhängen, aber wenn ich der Kälte etwas abgewinnen kann, dann ist es die Wärme, die sie bringt, wenn man mit lieben Menschen zusammensteht. Dick eingemummelt in Schal, Handschuhe und Mütze, den Glühwein in der Hand und die Freude im Herzen.

Irgendwann kriege ich dann doch kalte Füße. Zeit unter die warme Decke zu kriechen, um morgen einen kurzen, kalten, aber schönen Tag zu genießen.

Abheben


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Und schon bald bin ich wieder im Kreise meiner Familie, habe einen Temperaturunterschied von 30 Grad und spreche und höre ausschließlich deutsch.

Meine Fahrt zum Flughafen war übrigens… interessant. Der Schwager von Mirta, meiner ersten Vermieterin, hat mich letztendlich für einen Obolus gefahren. Was ich nicht wußte, ist, daß er eigentlich Taxifahrer ist. Und zwar nachts.
Das heißt, er hat gestern Abend um acht mit seiner Arbeit abgefangen und quasi nicht geschlafen. Mit kaninchenroten Augen begrüßt er mich, überfährt innerhalb der ersten zehn Minuten eine rote Ampel und fast eine Frau und geht leider noch zwischendurch ans Handy, was zu zusätzlichen Spurwechseln führt.

Aber nun gut. Ich bin hier.
Ich hatte ja sowieso überlegt, den Bus auszuprobieren, wenn ich zurückkomme.

Ein Fazit


Der Koffer ist gepackt, und vom Herrn des Hauses habe ich mich schon verabschiedet, weil er morgen früh das Haus verlässt.
Um mich nochmal daran zu erinnern, daß es sich lohnt, hierher zurückzukommen, gab es ein rein vegetarisches Abendessen und zum Nachtisch einen Brotkuchen. Klingt komisch, war aber sehr gut! Mit Nüssen und Früchten drin und begleitet von meiner Lieblingseissorte: Maracuja.

Ich kann jetzt wirklich nichts mehr essen, aber daß es sich lohnt zurückzukehren, wußte ich auch schon davor.

Ich glaube, ich kann ein kleines Fazit wagen.

Buenos Aires! Eine Stadt, die man nicht unbedingt als schön bezeichnen kann. Sie ist dreckig und laut, teilweise heruntergekommen und ab und zu leiden die Geruchsnerven.
Und sie hat Magie!
An jeder Ecke entdeckt man etwas anderes, jede Straße hat ihren eigenen Charakter und manchmal wartet hinter dem nächsten Häuserblock etwas viel Schöneres, als man je erwartet hätte.
Buenos Aires ist spannend! Es ist immer irgendwas los. Die Stadt steht nie still.

Die Argentinier! Sind zuweilen etwas laut, vor allem die Frauen.
Und die Argentinier sind herzlich, offen und hilfsbereit.
Vielleicht hatte ich Glück und bin nur besonders netten Menschen begegnet, aber selbst die meisten Leute auf der Straße, die Kassierer in den Supermärkten, die Bauarbeiter, die Blumenhändler, die Bäcker… Nur wenige Ausnahmen waren nicht ausschließlich freundlich und gut gelaunt.

Das Klima ist unberechenbar und momentan extrem heiß. Die Moskitos bringen mich förmlich um. Aber wo Hitze zu viel ist, sucht man eben den Schatten.

Das Essen schwankt von geschmacksneutral bis hin zu exzellent. Fleisch können die Argentinier definitiv, sie beherrschen Lomo, Vacía, Cuadril und Co auf der Parrilla, daß selbst Vegetarier schwach werden.
Süßes können sie auch. Es gibt quasi nichts, was man nicht noch süßer machen kann (Äpfel mit Zuckerglasur UND Popcorn drumherum), niemand sollte Argentinien besuchen und wieder verlassen ohne Dulce de Leche probiert zu haben und das wunderbare Eis hier.
Die Pizza ist anders als in Italien oder Deutschland, aber wer auf viel Käse steht, wird sie lieben, und es gibt sie an jeder Ecke.
Und dann sind da ja noch Empanadas, Medialunas, Chimichurri, Alfajores, Facturas, Chorizo…
Nur mit Salz und Pfeffer muß man manchmal nachhelfen.

Die Kultur ist vielfältig. Argentinien ist ein großes Land, und in Buenos Aires findet man Menschen aus allen Gegenden. Ich kenne Leute aus dem Süden, aus Córdoba, Tucumán, Jujuy, Porteños… Alle haben ihre Eigenarten, andere Tänze, andere Musik, andere Spezialitäten, Dialekte. Zu glauben, daß alle Argentinier Gauchos sind, ist so wie das Vorurteil, daß alle Deutschen Lederhosen tragen. (Tatsächlich bin ich bisher sehr wenigen Gauchos begegnet.)
Nur Mate, den bitteren Tee, trinken wirklich die meisten, die ich kennengelernt habe.

Es gibt viele Gründe wiederzukommen. Viele Gründe, um überhaupt auf die Reise zu gehen.
Daß ich noch nicht fertig hier bin, ist wohl ziemlich offensichtlich.

Mit Geschmack


Ein letztes Mal Mittagessen mit einem Freund in diesem Jahr in Buenos Aires. Und da entdecke ich noch ein kleines vegetarisches Restaurant, das richtig punkten kann.
Das Essen schmeckt nach was. Nicht nur gesund, sondern sogar mit Gewürzen. Salat mit Dressing (ja, auch Salate können richtig gut sein, wenn das Dressing stimmt) und ein Wrap gefüllt mit Quinoa (das ist irgendsoein supergesundes Getreide). Und dazu noch zu einem guten Preis.

Geht doch! Argentinien kann vegetarisch!

Nächstes Jahr mehr davon und später noch ein großes Eis.

Jetzt erstmal Koffer packen. Viel nehme ich nicht mit, denn die Sommersachen werde ich in Deutschland wohl nicht brauchen.

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Reisen um zu reisen


Ich kann es kaum fassen, aber in zwei Tagen sitze ich erstmal wieder im Flugzeug nach Deutschland.
Die Zeit ist einfach so geflogen.
Ich unterbreche quasi mein kleines Abenteuer, um Weihnachten im Kreise meiner Liebsten zu verbringen. Meiner Familie.

Das heißt also, daß ich am Donnerstag irgendwie zum Flughafen kommen muß.
Als ich ankam, bin ich im Taxi gefahren. Aber mittlerweile denkt man ja sich besser auszukennen und eine günstigere Methode finden zu können.
Ist gar nicht so einfach. Es gibt einen Bus, der direkt bis zum Flughafen fährt, allerdings müßte ich bis zu dessen Haltestelle erstmal ca vierzig Minuten in einem anderen Bus fahren. Und danach dauert die Reise bis zum Ziel immer noch etwa zwei Stunden.
Nicht, weil der Flughafen so weit wäre, sondern weil ein Bus nunmal Haltestellen hat. Viele. Und nicht auf dem schnellsten, sondern eben auf seinem Weg fährt.
Ich könnte also diese Reise für umgerechnet etwa 50 Cent antreten, insgesamt drei Stunden einplanen, mich mit meinem Koffer bei ungefähr 35 Grad Hitze versuchen, in einen meist vollen Bus zu quetschen und hoffen, daß nichts außerplanmäßiges passiert.

Ganz ehrlich, ich bin ja sonst sparsam, aber…

Letztendlich werden es ca 20 Euro. Der Schwager von Mirta, der Vermieterin meines ersten Zimmers, macht solche Fahrten privat und verdient sich was dazu.
Dafür holt er mich vor der Haustür ab. Und die Fahrt dauert eher so 30 bis 40 Minuten, ganz ohne Umsteigen.

Und wenn ich dann im Januar wiederkomme, kann ich ja immer noch die Busvariante testen.

Wieder anders


Zu den geplanten Hamburgern zu meiner Geburtstagsfeier kam es nicht.
Nicht weil niemand zum Essen da gewesen wäre, sondern weil alles andere schon so viel war, daß keiner mehr Hunger hatte.
Und keiner hat das Fleisch vermisst!

Im Kühlschrank lagern also jetzt 20 Hamburger samt Brot. Entweder einfrieren oder eine große Hamburgerparty schmeißen.
Ich bin erstmal für einfrieren.

Und gerade fällt mir ein, daß es auch noch eine Melone gibt. Es hätten eindeutig noch mehr Leute kommen können.
Aber meine Runde von zehn Personen war gut gelaunt und mein Geburtstag im Sommer Argentiniens eine schöne Feier.

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