Mein dritter Geburtstag


…ist diesmal mein eigener. Eigentlich ja schon am Dienstag, aber gefeiert werden soll heute.
Stilecht mit Asado.

Und dann passiert das, was so gar nicht passieren sollte: mein Asador, also der Mensch, der sich mit dem Grillen auf der Parrilla auskennt und mir in dem Fall helfen wollte, kann nicht kommen.
Alleine keine Chance! Schließlich habe ich keine Ahnung, welche Gradzahlen an den verschiedenen Stellen der Parrilla herrschen und wann man welches Fleisch und wieviele Kilos am Stück davon wohin legt, damit alles perfekt wird. Das ist eine Kunst für sich. Und das zarte Filet will ja keiner in Brikettform sehen!

Asado fällt aus!

Aber man ist ja flexibel, also brutzeln seit elf Uhr heute Morgen die Kartoffeln im Ofen, Guacamole, Knoblauchsoße und Tomatencreme sind vorbereitet, Möhren gekocht und eingelegt, und die Auberginen warten gerade auf ihren großen Auftritt in Sachen geröstet werden.
Salat ist gekauft, fehlen noch Käsevariationen, Salami und Schinken und Hamburger! Ja, ein bißchen wie Kindergeburtstag, aber es wird Hamburger geben. Kann sich jeder selbst belegen, macht Spaß und haben wir als Kinder schon geliebt.
Ich belege mein Brot dann eben mit Gemüse und vielen Soßen.

Außerdem gibt es genug Bier und Wein.

Ich glaub, das wird trotzdem gut!

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Essen aus Höflichkeit


Empanadas.
Ich muß sagen, mein Verhältnis zu den gefüllten Teigtaschen ist gespalten. Wenn sie richtig frisch und knusprig sind, können sie super sein. Zum Beispiel mit Mais gefüllt oder mit Käse und Zwiebeln. Herrlich.

Aber oftmals, wenn man sie irgendwo bei einem Imbiss oder in irgendeinem Laden kauft (und es gibt sie wirklich fast überall!) sind sie schnell in der Mikrowelle erwärmt und eher eine labbrige Jämmerlichkeit.

Natürlich sind sie am besten hausgemacht. Und weil in meinem Haus eben wahnsinnig gern gekocht wird, gibt es Empanadas.
Leider nur in zwei Varianten: ‚con carne‘ (in dem Fall mit Hackfleisch) und ‚con jamón y queso‘ (mit Schinken und Käse).
Ich bin ja gut erzogen, also probiere ich. Zuerst mit Hackfleisch. Nicht meins. Ich überdecke den Geschmack mit einer Gabel Salat pro halbem Biss Empanada. Problem ist, daß ich Hunger habe. Aber die mit Schinken und Käse sind bestimmt eher mein Ding. Käse mag ich schließlich sehr gerne.
Der Schinken überwiegt aber leider. Bei weitem! So viel Salat kann ich gar nicht hinterherschieben. Irgendwann fällt das dann ja auch auf. Und wenn ich mich schon nicht in überschwänglichen Lobeshymnen über das Essen äußere, muß ja wenigstens niemand mitkriegen, daß ich in Wirklichkeit dem Brechreiz nahe bin.
Ich denke also einfach an was anderes. Versuche, nur den Teig zu schmecken, und bin dankbar, daß Empanadas nicht so groß sind.

Das Filet auf dem Grill, das mir so gut schmeckt, macht einen Vegetarier eben noch nicht zum Fleischesser.

Etwas leiser bitte!


Das Viertel, in dem ich wohne, ist laut. Keine Frage. Es ist eine typische Ausgehgegend und nachts, vor allem Freitags und Samstags, ist hier die Hölle los.
Komischerweise stört mich das nicht so. Ich schließe das Fenster und fertig.

Letzte Nacht bzw. heute Morgen hätte ich allerdings am liebsten einen Lautstärkeregler für meine Umwelt gehabt.
Mittwochnacht. Eigentlich nicht ganz so laut. Aber…
…um zwei Uhr Morgens finden sich offenbar Betrunkene auf der Straße vorm Haus ein, um das ein oder andere Ständchen vor sich hin zu gröhlen. Die Gesangsleistungen sind wirklich beeindruckend, und mein Schlaf hat sich verstört in eine Ecke verzogen.
…um vier Uhr morgens fährt irgendeine Art LKW durch die kleine Straße, so daß mein Bett regelrecht bebt.
…um sechs Uhr morgens fühlt sich das Familienhündchen durch irgendwen gestört und bellt, daß die Wände wackeln.
…um acht Uhr morgens veranstalten ALLE Autos, die sich in der Straße vorm Haus befinden, ein Hupkonzert von etwa fünf Minuten. Vielleicht waren es auch alle Autos von Buenos Aires.

Also Freunde, ganz ehrlich: meine Siesta fällt heute wohl etwas länger aus!

Demokratischer Geburtstag


Der zehnte Dezember ist ein guter Tag! Es gibt Gründe zu feiern. Zum einen meinen Geburtstag, und, wie es der Zufall so will, zum anderen den Geburtstag der Demokratie Argentiniens (Die auch in unserem Haus präsent ist: wir stimmen ab, letztendlich einheitlich, daß es Pizza geben soll).

Ich feiere also in kleiner Runde mit Pizza und Torte (die ‚große‘ Party folgt noch), und Argentinien feiert mit ein paar mehr Leuten, Bands und Aktionen auf dem Plaza de Mayo in Buenos Aires.
Und dann auch noch auf den Punkt 30 Jahre Demokratie. Da sind wir ja fast gleich alt, nur ein paar Jahre Unterschied. Aber ich muß sagen: gut gehalten!

Das Spektakel auf dem Platz schaue ich mir natürlich an.
Und ganz ehrlich, wie oft passiert es schon, daß die Präsidentin höchstpersönlich zu meinem Geburtstag spricht!
Danke Frau Kirchner. Das wäre doch alles nicht nötig gewesen, aber gerne nächstes Jahr wieder.

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Bunt, bunter, La Boca


In La Boca war ich bisher nicht. La Boca ist ein Hafenviertel im Osten der Stadt, bekannt durch sein Fußballstadion „La Bombonera“, in dem die Boca Juniors zu Hause sind, so wie durch die bunten Häuser, die entstanden sind, weil die Bewohner übriggebliebenen Schiffslack verwendeten, um die Fassaden zu streichen.

Ich war deshalb noch nicht da, weil die Gegend als gefährlich gilt. Nicht nur Geschichten kursieren um Jugendbanden, sondern ich selbst habe ein Mädchen kennengelernt, die am helligten Tag dort überfallen wurde.

Aber heute habe ich Begleitung. Mirta. Meine erste Vermieterin hat eine Einladung zu einer Ausstellung und möchte, daß ich sie begleite. Mach ich gern. Erstens, weil ich eben noch nicht in La Boca war und zweitens, weil Ausflüge mit Mirta meistens etwas Ungewöhnliches an sich haben.

Es ist extrem heiß. Mich freut das, aber Mirta, der das Laufen generell schwer fällt, macht es zu schaffen. Deshalb fahren wir auch kurze Wege, die man eigentlich in fünf Minuten laufen könnte, mit dem Bus. Macht ja nichts.
Nachdem wir die Ausstellung (die offenbar mehr etwas wie ein kurzer ‚ich war da Termin‘ für Kunstliebhaber war) begutachtet haben, fahren wir weiter und steigen Höhe Caminito aus. Eine der bekanntesten Straßen, oder mehr Gassen, gefüllt mit Strassenkünstlern, Restaurants und Touristen. Hier muß ich wohl höchstens meine Handtasche im Auge behalten, aber einen Überfall wird bei der Masse an Menschen bestimmt keiner wagen.

Der Besuch lohnt sich. Die bunten Häuser, die Musiker auf der Straße, die Händler und der Fluß, der höchst dreckig und muffig vor sich hin wabert, bilden eine besondere Atmosphäre. Die bunten Häuser geben all dem einen Touch von Spielzeugland und ständiger Freude.
Neben mir stöhnt Mirta vor lauter Hitze, trinkt mir mein Wasser weg und murmelt unentwegt Unverständliches vor sich hin.

Auf dem Heimweg fährt der Bus auch durch die Nebenstraßen, die gar nicht mehr so bunt sind. Und gar nicht mehr so belebt. Und die Bewohner gar nicht mehr so herausgeputzt, um den Touristen zu gefallen und ein paar Pesos zu verdienen. Hier würde ich bestimmt nicht aussteigen. Aber muß ich ja auch nicht. Der Bus bringt mich zurück in meine heile Welt.
Nicht ganz so bunt angemalt, aber dafür nicht nur Fassade.
(Und merke: Ausflüge im Sommer mit Mirta können anstrengend sein!)

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