Willkommen


Nach dem Generalstreik am Tag zuvor scheinen nun alle einen Tag später fliegen zu wollen. Dementsprechend herrscht am Flughafen leichtes Chaos, und mein Flug verspätet sich um etwa zwei Stunden.
Halb so wild, ich bin schließlich gut angekommen, und nach einer Viertelstunde brav in der Schlange anstehen, bekomme ich auch ein Taxi (die Argentinier lieben es einfach, sich irgendwo anzustellen und Schlangen zu bilden).

Und als ich zur Tür hereinkomme, schwebt mir schon der Duft nach frischen Empanadas entgegen. Hausgemacht natürlich.

Und die Empanadas ála Fernando sind nun mal die besten. Willkommen zurück!

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Von Ost nach West


Die Reise geht weiter. Und zwar früh.
Am Tag zuvor bin ich von Iguazu nach Salta geflogen, das im Nordwesten Argentiniens liegt. Etwa 300km von Chile entfernt.

Gleich nach der Ankunft ging es zur Stadtrundfahrt.

Salta liegt am Fuße einer Bergkette. Nicht die Anden, aber Berge.
Momentan ist es relativ heiß und trocken. Regen gibt es wohl nur für zwei Monate im Sommer. Die Menschen hier haben überwiegend einen Indio-Einschlag und gelten als die herzlichsten des ganzen Landes.
Um ehrlich zu sein, bin ich aber so müde, dass ich nicht mehr sehr aufnahmefähig bin.

Also habe ich nur noch zwei Missionen für diesen Tag: die berühmten Empanadas von hier probieren, die besonders gut sein sollen und mir Kokablätter besorgen.
Meine Ausflüge bringen mich in große Höhen. Teilweise bis über 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Und das in kurzer Zeit. Höhenbedingte Übelkeit und Kopfschmerzen sind da wohl nicht selten, und die Blätter sollen helfen. Als Ball in der Wangentasche oder als Tee.

Beide Missionen erfolgreich erledigt.
Gute Nacht!

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Essen und Lachen


Schon gleich am ersten Tag ihrer Ankunft steht für meine Eltern Fleisch auf dem Speiseplan. Wer könnte es ihnen verdenken!
Also führe ich sie in ein Restaurant in der Nähe, das für Qualität und moderate Preise bekannt ist und normalerweise immer rappelvoll ist. Wenn man aber mit Deutschen unterwegs ist, ist das kein Problem, denn wir sind bereits kurz nach sieben dort und damit die ersten Menschen in Argentinien, die schon Abendessen wollen. Wir haben freie Tischauswahl!

Wir alle drei bestellen Filet und bekommen je ein großes Stück mit Salat, und meine Mutter kann es kaum fassen, ihre Tochter vor einem solchen Teller zu sehen. Ja, die Vegetarierin!

Und am nächsten Tag geht es direkt weiter.
Fernando lädt zum Mittagessen ein. Schon seit ca acht Uhr morgens bereitet er Empanadas (gefüllte Teigtaschen) vor, damit wir um zwölf (was dann bedeutet, irgendwann um eins) essen können. Man kann ohne Untertreibung behaupten, daß seine Empanadas die besten überhaupt sind.
Alle sind ein bißchen aufgeregt. Fernando, weil er hofft, daß alles schmeckt, meine Eltern, weil alles neu ist, ich, weil ich hoffe, daß sich alle verstehen.

Wenige Stunden und volle Bäuche später sind alle glücklich, lachen, man spricht auf Spanisch, Deutsch und Englisch, Champagner wird geköpft, und irgendwie, ganz plötzlich, verändern sich die Gesichter, die einen Tag zuvor noch skeptisch auf die Einfachheit meiner Bleibe geblickt haben.
Die interessante Architektur des Hauses wird bestaunt, der riesige Avocadobaum im Garten, und meine Mutter bemerkt begeistert, wie sauber und ordentlich alles ist (natürlich nur mir gegenüber).

Lachen und Herzlichkeit auf beiden Seiten. Ich glaube, jetzt kann man sagen, daß sie wirklich gut angekommen sind.

Improvisationsbacken


Ich koche relativ selten.
Da unser Hausherr gerne in der Küche zaubert und fast immer irgendetwas wie Empanadas, Pizza oder Auflauf vorbereitet hat, bin ich eher zurückhaltend geworden, was das Kochen angeht. Man könnte es sicher auch faul nennen.
Abgesehen davon, daß mein Essen nicht unbedingt für die Allgemeinheit bestimmt ist; denn was ich auch mache, fast immer ist das, was ich koche, irgendwie pikant bis scharf.
Und das ist für die sensiblen, argentinischen Gaumen eher Hölle als Genuß.

Was ich aber kann, ist backen. Und das macht Fernando nicht so gerne, weil ihm Süßes nicht immer gelingt.

Frisch eingetrudelt via Facebook ist ein Rezept für einen Avocadokuchen (Grüße nach Berlin!). Avocados gibt es hier zu Genüge, also wird das Rezept direkt ausprobiert.
Allerdings mit einem hohen Anteil an Improvisation:

Da ich keine gemahlenen Mandeln gefunden habe, die vermutlich auch ein Vermögen gekostet hätten, sind es Kokosraspeln geworden.
Die Pistazien fallen ganz einfach weg.
Backpulver wird durch Natron ersetzt.
Auch Vanillezucker ist hier eher was für internationale Supermarktketten, aber nicht für den Tante Emma Laden um die Ecke. Stattdessen nehme ich einen Löffel Vanillejoghurt. Es geht hier ja schließlich um die Vanille und nicht um den Zucker.
Limetten habe ich auch nicht gefunden, also Zitronen.
Die Butter bleibt Butter, auch wenn sie für umgerechnet 2€ pro 250g ziemlich teuer ist.

Mir wird klar, daß mein Kuchen irgendwie nicht mehr viel mit dem Originalrezept zu tun hat. Aber das weiß ja keiner hier.

Er gelingt trotzdem. Und Fernando hat schon ein großes Stück gegessen und nach Mehr gefragt. Also Erfolg.

Daß ich kein Food-Blogger bin, sieht man an meinem mäßig hübschen Foto, aber in echt sieht er wirklich gut aus.

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Essen aus Höflichkeit


Empanadas.
Ich muß sagen, mein Verhältnis zu den gefüllten Teigtaschen ist gespalten. Wenn sie richtig frisch und knusprig sind, können sie super sein. Zum Beispiel mit Mais gefüllt oder mit Käse und Zwiebeln. Herrlich.

Aber oftmals, wenn man sie irgendwo bei einem Imbiss oder in irgendeinem Laden kauft (und es gibt sie wirklich fast überall!) sind sie schnell in der Mikrowelle erwärmt und eher eine labbrige Jämmerlichkeit.

Natürlich sind sie am besten hausgemacht. Und weil in meinem Haus eben wahnsinnig gern gekocht wird, gibt es Empanadas.
Leider nur in zwei Varianten: ‚con carne‘ (in dem Fall mit Hackfleisch) und ‚con jamón y queso‘ (mit Schinken und Käse).
Ich bin ja gut erzogen, also probiere ich. Zuerst mit Hackfleisch. Nicht meins. Ich überdecke den Geschmack mit einer Gabel Salat pro halbem Biss Empanada. Problem ist, daß ich Hunger habe. Aber die mit Schinken und Käse sind bestimmt eher mein Ding. Käse mag ich schließlich sehr gerne.
Der Schinken überwiegt aber leider. Bei weitem! So viel Salat kann ich gar nicht hinterherschieben. Irgendwann fällt das dann ja auch auf. Und wenn ich mich schon nicht in überschwänglichen Lobeshymnen über das Essen äußere, muß ja wenigstens niemand mitkriegen, daß ich in Wirklichkeit dem Brechreiz nahe bin.
Ich denke also einfach an was anderes. Versuche, nur den Teig zu schmecken, und bin dankbar, daß Empanadas nicht so groß sind.

Das Filet auf dem Grill, das mir so gut schmeckt, macht einen Vegetarier eben noch nicht zum Fleischesser.

Am laufenden Band


Ich muß was tun! Empanadas, Medialunas, Galletitas, Helado und Co. fordern ihren Tribut, und zwar auf meinen Hüften!
In Deutschland war ich immerhin aktives (und nicht nur angemeldetes) Mitglied im Fitnessstudio, außerdem habe ich ja im Juni dieses Jahres das Joggen für mich entdeckt. Daran muß ich mich nur erinnern.

Meine Laufschuhe warten schon die ganze Zeit geduldig im Koffer auf ihren Auftritt, also los!
In der Nähe gibt es einen Park, um den man wunderbar drum herum laufen kann. Theoretisch.
Praktisch ist da so viel Verkehr, daß man eher an Abgasen erstickt, als daß man an einen Punkt völliger Erschöpfung geraten könnte.
Zusätzlich ist es tagsüber einfach zu warm und schwül. Eine Kombination, die leicht an Selbstmord denken läßt. Nicht gerade mein Vorhaben.

Durch den Park laufen geht leider nicht gut, da die Wege im Zickzack angelegt sind und aus Schotter bestehen. Unangenehm. Und kühler ist es dort auch nicht.

Zweimal habe ich es versucht. Beim ersten Mal habe ich zwei Runden um den Park geschafft, habe mich aber einer Lungenvergiftung nahe gefühlt und mußte zur Abkühlung einen viertel Liter Eis essen, beim zweiten Mal war es so heiß, daß ich nach einer Runde aufgegeben habe.

Wie ärgerlich! Dabei möchte ich wirklich! (Abgesehen vom ‚ich muß!!!‘)

Die Lösung ist eigentlich sehr einfach. Ich gehe einfach abends gegen halb zehn laufen. Wer will mich schon überfallen? Schließlich habe ich kein Geld und nichts dabei. Ein Versuch ist es wert. Und siehe da…
…genau so machen es die Porteños (die Einwohner der Stadt) auch. Rund um den Park ist es um diese Uhrzeit voll. Alle Lauffreunde drehen ihre Runden, der Verkehr ist längst nicht mehr so schlimm und die Temperatur angenehm. Ich reihe mich ein und laufe einfach mit.

Und da ist es endlich wieder: das Gefühl, wenn die Beine wie von alleine laufen und der Kopf frei wird.
Und ich mache noch eine Entdeckung: das, was ich tagsüber als Kinderspielplatz am Rande des Parks abgetan habe, entpuppt sich als Fitnessstudio an frischer Luft zum freien Gebrauch. Alle Geräte, die man so benötigt, um sich ordentlich zu malträtieren.
Ok, das nutze ich vielleicht beim nächsten Mal. Nicht alles auf einmal!

Aber trotzdem: Ich fühle mich sehr gut. Das Laufen um diese Zeit werde ich öfter machen, und zur Belohnung gibt es jetzt erstmal einen Keks!