Abheben


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Und schon bald bin ich wieder im Kreise meiner Familie, habe einen Temperaturunterschied von 30 Grad und spreche und höre ausschließlich deutsch.

Meine Fahrt zum Flughafen war übrigens… interessant. Der Schwager von Mirta, meiner ersten Vermieterin, hat mich letztendlich für einen Obolus gefahren. Was ich nicht wußte, ist, daß er eigentlich Taxifahrer ist. Und zwar nachts.
Das heißt, er hat gestern Abend um acht mit seiner Arbeit abgefangen und quasi nicht geschlafen. Mit kaninchenroten Augen begrüßt er mich, überfährt innerhalb der ersten zehn Minuten eine rote Ampel und fast eine Frau und geht leider noch zwischendurch ans Handy, was zu zusätzlichen Spurwechseln führt.

Aber nun gut. Ich bin hier.
Ich hatte ja sowieso überlegt, den Bus auszuprobieren, wenn ich zurückkomme.

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Ein Fazit


Der Koffer ist gepackt, und vom Herrn des Hauses habe ich mich schon verabschiedet, weil er morgen früh das Haus verlässt.
Um mich nochmal daran zu erinnern, daß es sich lohnt, hierher zurückzukommen, gab es ein rein vegetarisches Abendessen und zum Nachtisch einen Brotkuchen. Klingt komisch, war aber sehr gut! Mit Nüssen und Früchten drin und begleitet von meiner Lieblingseissorte: Maracuja.

Ich kann jetzt wirklich nichts mehr essen, aber daß es sich lohnt zurückzukehren, wußte ich auch schon davor.

Ich glaube, ich kann ein kleines Fazit wagen.

Buenos Aires! Eine Stadt, die man nicht unbedingt als schön bezeichnen kann. Sie ist dreckig und laut, teilweise heruntergekommen und ab und zu leiden die Geruchsnerven.
Und sie hat Magie!
An jeder Ecke entdeckt man etwas anderes, jede Straße hat ihren eigenen Charakter und manchmal wartet hinter dem nächsten Häuserblock etwas viel Schöneres, als man je erwartet hätte.
Buenos Aires ist spannend! Es ist immer irgendwas los. Die Stadt steht nie still.

Die Argentinier! Sind zuweilen etwas laut, vor allem die Frauen.
Und die Argentinier sind herzlich, offen und hilfsbereit.
Vielleicht hatte ich Glück und bin nur besonders netten Menschen begegnet, aber selbst die meisten Leute auf der Straße, die Kassierer in den Supermärkten, die Bauarbeiter, die Blumenhändler, die Bäcker… Nur wenige Ausnahmen waren nicht ausschließlich freundlich und gut gelaunt.

Das Klima ist unberechenbar und momentan extrem heiß. Die Moskitos bringen mich förmlich um. Aber wo Hitze zu viel ist, sucht man eben den Schatten.

Das Essen schwankt von geschmacksneutral bis hin zu exzellent. Fleisch können die Argentinier definitiv, sie beherrschen Lomo, Vacía, Cuadril und Co auf der Parrilla, daß selbst Vegetarier schwach werden.
Süßes können sie auch. Es gibt quasi nichts, was man nicht noch süßer machen kann (Äpfel mit Zuckerglasur UND Popcorn drumherum), niemand sollte Argentinien besuchen und wieder verlassen ohne Dulce de Leche probiert zu haben und das wunderbare Eis hier.
Die Pizza ist anders als in Italien oder Deutschland, aber wer auf viel Käse steht, wird sie lieben, und es gibt sie an jeder Ecke.
Und dann sind da ja noch Empanadas, Medialunas, Chimichurri, Alfajores, Facturas, Chorizo…
Nur mit Salz und Pfeffer muß man manchmal nachhelfen.

Die Kultur ist vielfältig. Argentinien ist ein großes Land, und in Buenos Aires findet man Menschen aus allen Gegenden. Ich kenne Leute aus dem Süden, aus Córdoba, Tucumán, Jujuy, Porteños… Alle haben ihre Eigenarten, andere Tänze, andere Musik, andere Spezialitäten, Dialekte. Zu glauben, daß alle Argentinier Gauchos sind, ist so wie das Vorurteil, daß alle Deutschen Lederhosen tragen. (Tatsächlich bin ich bisher sehr wenigen Gauchos begegnet.)
Nur Mate, den bitteren Tee, trinken wirklich die meisten, die ich kennengelernt habe.

Es gibt viele Gründe wiederzukommen. Viele Gründe, um überhaupt auf die Reise zu gehen.
Daß ich noch nicht fertig hier bin, ist wohl ziemlich offensichtlich.