Welcome to Phu Quoc


Wir packen ein weiteres Mal unsere Sachen. Diesmal verabschieden wir uns von Hoi An. Und von Bi. Sie fällt mir in den Arm. Sie hat uns sowieso bei jeder Gelegenheit angefasst – und sie war nicht die einzige. In der Stadt hat es sich ein kleiner asiatischer Junge nicht nehmen lassen, mich mit großen Augen anzuschauen, während er mir beherzt die Hand auf die Beine legte. Wieder andere wollten sich mit der Blonden aus Europa fotografieren lassen. Das fühlt sich wirklich schräg an.

Bi jedenfalls drücke ich zurück und erinnere mich an die Schneiderin nach der Jackenübergabe. Auch sie fiel mir um den Hals, besser gesagt um die Taille, weil sie mir gerade bis zur Brust reichte. Herzliche, kleine Menschen.

Wir freuen uns jetzt auf unsere Strandtage. Beide Flüge (der erste geht von Danang nach Saigon und dann weiter nach Phu Quoc) haben Verspätung, so dass wir erst im Dunkeln ankommen. Wir erwarten ein noch überwiegend unerschlossenes Eiland, mein Reiseführer ist von 2016 und berichtet darüber, dass zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht viel Auswahl an Unterkünften bestand und erst nach und nach gebaut werde. Was wir schon auf der Fahrt zu unserer Bleibe sehen, macht leider einen ganz anderen Eindruck. Die gesamte Küstenstraße entlang, zumindest auf dem Abschnitt, sehen wir einen dicken Hotelklotz nach dem anderen. Dazwischen improvisierte Supermärkte und aufgerüschte Restaurants. Zum ersten Mal sehen wir Tischdecken in Vietnam.

Die Straße vor unserer Unterkunft ist laut und stark befahren, es stinkt nach Müll und vor uns huschen Ratten ins Dunkel. Zu allem Überfluss dröhnt der Bass einer anliegenden Diskothek bis in unser Zimmer. Wie sind einigermaßen geschockt.

Aber meine Haltung in solchen Momenten ist: wenn man reist, passen sich Land und Leute eben nicht den Erwartungen an; man muss sich anpassen und das Beste daraus machen oder weiterziehen.

Also trinken wir ein Bier, lachen über das ‚wunderschöne‘ Bild in unserem Zimmer, stecken uns Oropax in die Ohren und schauen einfach mal, was der nächste Tag bringt.

Meine Füße hatte ich heute noch nicht im Sand.

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