Fleischeslust


Seit einer Woche wieder in Buenos Aires und natürlich schon dem Fleisch verfallen.
Generell habe ich meine Ernährung momentan ganz gut im Griff. Das meiste habe ich ja beim letzten Mal schon probiert, kann ich also beruhigt stehen lassen. Eis hatte ich bisher erst einmal und nicht täglich, und die letzte größere Mahlzeit gibt es für gewöhnlich gegen acht und nicht gegen elf.

Aber man darf ja auch mal eine Ausnahme machen, vor allem, wenn man mit anderen Essen geht.
Diesmal ist es später, seit dem Frühstück habe ich nichts mehr gegessen und dementsprechend einen Bärenhunger. Aber die bösen Kohlenhydrate will ich um elf Uhr abends schon gern vermeiden. Also teilen wir uns zu dritt eine Grillplatte plus Salat.

Ich habe mich noch nie so auf Fleisch gestürzt. Und es war so gut. Selbstverständlich nur die zartesten Teile des lieben Viehs.
Einfach herrlich. Gerne hätte ich mich persönlich bei der Kuh bedankt, aber aus offensichtlichen Gründen war das nicht möglich.

Und mit so vielen Proteinen fühle ich mich nicht mal vollgefressen.
Geht doch.

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Kühler Start


Nachdem es die ganze Nacht durchgeregnet und gestürmt hat, hat es sich tatsächlich erheblich abgekühlt. Sogar so sehr, daß ich im Laufe der Nacht die Überdecke über mich geworfen habe. Schon spannend, was der Körper hier so mitmachen muß: mal eben von tropisch feuchten fast 40 Grad auf frische 18.

Die Temperaturen tun gut, aber trotzdem weiß ich noch nicht, ob es ein guter Tag ist.

Die positive Nachricht ist, daß meine Wäsche, die ich auf dem Dach vergessen hatte, nicht weggeflogen ist. Natürlich ist sie noch pitschnass… oder schon wieder.
Was es aber bedeutet, daß mein Tag damit anfängt, daß das Familienhündchen sich vor meine Zimmertür erbricht, weiß ich nicht so genau. Dazu ist noch das Toilettenpapier und der Kaffee leer.
Also, saubermachen, einkaufen, den kühlen Tag für ein Schläfchen nutzen und noch mal neu anfangen, würde ich sagen.
Dann wird’s bestimmt gut.

Regenreich


Der Himmel erbricht sich.
Was für ein Wolkenbruch! Ich liege wach und höre dem Regen und Donner zu. Und die frische Luft erfüllt den Raum.
Heute war es unerträglich heiß und vor allem schwül. Schweiß tropfte aus allen Poren eines jeden, der sich aus dem Dunstkreis einer Klimaanlage entfernte.
Wie immer kommt zuerst der Wind und zerrt an den Bäumen, kündigt das Gewitter an. Und wenn es regnet, dann nicht nur ein bißchen, sondern so richtig.

Meine Kräuter muß ich einen Tag lang nicht gießen, aber dummerweise hängt meine Wäsche noch auf der Dachterrasse…wenn der Wind sie nicht fortgeweht hat.

Doof.

Tango zum Gehen


20140123-142831.jpgEigentlich hatte ich mir ja überlegt, daß Tango vielleicht doch nichts für mich ist. Schließlich dauert es so lange, bis man in irgendeiner Form sagen könnte, daß man den Tanz etwas beherrscht, und ich weiß nicht, ob ich dafür Zeit und Finanzen aufbringen will.

Aber einmal ist ja schließlich keinmal… So eine Stunde kann man ja nochmal mitmachen. Und diesmal ist es auch keine richtige Tanzstunde, sondern es geht ausschließlich ums Gehen.
Klingt etwas seltsam, denke ich auch, stelle aber fest, daß es tatsächlich sinnvoll ist, das zu üben, denn man verliert schneller das Gleichgewicht, als man denkt.

In dem kleinen Saal mit Steinboden haben sich etwa 40 Leute versammelt, um das Gehen zu üben. Und bei weitem nicht nur Anfänger.
Männer und Frauen getrennt, schleichen wir in Reihen mal vorwärts, mal rückwärts, mal seitlich und schon ist die Stunde vorbei.
Eine Stunde Konzentration, daß man mit den hohen Hackenschuhen nicht ausrutscht oder umfällt, Bauch anspannen, Arme fest und wieder einmal schweißgebadet.
Wer hätte gedacht, daß Gehen so anstrengend und schwierig sein kann. Und trotzdem Spaß macht.
Naja, vielleicht gehe ich ja doch nochmal zu irgendeiner Unterrichtsstunde.

Mädchenparadies


Heute versprach der Himmel nicht nur Abkühlung, heute hielt er sich auch daran. Mehrere Stunden schüttete es heute Morgen wie aus Eimern. Das bedeutet, daß der Nachmittag zwar heiß, aber einigermaßen erträglich wird.
Dementsprechend bietet sich eine kleine Shoppingtour an. Der erste Weg führt in das Hinterzimmer eines Schmuckladens. Ohne Schmuck, aber mit Pesos in der Tasche wird der nach wenigen Minuten wieder verlassen. Heute geht es nicht um Schmuck, sondern um Schuhe.

Ich bin eigentlich nur Begleitung, denn es soll um Tangoschuhkauf gehen, und da meine Tangokarriere so unbedeutend, man könnte sagen schlichtweg nichtexistent, ist, daß es sich noch nicht lohnt, dafür extra Schuhe zu kaufen, schaue ich lieber zu.
Ein spezieller Laden, der nicht gleich ersichtlich in einem Hinterhaus versteckt liegt. Nachdem wir klingeln, macht man uns auf, und wir stehen im Paradies. Im Paradies für alle Frauen, die schöne Schuhe lieben (also alle Frauen!), nicht nur des Tangos wegen.

Schon wenige Minuten später stapeln sich zu unseren Füßen die feinsten, hochhackigen Tanzschuhe. In allen Farben, Materialien, Mustern. Ein Paar schöner als das andere. Vielleicht lohnt es sich allein dafür, das Tanzen anzufangen.
Dementsprechend lange dauert der Kauf, aber langweilig wird es bestimmt nicht.

Zwei Paar verlassen mit uns den Laden, und ich muß dazu sagen, daß ich tatsächlich standhaft geblieben bin und keins gekauft hab.
Für soviel Abstinenz habe ich mir ein Eis verdient.
Nochmal gehe ich bestimmt nicht ohne neue Schuhe aus so einem Laden raus.

La Boca die Zweite


Heute Morgen sah es so aus, als werde der Tag nicht ganz so heiß. Ein wenig bewölkt, etwas windig, und die Wettervorhersage sprach sogar von späterem Regen. Perfekt für einen Ausflug also.

Wie es der Zufall so will, trifft man manchmal Leute, die man kennt, aber seit fast zehn Jahren nicht gesehen hat, plötzlich in einem ganz anderen Teil der Welt. So auch hier. Mich wundert sowieso überhaupt nichts mehr, ich freue mich einfach.
Und weil es so ein schöner Tag ist, und La Boca noch nicht bei allen als gesehen abgehakt werden kann, geht der Ausflug genau dorthin.

Schon im Bus (ich wiederhole noch mal die Preiserhöhung: von 1,70 auf 3,70!), der etwa eine Stunde braucht, sind wir förmlich zerflossen. Mittlerweile sind alle Wolken wie weggeblasen, es herrscht Windstille, und das Quecksilber klettert ohne Erbarmen nach oben.
Kaum angekommen, ist das erste Ziel ein Restaurant, eine kleine Stärkung, Schatten und vor allem (extrem überteuertes) Wasser.
Und trotzdem ist es den Besuch mal wieder wert. Die bunten Häuser leuchten in der Sonne, vor jedem Restaurant bieten Tangotänzer und -sänger ihr Können dar, und an einem Montag ist zwar viel los, aber es ist nicht so eng und überlaufen wie an Wochenenden. La Boca rund um seine Gasse Caminito ist Tourismus pur, aber irgendwie erfrischend. Und besonders.

Der Bus fährt uns wieder zurück, außer duschen und sich unter den Ventilator legen, ist heute nicht mehr viel drin.
Reicht ja auch. Morgen ist schließlich ein neuer Sommertag.