Schlammpackung


Nach dem Erlebnis in der Höhle geht es zum Mittagessen. Auf einem großen Bananenblatt serviert man uns diverse Kleinigkeiten, für uns extra vegetarisch. Die Gerichte sind frisch, aber die geschmackliche Begeisterung blieb für mich bisher aus. Alles ist sehr dezent bis gar nicht gewürzt.

So richtig viel essen kann ich eh nicht, weil gleich eine Aktion ansteht, die mich ein bisschen unsicher macht: Zip line fahren.

Die Zip Line startet in 11 Metern Höhe. Über 400 Meter hinweg schießt man an einem Seil hängend über einen Fluß. Da ich den Alpspitzkick in Nesselwang mit 60 Metern Höhe und 1,2 km Länge überlebt habe, sollte ich das hier auch schaffen. Flau im Magen ist mir trotzdem.

Ich habe aber auch keine Zeit zum Nachdenken: Nach dem Essen dürfen wir unsere Badesachen anziehen, müssen einen Zettel unterschreiben, dass wir gesund sind und werden mit dem bereits bekannten harten und doch freundlichen Befehlston in eine Schlange eingereiht. Hier bekommen wir unser Gurt-Geschirr in die Hand, lediglich mit dem Befehl ‚step in‘ und was wir sonst daraus machen, bleibt uns überlassen. Ich ziehe also einfach alle Schnallen so fest wie möglich und lasse mich in Richtung Turm schieben, von dem ich dann wohl gleich hüpfen werde.

Dann möchte ich aber bitte auch die erste in unserer Gruppe sein. Zuschauen liegt mir nicht so.

Ich werde eingehakt und ehe ich noch was sagen kann, bekomme ich einen kräftigen Schubs und los geht die wilde Fahrt.

Im Vergleich zum Alpspitzkick ist das hier eine hübsche Spazierfahrt. Wunderschön über die Schneise, die der Wald zwangsläufig über dem Fluß bildet.

Das hat Spaß gemacht.

Danach geht es direkt weiter in die Schwimmweste. Ich bekomme einen Helm auf und soll zu einem Höhleneingang schwimmen. Mache ich doch glatt.

Die ‚Dark Cave‘ ist, wie der Name nahelegt, dunkel. Sie ist keine Tropfsteinhöhle, sondern schlängelt sich mit großen Felsen und teilweise engen Schächten durch die Erde. Wir gehen mit Hilfe unsere Lampen am Helm immer tiefer in die Höhle hinein, klettern über Steine, waten durch Wasser und folgen den schmalen, sandigen Pfaden in die Dunkelheit.

Je tiefer wir kommen, umso schlammiger wird der Untergrund. Wir gehen langsamer, weil es mittlerweile rutschig ist und die Stirnlampen nur einen kleinen Teil des Weges beleuchten.

Und dann kommen wir an einen kleinen, braunen Tümpel voller Schlamm. Hier sollen wir baden, der Schlamm soll hervorragend für die Haut sein. Auf jeden Fall ist es irgendwie lustig, denn die Schlammbrühe lässt uns regelrecht schweben und schon bald sehen wir aus wie lebende Tonfiguren.

Unser Tourguide hat sich im Dunkel auf einen Felsen gesetzt und summt leise vor sich hin.

Nach einer unschätzbaren Weile führt er uns zurück aus der Finsternis, auf einem anderen Weg, damit wir uns in einem natürlichen Höhlensee den Schlamm abwaschen können. Von diesem Vergnügen werden wir allerdings noch für den Rest des Urlaubs haben: alle Versuche im Nachhinein, den Schlamm aus dem Bikini zu waschen, erwiesen sich als höchst unergiebig.

Danach ist freies Planschen angesagt. Von einem drei Meter Turm kann man sich an einer Wasser-Seilbahn hängend ins Nass katapultieren lassen. Irgendwann sind alle erschöpft, aber glücklich.

Es folgt die ‚Happy Hour‘; wir kriegen einheimischen Rum, der ganz gut schmeckt, obwohl ich kein Rumtrinker bin.

Das war ein schöner Tag und was auch immer folgt, in einem bin ich mir sicher: ich werde heute Nacht schlafen wie ein Stein.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Reiselust.

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