Ein Fazit


Der Koffer ist gepackt, und vom Herrn des Hauses habe ich mich schon verabschiedet, weil er morgen früh das Haus verlässt.
Um mich nochmal daran zu erinnern, daß es sich lohnt, hierher zurückzukommen, gab es ein rein vegetarisches Abendessen und zum Nachtisch einen Brotkuchen. Klingt komisch, war aber sehr gut! Mit Nüssen und Früchten drin und begleitet von meiner Lieblingseissorte: Maracuja.

Ich kann jetzt wirklich nichts mehr essen, aber daß es sich lohnt zurückzukehren, wußte ich auch schon davor.

Ich glaube, ich kann ein kleines Fazit wagen.

Buenos Aires! Eine Stadt, die man nicht unbedingt als schön bezeichnen kann. Sie ist dreckig und laut, teilweise heruntergekommen und ab und zu leiden die Geruchsnerven.
Und sie hat Magie!
An jeder Ecke entdeckt man etwas anderes, jede Straße hat ihren eigenen Charakter und manchmal wartet hinter dem nächsten Häuserblock etwas viel Schöneres, als man je erwartet hätte.
Buenos Aires ist spannend! Es ist immer irgendwas los. Die Stadt steht nie still.

Die Argentinier! Sind zuweilen etwas laut, vor allem die Frauen.
Und die Argentinier sind herzlich, offen und hilfsbereit.
Vielleicht hatte ich Glück und bin nur besonders netten Menschen begegnet, aber selbst die meisten Leute auf der Straße, die Kassierer in den Supermärkten, die Bauarbeiter, die Blumenhändler, die Bäcker… Nur wenige Ausnahmen waren nicht ausschließlich freundlich und gut gelaunt.

Das Klima ist unberechenbar und momentan extrem heiß. Die Moskitos bringen mich förmlich um. Aber wo Hitze zu viel ist, sucht man eben den Schatten.

Das Essen schwankt von geschmacksneutral bis hin zu exzellent. Fleisch können die Argentinier definitiv, sie beherrschen Lomo, Vacía, Cuadril und Co auf der Parrilla, daß selbst Vegetarier schwach werden.
Süßes können sie auch. Es gibt quasi nichts, was man nicht noch süßer machen kann (Äpfel mit Zuckerglasur UND Popcorn drumherum), niemand sollte Argentinien besuchen und wieder verlassen ohne Dulce de Leche probiert zu haben und das wunderbare Eis hier.
Die Pizza ist anders als in Italien oder Deutschland, aber wer auf viel Käse steht, wird sie lieben, und es gibt sie an jeder Ecke.
Und dann sind da ja noch Empanadas, Medialunas, Chimichurri, Alfajores, Facturas, Chorizo…
Nur mit Salz und Pfeffer muß man manchmal nachhelfen.

Die Kultur ist vielfältig. Argentinien ist ein großes Land, und in Buenos Aires findet man Menschen aus allen Gegenden. Ich kenne Leute aus dem Süden, aus Córdoba, Tucumán, Jujuy, Porteños… Alle haben ihre Eigenarten, andere Tänze, andere Musik, andere Spezialitäten, Dialekte. Zu glauben, daß alle Argentinier Gauchos sind, ist so wie das Vorurteil, daß alle Deutschen Lederhosen tragen. (Tatsächlich bin ich bisher sehr wenigen Gauchos begegnet.)
Nur Mate, den bitteren Tee, trinken wirklich die meisten, die ich kennengelernt habe.

Es gibt viele Gründe wiederzukommen. Viele Gründe, um überhaupt auf die Reise zu gehen.
Daß ich noch nicht fertig hier bin, ist wohl ziemlich offensichtlich.

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So ein Theater


In dieser Stadt kann man quasi rund um die Uhr irgendetwas wahrnehmen und sehr oft gratis. Etwas ist immer.
Letzte Woche war zum Beispiel Nacht der Museen, diese Woche die ‚Bienal Arte Joven‘. Junge Künstler stellen in einem Kulturzentrum ihre Gemälde aus, präsentieren ihre Filme, überall spielen Bands, und Theater gibt es auch.

Für die Theaterstücke muß man sich vorher im Internet anmelden, weil die Sitzplätze begrenzt sind. Leider sind die Stücke, die mich interessieren, offenbar auch die, die alle anderen interessieren. Kein Platz mehr frei.
Also nehme ich eins, das noch zu haben ist. Reservierung perfekt, pünktlich am Schalter, mein Ticket bekommen und los geht’s. Und voll wird der Saal auch.

Ich hatte mich darauf gefreut, ein Stück auf Spanisch zu sehen und hoffentlich auch zu verstehen. Das Stück ist auch auf Spanisch, nur leider sprechen alle mit einem sehr seltsamen Dialekt, von dem ich nicht mal weiß, ob er tatsächlich irgendwo existiert oder für das Stück erfunden wurde. Letzteres scheint mir wahrscheinlicher. Jedenfalls verstehe ich mal wieder nichts!

Die Handlung läßt sich auch nicht anhand des Spiels der Darsteller erahnen, denn alles ist sehr abstrakt, beinahe ohne Requisiten, zwischendurch Tanz a la ‚wir tanzen unseren Namen‘ und viel Erzählung in diesem seltsamen Dialekt. Offenbar ist das Stück aber wirklich gut und vor allem lustig, denn das Publikum lacht sich stellenweise schlapp. Schade! Aber dafür reicht mein Spanisch einfach noch nicht aus.

Und trotzdem… Es war ein sonniger Tag, einen Versuch wert und sicher nicht das Letzte, das Buenos Aires mir zu bieten hat.

Und was hat Freud damit zu tun?


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So habe ich also versucht, ein nachmittägliches Schläfchen zu halten in meinem kleinen, sehr kleinen, eigentlich winzigen Zimmer. Mein Blick fiel dabei immer wieder auf das Regal an der Wand über dem Fußende des Bettes. Nicht, daß ich Angst hätte, dass es auf mich stürzen könnte, vielmehr ist die Konstruktion an sich erstaunlich, da es in all seiner Schräglage doch nicht rutscht. Architektur, die begeistert!

Und ich höre mich ein. Oder ich lasse mich einfach einlullen und bilde mir ein, daß ich das ein oder andere verstehe. Aber meistens kommt man mit nicken und lächeln ganz gut hin. Zumindest, wenn man einfach nur zuhört. Wie man mir gesagt hat, sollte man das nicken und lächeln aber in Anwesenheit unvergebener Argentinier nicht unbedingt übertreiben. Logisch.

Ich habe aber tatsächlich einiges verstanden. Daß Mirta Kunst macht und sie dann an Freundinnen verschenkt zum Beispiel, daß in verschiedenen Regionen Argentiniens Dialekte gesprochen werden, und daß Vegetarier angeblich schneller frieren als andere Menschen (schwer zu sagen, ob mir öfter warm wäre mit einem Stück Fleisch im Bauch).

Nur, was Siegmund Freud damit zu tun hat, weiß ich nicht. Der kam aber drin vor, in all dem. Mehrmals. Den Namen habe ich verstanden. Verbuchen wir es vorläufig als Fehlleistung.