Kaffee und Kommunismus


Unser erster Tag beginnt mit der Suche nach Kaffee. Das Frühstück im Hotel haben wir erfolgreich verschlafen, erst gegen Mittag machen wir uns auf, Hanoi bei Tag zu erkunden.

Wir steuern ein Café an, das ganz nett aussieht und lernen schnell: alles, was hier hübsch aussieht, ist eher für Touristen gemacht. Und dann heißt Kaffee Nescafé und kostet mehr als in den anderen Buden. Bevor der Kellner das Übel anrühren kann, halten wir ihn auf: no, no, nooo! Wildes Fuchteln mit den Armen. Die Kaffeelösung wurde gestoppt. Vietnamesischen Kaffee wollen wir, und man stellt die Dose Pulverkaffee zurück ins Regal. Erste Frage: mit Milch? Ja, ich schon. Wieder was gelernt: Milch ist hier gesüßte Kondensmilch. Nicht mein Ding. Ab jetzt trinke ich schwarz.

Das Englisch der Vietnamesen ist sehr vietnamesisch, weshalb mich die zweite Frage vor ein größeres Rätsel stellt. Sie klingt wie: ‚ho o go‘. Wir wiederholen unser vehementes ‚no milk‘. Ja, ja. Das scheint es nicht zu sein. Ho o go… vielleicht ‚home oder to go‘? Take away sage ich. Der Kellner nickt und fragt wieder ‚ho o go‘. Sekunden verstreichen, in denen ich den Kellner nur anstarre, während mein Hirn versucht, daraus eine sinnvolle Frage zu bilden. Und dann habe ich es: hot or cold. Bei vietnamesischen Temperaturen durchaus angemessen. Die Frage begegnet uns ab jetzt regelmäßig, aber wir sind gewappnet.

Der Kaffee ist ok, aber irgendwie nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich will näher dran sein. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich da doch ein Hauch von touristenfreundlichem Westkaffee eingemischt hat. Und deshalb stürze ich auf den nächsten Laden, an dem Kaffee steht. Auf einer kleinen Tafel mit Kreide. Hätte ich vorher darüber nachgedacht, hätte ich es wohl nicht gemacht. Ich ernte erstaunte Blicke; sowohl von dem Mädchen, die in dem garagenartigen Eingang steht als auch von meiner Reisebegleitung. Zu spät. Zu euphorisch habe ich schon auf die Tafel getippt und auf das Wort Coffee gedeutet. Zwischen einer schwarz angelaufenen Wand (ich weigere mich, es Schimmel zu nennen), ihrem dazwischen schlafenden Kumpanen und undefinierbaren Küchenutensilien bereitet sie mir einen Kaffee im Plastikbecher mit Strohhalm zu. Dieser Kaffee ist wirklich gut. Nur der letzte Schluck schmeckt etwas nach Plastik.

Danach besuchen wir das ehemalige Gefängnis, das heute ein Museum ist und die Geschichte des Gefängnisses darstellt. Grob zusammengefasst: die bösen Ausländer kamen zu den guten, kommunistischen Vietnamesen, nahmen sie auf brutale Art gefangen und quälten sie, doch die guten und immer tapferen Vietnamesen verloren, dank ihres kommunistischen Geistes, niemals, niemals, niemals den Mut und konnten so am Ende ihre Feinde, selbst in Gefangenschaft, zu ebenfalls guten Menschen machen, mit denen sie sogar gemeinsam musizierten und lehrten.

Lassen wir das einfach so stehen.

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