Ein ganz normales Dorf in Córdoba


Frühstücken ist einfach nicht möglich. Der Magen ist morgens noch so voll vom Abendessen, da mache ich lieber eine Pause.
Und ein bißchen Bewegung wäre schön. Man gibt mir ein Fahrrad, damit ich das Dorf erkunden kann. Sehr gut. Leider bin ich nach fünfzehn Minuten fertig mit Erkunden und habe schon die meisten Straßen mehr als einmal durchfahren. Das Dorf ist eben klein und typisch: in der Mitte ein Platz mit Kirche, Schule und Polizei, rund herum Häuser und ab und zu ein kleiner Supermarkt.

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Ich beschließe also, meine kleine Tour für heute zu beenden und kehre zurück zum Haus. Das hat sich mittlerweile gefüllt. Mit Verwandten und Bekannten aller Art, die mal eben vorbeischauen. Überall wuseln Kinder und Hunde, und es ist vor allem laut. Aber eben so herzlich. Und natürlich gibt es Essen. Und ich soll meine Karotten Torte machen, von der Fernando allen vorgeschwärmt hat.

Inmitten all der Menschen stehe ich also in der Küche und backe. Immer wieder kommt jemand zum plaudern vorbei, bringt mir Mate Tee. Herrlich.

Die Torte gelingt und wird zur Nachspeise des Abendessens. Natürlich so gegen elf, nicht früher.
Und man sagt mir, die Schlagworte dieser Tage sind: mucho, rico y tarde.
Was bedeutet: viel, lecker und spät.
Das trifft es!

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Raclette mit Schuhsohlen


Man hat ja dann plötzlich so viel zu tun, wenn man nur ein paar Wochen in der Heimat ist. Freunde treffen, noch mehr Freunde treffen, Zeit mit der Familie verbringen und sich auch mal ausruhen.

Und dann war da ja noch Weihnachten.

Weihnachten gab es bei uns Raclette. Nichts Ungewöhnliches, würde ich sagen. Aber ausnahmsweise wollte ich es mal mit Fleisch zum Raclette versuchen. Meine Begegnungen mit Rinderfilet und Co. haben mich in Argentinien immerhin wieder auf den Geschmack gebracht, und so ein zartrosa Steak…
Meine Mama würde alles für mich tun, und deshalb hat sie EIN KILO! Rinderfilet gekauft. In gaaaaanz dünne Scheiben geschnitten, damit es auf dem Grill des Raclette-Geräts auch gar wird!
Nun, gar schwebte mir gar nicht vor, sondern eben rosa. Das wird jetzt schwieriger. Und ich hätte dafür auch die gute, alte Pfanne bemüht. Von der Menge ganz zu schweigen. Aber guten Willen darf man schließlich nicht mit Füßen treten.

Also, ab dafür auf den Raclette-Grill.
Wenn man schnell genug ist, klappt tatsächlich das mit dem Rosa. Ich bin fast schon ein bißchen stolz.
Und alles was danach kam… Nunja, sagen wir mal, aus einem schlechten Stück Fleisch wird eben auch bei allen Bemühungen eine Schuhsohle. Wir haben alles versucht, aber es blieb eher ungenießbar und zäh.

Grüße an die Metzgerin, die meiner Mutter das Fleisch verkauft hat, und mir einmal mehr bewiesen hat, daß ich Vegetarier bin.
Vegetarier, der in Argentinien Fleisch ist, weil die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Stück zu bekommen, dort einfach höher ist.

Wir haben den Rest eingefroren. Sozusagen auf Eis gelegt, bis wir eine Idee haben, wen wir damit bewerfen.
Oder ich übe einfach noch fast ein Kilo lang, sehr dünne Scheiben rosa zu braten.
Und dann esse ich zur Wiedergutmachung gleich ein ganzes Rind, wenn ich wieder in Buenos Aires bin.

Von vierzig Grad auf Null


Da bin ich nun also. Fühlt sich irgendwie seltsam an. So als wäre ich kaum weg gewesen.
Und so schön, alle wiederzusehen. Meine Familie, Freunde.
Ein großes Treffen auf dem Weihnachtsmarkt. Schließlich muß ich die Tage Vorweihnachtszeit, die ich jetzt noch habe, ausnutzen.
Lichter, Dekoration, der Duft nach Mandeln und Rotkohl. Schon ein Riesenunterschied zu den fast vierzig Grad, aus denen ich gerade komme.
Ich weiß nicht, ob Weihnachtsstimmung und Kälte zwangsläufig zusammenhängen, aber wenn ich der Kälte etwas abgewinnen kann, dann ist es die Wärme, die sie bringt, wenn man mit lieben Menschen zusammensteht. Dick eingemummelt in Schal, Handschuhe und Mütze, den Glühwein in der Hand und die Freude im Herzen.

Irgendwann kriege ich dann doch kalte Füße. Zeit unter die warme Decke zu kriechen, um morgen einen kurzen, kalten, aber schönen Tag zu genießen.

Reisen um zu reisen


Ich kann es kaum fassen, aber in zwei Tagen sitze ich erstmal wieder im Flugzeug nach Deutschland.
Die Zeit ist einfach so geflogen.
Ich unterbreche quasi mein kleines Abenteuer, um Weihnachten im Kreise meiner Liebsten zu verbringen. Meiner Familie.

Das heißt also, daß ich am Donnerstag irgendwie zum Flughafen kommen muß.
Als ich ankam, bin ich im Taxi gefahren. Aber mittlerweile denkt man ja sich besser auszukennen und eine günstigere Methode finden zu können.
Ist gar nicht so einfach. Es gibt einen Bus, der direkt bis zum Flughafen fährt, allerdings müßte ich bis zu dessen Haltestelle erstmal ca vierzig Minuten in einem anderen Bus fahren. Und danach dauert die Reise bis zum Ziel immer noch etwa zwei Stunden.
Nicht, weil der Flughafen so weit wäre, sondern weil ein Bus nunmal Haltestellen hat. Viele. Und nicht auf dem schnellsten, sondern eben auf seinem Weg fährt.
Ich könnte also diese Reise für umgerechnet etwa 50 Cent antreten, insgesamt drei Stunden einplanen, mich mit meinem Koffer bei ungefähr 35 Grad Hitze versuchen, in einen meist vollen Bus zu quetschen und hoffen, daß nichts außerplanmäßiges passiert.

Ganz ehrlich, ich bin ja sonst sparsam, aber…

Letztendlich werden es ca 20 Euro. Der Schwager von Mirta, der Vermieterin meines ersten Zimmers, macht solche Fahrten privat und verdient sich was dazu.
Dafür holt er mich vor der Haustür ab. Und die Fahrt dauert eher so 30 bis 40 Minuten, ganz ohne Umsteigen.

Und wenn ich dann im Januar wiederkomme, kann ich ja immer noch die Busvariante testen.