Plan steht


Nach all der Ostervöllerei musste ich meinem Magen Ruhe gönnen.
Keine Süßigkeiten (Ostersonntag war Highlight für alle das Köpfen riesiger Schokoladeneier) und auch keine Fleischexperimente.
Die Rückfahrt aus Córdoba verlief problemlos. Diesmal ohne Mückenschwärme, die uns die Sicht versperren, dafür mit einem Platten, der aber innerhalb von fünf Minuten gewechselt war.

Mir bleiben jetzt nur noch zwei Wochen und zwei Tage bis zur Rückreise nach Deutschland. Aber bis dahin habe ich noch einiges vor:
Pläne zeichnen, denn im Garten meiner Eltern wird es eine Parrilla und einen dazugehörigen Ofen geben. Widerstand zwecklos. Der Anfang ist schon gemacht.

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Die Handarbeit beginnt dann im Mai.

Und noch viel schöner: ich kriege tatsächlich nochmal Besuch. Am Samstag kommt eine Freundin aus Berlin.
Zusammen fliegen wir dann nach Deutschland. Vielleicht fällt der Abschied dann nicht ganz so schwer.

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Chivito in Merlo


Schon um acht Uhr morgens starten wir zu einem kleinen Ausflug in das zwei Stunden entfernt gelegene Merlo. Fernando will einen alten Freund besuchen, aber eigentlich, sagt er mir, ist das für ihn nur ein netter Vorwand um mal wieder dort hin zu fahren.

Die Straße ist relativ neu und von bester Qualität, kaum Verkehr, und so kommen wir schnell voran. Auf der einen Seite erhebt sich ein Berg, auf der anderen Seite kann man kilometerweit über die Pampa schauen.

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Fernando erzählt mir Geschichten zu den wenigen kleinen Dörfern, die wir passieren. Wo sie als Kinder gespielt haben, Urlaub gemacht haben, und was es damals noch nicht gab.
Und er erzählt von einer kleinen Ziegenart, die für die Region typisch sei, die wir unbedingt probieren müssten.

Der Ort ist extrem hübsch und erstreckt sich über den Hang des Berges.

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Der Besuch bei seinem alten Freund dauert etwa zehn Minuten (wirklich nur ein Vorwand also), danach schauen wir uns zu Fuß den Ort an.
Sehr touristisch, aber schön angelegt. Und das wichtigste: überall werden die kleinen Ziegen, Chivitos, angeboten.

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Ich bin skeptisch. Schon die Zubereitungsart – Stunden um Stunden an der Seite des Feuers – und der Anblick der aufgespießten Tiere erwecken bei mir nicht unbedingt Gelüste. Aber ich hatte versprochen, zu probieren.

In einem Restaurant, das uns eine Verkäuferin im Ort empfohlen hat, lassen wir uns nieder. Wir wollen Chivito probieren.
Dann bringe er uns zwei Portionen, sagt der Kellner. Nein, sage ich, lieber eine. Ich will ja nur probieren.
Zum Glück!
Eine Portion ist schon riesig, und das Fleisch gelinde gesagt furchtbar. Zum einen ist kaum was dran an dem Tierchen, zum anderen ist es das trockenste, das ich je gegessen habe (schlimmer als Lama). Wenn Essen im Mund beim Kauen mehr wird…
Nach einer Gabel lege ich den Rest zurück auf die Grillplatte.
Ich halte mich an Salat und Brot und überlasse Fernando den Rest. Der isst brav einen Großteil auf. Dann schaut er mich an und sagt: es ist wirklich extrem trocken.
Wir beschließen beide, daß wir Chivito von der Liste der essbaren Dinge streichen können.

Die Rechnung kommt, und damit der Schock! Mehr, als wenn man in Buenos Aires in einem guten Restaurant zu dritt essen geht und dazu ordentlich trinkt.
Fernando zückt schon seine Kreditkarte, aber um das ungeprüft zu lassen, bin ich vielleicht zu Deutsch. Und tatsächlich ist es auch gar nicht unsere Rechnung. Nach Beanstandung bringt uns der Kellner die richtige, die nur etwa halb so viel drauf hat.

Wir machen uns auf den Rückweg, denn schließlich werden wir auch im Dorf wieder erwartet. Mit Essen, wie immer. Aber wenigstens mit gutem!

Karfreitag


Karfreitag.
Heute kommt die gesamte Familie zusammen. Im Restaurant treffen wir uns mit etwa zwanzig Brüdern, Schwestern, Tanten, Onkels und dementsprechendem Nachwuchs.

Es ist laut. Alle reden kreuz und quer, wie das bei einem Familientreffen so üblich ist, und natürlich wird gegessen und getrunken.
Eigentlich gibt es Paella für alle, denn an Karfreitag soll man ja auf Fleisch verzichten.
Ich bekomme eine Gemüsetarte, und es gibt doch tatsächlich einige, die es wagen Fleisch zu bestellen.
Die Nichte Fernandos zum Beispiel. Sitzt neben mir und isst ihr Fleisch so schnell, daß man kaum sehen konnte, was sie auf dem Teller hatte. Aus Angst, Gott zu erzürnen sagt sie. Und von ihrer Schwester erhält sie eine kräftige Rüge.
Nunja, bis jetzt ist nichts Schlimmes passiert. Ich glaube, Gott war nicht sehr erzürnt darüber.

Nach dem Essen legen sich die meisten hin.
Damit ich aber was von der Umgebung mitkriege, machen wir einen kleinen Ausflug an eine nahegelegene Lagune, wo sich heute viele versammelt haben, um ihren Karfreitagsfisch zu angeln.

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Danach hält mich eine Tante von der Siesta ab, die ein chronisches Redebedürfnis hat. (Ich frage mich wirklich, ob sie im Schlaf ruhig ist.) Mir fällt ein, daß sie die Tante war, die beim Mittagessen rumgegangen ist, um die Reste von den Tellern zu leeren. Bunt gemischt, von Paella über Kuchen bis hin zu Salat hat sie sich aufopferungsvoll alles in der Mund geschoben. Vielleicht der einzige Moment des Schweigens heute ihrerseits.

Schließlich ist es schon wieder Zeit zum Abendessen.
Um elf Uhr abends bin ich knatschkaputt. Die Nichte fragt erstaunt, warum ich denn müde sei.

Ganz einfach:
Weil ich ca. 20 neue Leute kennengelernt habe, in einer Sprache, die nicht meine Muttersprache ist, in ungewohnter Umgebung und Klima. Und wieder viel zu viel gegessen habe.
Ich glaube, da hat Erschöpfung Berechtigung.

Auf nach Córdoba


So machen wir uns also auf den Weg nach Córdoba.
Die Lunchtüten sind gepackt und der Rest auch. Zu dritt sitzen wir im Auto.

Kurz nach eins mittags starten wir die Reise, und entgegen aller Erwartungen sind die Straßen überhaupt nicht überfüllt. Wir kommen gut vorwärts, und schon bald beginnt die Landschaft sich zu verändern.

Alles Flach. Wir fahren hunderte von Kilometern ohne einen Hügel durch die Pampa.
Ich gebe offen zu, daß mir die ein oder andere Erhebung in der Landschaft schon immer besser gefallen hat, aber hier ist es nunmal eben platt.
Und geregnet hat es offenbar auch viel. Teilweise stehen die Felder links und rechts der Straße unter Wasser. Mais, Alfalfa und vor allem Soja schwimmen mehr oder weniger vor sich hin. Rinder sehen wir weniger als erwartet. Vielleicht gibt es doch gar nicht so viele in Argentinien? Oder alle schon aufgegessen?

Unsere Reise verläuft ohne Zwischenfälle… Bis die Sonne sich dem Horizont nähert. Plötzlich blenden die Strahlen so sehr, daß man kaum noch etwas sieht. Ich sitze auf dem Beifahrersitz und habe ab jetzt eine neue Aufgabe: Abstandswarner. Denn immer wieder fährt Fernando rechts in die Pampa, weil er die Straße nicht mehr richtig erkennt. Den ein oder anderen Schreck muß ich so über mich ergehen lassen. Noch schlimmer wird es, als wir so ziemlich alle Mosquitos Argentiniens auf der Windschutzscheibe haben. Die Nichte fragt noch vom Rücksitz ob es regnet. Nein, das, was aufs Auto prasselt, sind Insekten in Hülle und Fülle.

Es hilft nichts. Wir müssen anhalten und provisorisch die Scheibe reinigen, man sieht gar nichts mehr.
Aber für all die kleinen Widrigkeiten werden wir mit schönen Farben am Himmel entschädigt.

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Nach etwas über acht Stunden erreichen wir schließlich unser Ziel. Und natürlich geht es direkt los mit Essen.
Es wird großzügig aufgetischt, und ohne einen Nachschlag komme auch ich nicht davon.
Mal sehen, wie viele Kilos man in vier Tagen zunehmen kann.

Osteressen


Ostern steht vor der Tür und damit ein langes Wochenende für alle.
Und für mich eine Fahrt nach Córdoba, einer Provinz im Landesinneren.

Hausherr Fernando und seine Familie kommen von dort, und bis auf er selbst leben dort noch alle seine Brüder. Zeit für eine Familienreunion also.
Und ich bin eingeladen, sie zu begleiten.
Auf die Frage hin, was wir dort voraussichtlich so machen, hieß es, ziemlich viel Essen, lange schlafen, noch mehr essen, am Sonntag besonders viel Schokolade essen, und schon gleich, wenn wir abends ankommen Essen gehen.
Ich sehe meinen Magen schon um Hilfe schreien, aber da muß er wohl durch.

Morgen Mittag geht die Fahrt im Auto los, mindestens acht Stunden werden wir wahrscheinlich unterwegs sein.
Ich zweifle noch, ob ich meinen Magen vortrainieren soll oder lieber ab sofort gar nichts mehr esse, bis wir ankommen.
Ostern wird dieses Jahr auf jeden Fall anders.