Sri Lanka 12 – Safari


Die Nacht war nicht nur kurz sondern auch noch grauenhaft. Ich war gerade eingeschlafen, als draußen ein Hund bellte. Sri Lanka ist voll von Straßenstreunern. Überall laufen sie herum, stellenweise fällt man fast darüber. Bisher waren die Tiere aber zum Glück friedlich.
Der Hund, der draußen bellte, mag auch friedlich gewesen sein, aber er hatte mich wach gemacht. Ein zweiter Hund stieg in das Gebell mit ein, ein dritter und innerhalb kürzester Zeit schienen alle Hunde Sri Lankas gemeinsam zu bellen und zu jaulen.

Was bei der Meute los war – wir wissen es nicht. Ich war jedenfalls nicht die einzige, die nicht schlafen konnte. Etwas lief über unser Dach. Vielleicht ein Affe?
Die ganze Situation war irgendwie unheimlich und definitiv schlafraubend, denn das Gebell ebbte ab und wurde dann wieder lauter, über Stunden hinweg.

Um Viertel vor fünf klingelte der Wecker, der mich nur daran erinnerte, nicht geschlafen zu haben und fünf Minuten später begannen die buddhistischen Gesänge. Spätestens jetzt wäre die Nacht eh vorbei gewesen. Nun denn, dann lasse man die Safari beginnen.

Es ist noch dunkel draußen, als wir auf den Jeep klettern, der Fahrer erwartet uns bereits gut gelaunt.
In einem Affentempo rast er mit uns zum Eingang des Nationalparks. Dort erfahren wir auch den Grund seiner Eile: wir sind nicht die einzigen, die auf Safari gehen. Frech drängelt er sich an den anderen Jeeps vorbei und fährt vor den Ticketschalter. Er springt vom Wagen, rennt zur Tür des Tickethauses und weist mich an, ihm zu folgen.
Ich komme kaum hinterher, weil ich erstmal vom Jeep klettern muss.

Er hat sich schon für mich eingereiht und macht mir den Platz in der Schlange vorm Ticketschalter frei. Na gut, dann stelle ich mich an. Um Viertel vor sechs wird der Schalter geöffnet und dann geht es… sehr langsam voran. Ein einziger Mitarbeiter druckt jedes einzelne Ticket aus. Muss man eben warten. Endlich bin auch ich an der Reihe und wir haben die Formalitäten erledigt. Den Sonnenaufgang habe ich derweil verpasst, er soll aber auch nicht so spektakulär gewesen sein.

Wir schaukeln also los über die Sandpiste. Hinter uns steigt die Sonne langsam höher und wirft ein goldenes Licht auf die Landschaft vor uns.
Es dauert nicht sehr lange, bis unser Fahrer einen Seitenweg einschlägt. Er hatte eben noch telefoniert und vermutlich einen Tipp bekommen. Einen guten.
Wir sehen die ersten Elefanten. Nur leider haben so viele diesen Tipp bekommen, dass wir die Elefanten beinahe nur durch die anderen Jeeps hindurch sehen. Die armen Dickhäuter sind regelrecht eingekreist. Sie stören sich zum Glück nicht daran.

Irgendwann ziehen auch wir weiter. Der Park ist riesig, da wird es doch auch ohne Gesellschaft anderer Touristen gehen.
Geht es auch.
Wir fahren vorbei an riesigen Baumbeständen, Blüten, die die Luft mit ihrem Duft schwängern. Die zahlreichen Vogelarten flattern in den schönsten Farben an uns vorbei. Wie kleine Juwelen flirren sie von Ast zu Ast. Die Pfauen watscheln stolz über die Wege. Wir sehen Affen, die in den Baumwipfeln hin und her springen oder am Wegesrand ihre Kleinen versorgen, Wasserbüffel, die gemütlich grasen oder ein Bad nehmen, die zarten Rehe mit ihren weißen Tupfen, die sich unter die Affen mischen. Landwarane, die sogar Kämpfe miteinander ausfechten.

Wir halten an einem See. In Ufernähe wachsen bizarre Baumformationen. Der Fahrer zeigt auf das andere Ufer. Und erst da sehen wir es: Krokodile. Und zwar richtig viele. Im ersten Moment wirkte der See noch wie ein idyllischer Ort, im nächsten wird einem die Gefahr bewusst.
Wieder am Weg hält der Fahrer, weil sich vor uns eine Python ins Gebüsch schlängelt. Und noch etwas kommt auf uns zu: Elefanten.
Zwei Bullen und eine Kuh. Diesmal ist kein anderer Jeep in der Nähe. Wir können die beeindruckenden Tiere ganz in Ruhe beobachten. Sie strahlen eine Ruhe aus und doch soviel Kraft und Würde. Wir beobachten sie eine ganze Weile, bis sie sich in die Büsche zurückziehen und nicht mehr zu sehen sind. Diese Elefanten haben für einen Moment ganz uns gehört.

Wir sehen wirklich viele Tiere. Adler, Wildschweine, Schakale, die sich vor uns auf dem Weg balgen.
War es morgens regelrecht kühl, ist es nun heiß. Die Tiere ziehen sich zurück und wir tun es ihnen nach. Nach sechs Stunden Safari geht es zurück in die Unterkunft. So langsam wird das Geschaukel aber auch unbequem und blaue Flecken gab es auch schon.
Trotzdem: ein toller Vormittag. Und keinen Tag zu früh. Drei Tage später werden die Nationalparks geschlossen. Corona.

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