Tanzmaus


Als ich meinen Eltern heute am Telefon sagte, daß es diese Woche kühl bleibt, nur so bis 30 Grad, dachten die, sie hätten sich verhört.
Aber tatsächlich gehe ich momentan mit Fleecejacke nach draußen. Gut, heute waren es wirklich nur 20 Grad.

Die frischen Tage, an denen man nicht hitzebedingt einem Kreislaufkollaps nahe kommt, muß man für Bewegung nutzen.
Ja, ich hätte auch joggen können, aber tanzen ist doch auch schön.
Also wird es an einem Abend Bachata. So etwas ähnliches wie Salsa (zumindest für meine Ohren). Schon einmal war ich in dieser Bar und landete unwissentlich in der Tanzstunde, diesmal ganz bewußt. Eineinhalb Stunden werden die Hüften geschwungen, Drehungen geübt, und die Lachmuskeln kommen auch nicht zu kurz.

Heute dann mal wieder Tango. Ich habe eine Adresse bekommen, von einem Ort, an dem Anfängerunterricht stattfindet. Erst hab ich gezögert, aber gucken kann man ja mal.
Wie immer bin ich die erste vor Ort. Ich denke schon, ich habe mich im Haus geirrt, als dann wirklich gerade so pünktlich, und keine Sekunde zu früh, die Tanzlehrer und anderen Schüler kommen. (Memo: Ich muß mir unbedingt mehr Zeit lassen bei allem.)
Wir sind zu acht, alles Anfänger. Die anderen waren aber schon ein paar Mal da. Wiedereinmal beginnen wir, Gehen zu lernen.
Und dann, nach und nach, gehen wir im Wechsel mit den verschiedenen Tanzpartnern und irgendwann, nach einer Stunde, fühlt es sich nicht mehr ganz so nach Gehen, sondern auch ein bißchen nach Tanzen an.

Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, ich fühle einen leichten Muskelkater in Armen, Po und Beinen, und ich freue mich schon auf nächsten Samstag.

Am Dienstag steht übrigens Samba auf dem Plan. Mal sehen, ob das was wird.

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Tango ist ein Arschloch


Da klappt es jetzt endlich mit der Sprache, zumindest im Großen und Ganzen, da stellt sich mir das nächste Verständigungsproblem. Das auf der Tanzfläche.
Ich hatte erst fünf Stunden, das ist quasi gar nichts. Aber es ist genau wie bei einer Sprache, wenn man nicht rausgeht und sich in freier Wildbahn versucht, nützen auch die besten Unterrichtsstunden nichts.
Und Tango hat tatsächlich was von einer Sprache. Der Mann markiert, im besten Falle verständlich, welche Bewegung als nächstes folgen soll, und die Frau versteht, im besten Falle, was der Mann ihr markiert.

Bei mir ist es so: ich verstehe beim Tango noch nicht viel. Deshalb ist es nett, wenn jemand langsam und deutlich „spricht“.

Beim Spanisch lernen war das viel einfacher. Da sind alle entgegenkommend und hilfsbereit, beim Tango will man lieber einfach tanzen und zeigen, was man kann.
Einige wenige gibt es, die sich Zeit nehmen und erklären. Und dann passiert es tatsächlich…
Dieser Moment, in dem man tanzt, ist als würde man fliegen.

Aber gestern hat mich einer aufgefordert, der genau wußte, daß ich Anfängerin bin. Nach einem halbem Lied wollte er dann auch schon nicht mehr. Und das ist sehr, sehr unhöflich! Und macht einen sehr, sehr unsicher!

Manchmal ist Tango ein Arschloch, und in dem Fall der Typ auch!
Weitertanzen werde ich trotzdem…

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La Catedral


20131113-133253.jpgJa, ich besuche ‚La Catedral‘. Allerdings nicht an einem Sonntagmorgen sondern an einem Dienstagabend.

‚La Catedral‘ ist eine Milonga. Also ein Ort, an dem Tango getanzt wird, und diese Milonga scheint eine der bekanntesten zu sein.
Schließlich will ich endlich meine erste Tangostunde haben.

Von außen sieht das Gebäude nicht sehr sakral aus, mehr wie ein heruntergekommenes Fabrikgebäude. Also lieber reingehen.

Ich habe mich informiert. Um neun ist eine Stunde Gruppenunterricht für Anfänger. Etwa um zehn vor neun bin ich da.
Der Herr vorm Tanzsaal sitzt an seinem kleinen Tisch und schaut mich mürrisch an. Ich erkläre ihm freundlich, daß ich die Stunde um neun mitmachen möchte und noch nie Tango getanzt habe. Das ist ihm egal.
Die Stunde um neun ist jetzt die Stunde um zehn, sagt er mir. Welche ich also mitmachen will. Die um neun oder die um zehn?
Naja, die um neun. – Ja, aber die ist jetzt um zehn. Ob ich die, die jetzt anfängt, mitmachen will??
Das weiß ich nicht. Was ist denn das jetzt für eine Stunde? Ist das sinnvoll? (Ich hatte ihm ja gesagt, daß ich noch nie Tango getanzt habe. Ist ihm immer noch egal.)
Gemurmel. Ich solle mich doch jetzt bitte entscheiden, welche Stunde ich mitmachen will!
Ok, dann die, die jetzt um neun anfängt, die aber nicht die Stunde um neun ist, weil die um zehn anfängt.
Alles klar. Macht vierzig Pesos (etwa 4Euro). Ich gebe 100.
Wie genervt kann ein Mensch sein!? Ob ich es denn nicht kleiner habe? Er brauche Wechselgeld!
Kleiner habe ich nur 37 Pesos. Keine Gnade. So dringend will er das Wechselgeld dann auch nicht, daß er mir die drei Pesos erlässt, stattdessen gibt er mir, begleitet von weiterem Gemurmel, das ich zum Glück nicht verstehe, auf meine Hundert raus.

Endlich habe ich den bisher unfreundlichsten Menschen Argentiniens überstanden, da fängt die Stunde auch schon an. Etwa 25 Pärchen stehen auf der großen Tanzfläche, in der Mitte die Lehrer und drum herum Tische und Stühle, gefüllt mit Leuten, die zum Essen, Trinken und Schauen gekommen sind. Und, ein Glück, ich habe eine Anfängerstunde erwischt.

Wir lernen die ersten einfachen Schritte, und dann soll sich jeder einen Partner suchen. Mit sowas habe ich ja immer besonders viel Glück. Der einzige Typ, der offenbar ohne weibliche Begleitung gekommen ist, wird mir zugeteilt, hat Mundgeruch, ist klein, spricht nur Portugiesisch und kann noch weniger tanzen als ich.
Während die anderen Paare Fortschritte machen und wörtlich den Dreh raushaben, latscht er konsequent in die falsche Richtung und will auch erst glauben, daß der Schritt so nicht stimmt, als der Tanzlehrer ihn korrigiert.

Nach einer Stunde sind wir zwar immer noch das schlechteste Tanzpaar, aber wenigstens habe ich eine Ahnung davon, daß es durchaus Spaß machen kann (als der Tanzlehrer ihm den Schritt gezeigt hat, hat er kurz mit mir getanzt).

Der Portugiese lädt mich zu seinen portugiesischen Pärchenfreunden an den Tisch ein, an dem sie ausschließlich Portugiesisch sprechen, und er weiter Mundgeruch hat.
Und um halb elf fängt dann die Stunde an, die nicht die Stunde um neun ist, weil sie heute um zehn anfängt.

Ich komme bestimmt noch mal wieder.
Dann aber so gegen achtzehn Minuten vor oder nach zehn und einer Tasche voll Pfefferminzbonbons.

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