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Heute erst Argentinien, dann Deutschland. Ich bin bereit!

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Heißes Mädchen


Unsere Koffer wiegen exakt so viel wie sie dürfen. Und das ganz ohne Kontrolle mit einer Waage. Wir sind einfach wahnsinnige Packexperten (oder haben wahnsinnig viel Glück). Mein Handgepäck ist ein klitzekleines bißchen zu schwer, so drei bis fünf Kilo etwa, aber ich tue ganz lässig. Merkt keiner.
Nur der Herr im Flugzeug, der mir hilft, die Tasche in die Gepäckablage zu heben, schaut etwas überrascht.

Der Flug ist nicht gerade ein Fest. Weder meine Freundin noch ich können in den 13 Stunden schlafen, während der dicke Mann zu meiner Rechten selig vor sich hinschnarcht, und der nicht ganz so dicke Mann zur Linken meiner Freundin beinahe mit dem Kopf auf ihrer Schulter liegt.
Dafür kommen unsere Koffer fast als erstes übers Gepäckband in Frankfurt gerollt. Ist ja auch was tolles. Und meine Eltern stehen schon in freudiger Erwartung am Ausgang. Meine Mutter derartig freudig, dass sie beinahe den gesamten Flughafen mit ihren Begrüßungsarien beschallt. Naja, sind bestimmt auch Leute, die nicht abgeholt werden, die haben so auch ein bißchen Wärme und Willkommen abbekommen.

Meine Freundin und ich nehmen Abschied. Für sie geht es weiter nach Berlin, vor mir liegt noch eine Stunde Fahrt in ländlichere Regionen.
Und ich kann nur sagen: wie schön ist Deutschland momentan! Was für ein grün!

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Und ich bin müde. Soooo müde.
Duschen und ein viertel Brötchen essen, schaffe ich gerade noch, dann falle ich in tiefen Schlaf. Um fünf Uhr nachmittags weckt mich meine Mutter nochmal. Überraschungsbesuch von Tante und Cousine. Ich freue mich wirklich, aber stehe gleichzeitig so neben mir, dass ich sofort danach wieder ins Bett husche. Da ist es schon wieder da, das fiebrige Gefühl, das ich in den letzten zwei Wochen immer mal wieder hatte. Dazu habe ich auf den Beinen irgendeinen fiesen, roten Ausschlag.
Nach einer schweißgebadeten Nacht kann ich auch wirklich mal nachmessen, und die Temperatur steuert so auf die 40 zu.

Wie gut, wenn Mama Wadenwickel macht.
Aufs Arbeitsamt muss ich nämlich am nächsten Tag trotzdem, sonst bin ich nicht krankenversichert, und es könnte ja sein, dass ich das jetzt gerade brauche.
In den folgenden Tagen geht es lustig auf und ab. Zwischen 38 und 39 Grad.
Mein Papa wettet schon: ‚ich sag 38,2‘

Aktuell sind es 38. Fühlt sich nach gar nichts an im Vergleich zu vorher. Wer gerne einen Tipp für die nächste Messung abgeben will… Alles ist leichter mit Humor.
Also, ich sag mal 37,5.

Der Herbst naht


Es wird ganz klar Herbst, obwohl die Sonne heute scheint, und wir einen schönen Tag haben.
Aber Herbst auch, was meine Reise betrifft. Nur noch etwas über einen Monat, dann werde ich ins Flugzeug nach Deutschland steigen.
Geplant war eigentlich bis August, aber da gibt es Probleme mit dem Flug, und für einen komplett Neuen fehlt ein bißchen das liebe Geld.

Ich freunde mich ganz langsam mit dem Gedanken an.
Zumindest, Buenos Aires erstmal zu verlassen. Wieder ganz in Deutschland zu sein? Noch nicht richtig. Wenigstens wird es dort dann Sommer, das erleichtert mir das Ganze vielleicht.

Aber mein kleiner Kräutergarten wird ohne mich wachsen müssen, die Avocados reifen hoffentlich, aber ohne, daß ich sie probieren könnte.
Die Straßen, die ich mittlerweile so gut kenne, die Menschen, mit denen ich meine Zeit verbringe, die Stadt, die ich lieben gelernt habe, wird langsam vor meinem inneren Auge verblassen. Wird nur noch eine Erinnerung sein.

Ich darf noch nicht zu viel darüber nachdenken.
Aber es ist, wie es ist. Und das Leben hält sicher neue Abenteuer für mich bereit. Vielleicht soll es auch einfach so sein.

Von vierzig Grad auf Null


Da bin ich nun also. Fühlt sich irgendwie seltsam an. So als wäre ich kaum weg gewesen.
Und so schön, alle wiederzusehen. Meine Familie, Freunde.
Ein großes Treffen auf dem Weihnachtsmarkt. Schließlich muß ich die Tage Vorweihnachtszeit, die ich jetzt noch habe, ausnutzen.
Lichter, Dekoration, der Duft nach Mandeln und Rotkohl. Schon ein Riesenunterschied zu den fast vierzig Grad, aus denen ich gerade komme.
Ich weiß nicht, ob Weihnachtsstimmung und Kälte zwangsläufig zusammenhängen, aber wenn ich der Kälte etwas abgewinnen kann, dann ist es die Wärme, die sie bringt, wenn man mit lieben Menschen zusammensteht. Dick eingemummelt in Schal, Handschuhe und Mütze, den Glühwein in der Hand und die Freude im Herzen.

Irgendwann kriege ich dann doch kalte Füße. Zeit unter die warme Decke zu kriechen, um morgen einen kurzen, kalten, aber schönen Tag zu genießen.

Bitter macht wach


20131008-170530.jpg In der Schule gibt es morgens Kaffee. Und Tee. Ganz normalen Tee. Beutel und heißes Wasser in Tassen. Allerdings eher frequentiert von den Schülern, nicht von den Lehrern.

Die haben ihre eigenen Thermoskannen. Und zwar permanent dabei. Wie sehr viele der Argentinier. Denn nur so können sie ihren unerschöpflichen Vorrat an Mate Tee aufrecht erhalten.

Ich bin mittlerweile auch keine Jungfrau mehr in Sachen Mate. Schon am zweiten Tag hab ich probiert.
Das Leben kann manchmal bitter sein, der Mate ist es immer. Selbst mit Honig, denn freundlicherweise hat man mir zum Anfang erstmal eine ’süße‘ Version angeboten. Mate mit Honig ist ungefähr so, als würde man versuchen, einem Sojasoße als Schokolade zu verkaufen. Es funktioniert einfach nicht. (Damit will ich nicht sagen, dass Mate auch nur ansatzweise nach Sojasoße schmeckt.) Entweder man mag ihn in seiner Bitterkeit oder eben nicht.

Ich mag ihn. Auch, wenn ich ihn nicht mit jedem trinken würde. Denn man teilt sich in der Regel ein Gefäß und einen Trinkhalm, der aus Holz oder Metall sein kann. Einer (der mit der Thermoskanne) gießt heißes Wasser auf die Kräuter und läßt das Gefäß dann rumgehen. Wenn die Flüssigkeit alle ist, wird Wasser nachgegossen.

Und so geht das den ganzen Tag.

Wer schon mal Mate in Deutschland aus der Flasche getrunken hat, hat etwa ein viertel an Bitterkeit probiert, wie beim richtigen Mate.

Und das Zeug macht wach. Wahrscheinlich sind die Nächte hier deshalb so lang…