Tango ist ein Arschloch


Da klappt es jetzt endlich mit der Sprache, zumindest im Großen und Ganzen, da stellt sich mir das nächste Verständigungsproblem. Das auf der Tanzfläche.
Ich hatte erst fünf Stunden, das ist quasi gar nichts. Aber es ist genau wie bei einer Sprache, wenn man nicht rausgeht und sich in freier Wildbahn versucht, nützen auch die besten Unterrichtsstunden nichts.
Und Tango hat tatsächlich was von einer Sprache. Der Mann markiert, im besten Falle verständlich, welche Bewegung als nächstes folgen soll, und die Frau versteht, im besten Falle, was der Mann ihr markiert.

Bei mir ist es so: ich verstehe beim Tango noch nicht viel. Deshalb ist es nett, wenn jemand langsam und deutlich „spricht“.

Beim Spanisch lernen war das viel einfacher. Da sind alle entgegenkommend und hilfsbereit, beim Tango will man lieber einfach tanzen und zeigen, was man kann.
Einige wenige gibt es, die sich Zeit nehmen und erklären. Und dann passiert es tatsächlich…
Dieser Moment, in dem man tanzt, ist als würde man fliegen.

Aber gestern hat mich einer aufgefordert, der genau wußte, daß ich Anfängerin bin. Nach einem halbem Lied wollte er dann auch schon nicht mehr. Und das ist sehr, sehr unhöflich! Und macht einen sehr, sehr unsicher!

Manchmal ist Tango ein Arschloch, und in dem Fall der Typ auch!
Weitertanzen werde ich trotzdem…

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Bailando ODER Man, bin ich deutsch! ODER Ich muß mal!


Tanzstunde.
Nach einer Woche Lernen und Kopf rauchen, brauche ich physischen Ausgleich. Da reicht auch der Weg zur Schule jeden Morgen nicht. Also gehe ich mit einer anderen Deutschen, die hier wohnt, zu einer Tanzstunde. Was genau das wird, weiß ich noch nicht. Ist ja auch egal, Hauptsache ein bißchen Bewegung.

Außer uns sind noch zwei Mädels aus Argentinien da und die Lehrerin. Alle ungefähr 1,55m groß, zierlich, laut – sehr laut! – und gut gelaunt. Bevor man mit der Stunde anfängt, müssen erstmal die privaten Zustände erörtert werden… Ist die eine noch mit ihrem Freund zusammen, wohin will die andere umziehen, was gibt es Neues bei der Schwester der Dritten…

Und dann geht es los. Reaggaton nennt sich die Musik und Tanzart. Wie Reggae, nur viel schneller und härter. Und zwar sehr schnell. Es stellt sich heraus, daß die anderen Mädels bereits in den Wochen zuvor mit einer Choreographie begonnen haben. Da bin ich also erstmal raus. Aber ich kann ja bei den neuen Teilen einsteigen. Leichter gesagt als getan. Die Damen bewegen sich so schnell, schütteln Hüften und Popos und sehen dabei einfach nur gut aus. Ich fühle mich wahnsinnig deutsch.
Bei einem Tanzschritt versucht mir die Lehrerin was zu erklären. No entiendo! Also übersetzt die andere Deutsche für mich: ein bißchen so, als müßtest Du aufs Klo.
Aha. So sehe ich also beim Tanzen aus. Na, sehr freundlich!
Zum Glück ist die Stunde bald vorbei. Mir reicht’s! Das Missverständnis klärt sich leider erst danach auf. Nicht ich sehe so aus, als müsse ich aufs Klo, sondern die Beinhaltung bei dem Tanzschritt soll so aussehen.

Ich bin ein bißchen erleichtert. Beim nächsten Mal werde ich einfach vorher sehr viel trinken. Vielleicht klappt’s dann!