Heißes Mädchen


Unsere Koffer wiegen exakt so viel wie sie dürfen. Und das ganz ohne Kontrolle mit einer Waage. Wir sind einfach wahnsinnige Packexperten (oder haben wahnsinnig viel Glück). Mein Handgepäck ist ein klitzekleines bißchen zu schwer, so drei bis fünf Kilo etwa, aber ich tue ganz lässig. Merkt keiner.
Nur der Herr im Flugzeug, der mir hilft, die Tasche in die Gepäckablage zu heben, schaut etwas überrascht.

Der Flug ist nicht gerade ein Fest. Weder meine Freundin noch ich können in den 13 Stunden schlafen, während der dicke Mann zu meiner Rechten selig vor sich hinschnarcht, und der nicht ganz so dicke Mann zur Linken meiner Freundin beinahe mit dem Kopf auf ihrer Schulter liegt.
Dafür kommen unsere Koffer fast als erstes übers Gepäckband in Frankfurt gerollt. Ist ja auch was tolles. Und meine Eltern stehen schon in freudiger Erwartung am Ausgang. Meine Mutter derartig freudig, dass sie beinahe den gesamten Flughafen mit ihren Begrüßungsarien beschallt. Naja, sind bestimmt auch Leute, die nicht abgeholt werden, die haben so auch ein bißchen Wärme und Willkommen abbekommen.

Meine Freundin und ich nehmen Abschied. Für sie geht es weiter nach Berlin, vor mir liegt noch eine Stunde Fahrt in ländlichere Regionen.
Und ich kann nur sagen: wie schön ist Deutschland momentan! Was für ein grün!

20140515-012628.jpg

Und ich bin müde. Soooo müde.
Duschen und ein viertel Brötchen essen, schaffe ich gerade noch, dann falle ich in tiefen Schlaf. Um fünf Uhr nachmittags weckt mich meine Mutter nochmal. Überraschungsbesuch von Tante und Cousine. Ich freue mich wirklich, aber stehe gleichzeitig so neben mir, dass ich sofort danach wieder ins Bett husche. Da ist es schon wieder da, das fiebrige Gefühl, das ich in den letzten zwei Wochen immer mal wieder hatte. Dazu habe ich auf den Beinen irgendeinen fiesen, roten Ausschlag.
Nach einer schweißgebadeten Nacht kann ich auch wirklich mal nachmessen, und die Temperatur steuert so auf die 40 zu.

Wie gut, wenn Mama Wadenwickel macht.
Aufs Arbeitsamt muss ich nämlich am nächsten Tag trotzdem, sonst bin ich nicht krankenversichert, und es könnte ja sein, dass ich das jetzt gerade brauche.
In den folgenden Tagen geht es lustig auf und ab. Zwischen 38 und 39 Grad.
Mein Papa wettet schon: ‚ich sag 38,2‘

Aktuell sind es 38. Fühlt sich nach gar nichts an im Vergleich zu vorher. Wer gerne einen Tipp für die nächste Messung abgeben will… Alles ist leichter mit Humor.
Also, ich sag mal 37,5.

Werbeanzeigen

Bohnen, Bus und Gegrilltes


Der Flug war pünktlich, und dank meines wunderbaren, neuen Reisekissens habe ich einigermaßen bequem schlafen können.
Ein ewiges Rätsel wird mir das Flugzeugessen bleiben. Es ist nicht das erste Mal, daß es an Bord in irgendeiner Form Bohnen gibt. Grüne, rote… Dabei kennt doch jeder den Spruch: jedes Böhnchen, ein Tönchen.
Ich stelle mir vor, wie der Koch, der für das Essen verantwortlich ist, still in sich hineinkichert bei dem Gedanken, ein paar hundert Menschen in einem geschlossenen System mit Bohnen versorgt zu haben. Vielleicht soll das ja auch für mehr Auftrieb sorgen und Kerosin sparen. Zumindest ist aber die Maschine nicht aufgrund erhöhter Gasentwicklung explodiert.

Ich bin also gut angekommen, morgens kurz nach acht.
Daß es heiß sein würde, wußte ich, aber die Wand, die mich erwartete, hatte ich mir nicht ganz so heftig vorgestellt. Innerhalb von Sekunden war ich nass geschwitzt (zusätzlich hatte ich ja lange Hosen vom Flug an), und um mich herum alle genauso.

Diesmal wollte ich mich ja dem Abenteuer „Flughafen – Stadt“ im normalen Bus widmen. Hab ich auch. Lief auch alles prima und nach zweimal umsteigen und zweieinhalb Stunden Fahrt war ich dann da. (Erste Neuerung: Die Busfahrpreise wurden erhöht.) Wenn man zuviel Zeit hat und Geld sparen muß, ist das bestimmt eine tolle Alternative, ich werde beim nächsten Mal vielleicht lieber wieder auf ein Taxi zurückgreifen.

Mein Schlüssel passt noch, und ich werde sogar erwartet. Fernando begrüßt mich, er habe bereits den Grill angeschmissen und ein paar Stücke Fleisch besorgt. Was will man sich dagegen wehren?!
Nachdem ich mich aus meinen schweißnassen Klamotten gepellt und geduscht habe, gibt’s also direkt das erste Stück Fleisch in Argentinien, so wie es sich für einen Vegetarier gehört. Nebenher höre ich Fernando zu und versuche zu antworten. Es klappt auch noch einigermaßen, aber irgendwie komme ich mir selbst ganz fremd vor, wenn ich Spanisch spreche. Ganz seltsam.
Viel geht nicht rein, sowohl vom Fleisch, als auch Spanisch in meine Ohren, denn ich bin so kaputt von Flug und Hitze, daß es Zeit für eine Siesta wird.
Sofern das bei der Hitze möglich ist.
Ich werde einfach von einem Schwimmbad träumen.

Abheben


20131219-165119.jpg
Und schon bald bin ich wieder im Kreise meiner Familie, habe einen Temperaturunterschied von 30 Grad und spreche und höre ausschließlich deutsch.

Meine Fahrt zum Flughafen war übrigens… interessant. Der Schwager von Mirta, meiner ersten Vermieterin, hat mich letztendlich für einen Obolus gefahren. Was ich nicht wußte, ist, daß er eigentlich Taxifahrer ist. Und zwar nachts.
Das heißt, er hat gestern Abend um acht mit seiner Arbeit abgefangen und quasi nicht geschlafen. Mit kaninchenroten Augen begrüßt er mich, überfährt innerhalb der ersten zehn Minuten eine rote Ampel und fast eine Frau und geht leider noch zwischendurch ans Handy, was zu zusätzlichen Spurwechseln führt.

Aber nun gut. Ich bin hier.
Ich hatte ja sowieso überlegt, den Bus auszuprobieren, wenn ich zurückkomme.

Bienvenido


Ich bin da.

Heute Morgen gegen halb neun Ortszeit habe ich den Flughafen verlassen und bin in ein Taxi gestiegen.  Eine Taxifahrt in Buenos Aires ist offenbar ein noch größeres Abenteuer als in Berlin oder das selbst fahren in Italien oder in der Türkei. Der Taxifahrer hat pausenlos irgendwas lamentiert, links und rechts überholt oder auch zwischen zwei Spuren, scheinbar nicht auf die Strasse geschaut und doch einen sicheren Eindruck gemacht. Auf jeden Fall bin ich angekommen. Bei Mirta.

Zur Begrüßung gab es von Mirta eine herzliche Umarmung, ein Küsschen und eine Flut an Spanisch. Ja, ich verstehe NADA! Noch! Vermutlich hält mich die nette, ältere Dame, die offenbar gerne redet, für ein bißchen unterbelichtet, angesichts meines leicht dümmlichen und stets ratlosen Gesichtsausdrucks. Immerhin nach einigen Stunden antworte ich jetzt irgendwas, was mir nach Spanisch klingt, völlig egal, ob es zur Frage passt. Tut es offenbar nicht immer. Denn ab und zu hat nun auch sie Fragezeichen in den Augen.

15.39Uhr. Es ist Zeit für eine Siesta. Und dann…

Eine Woche noch


Und da bin ich nun. Morgen in einer Woche sitze ich im Flugzeug nach Buenos Aires. Die Krankenversicherung ist geregelt (very German), fast alle Freunde verabschiedet (miss you all) und jetzt gibt es diesen hübschen Platz im Internet, an dem ich das ein oder andere niederschreiben kann. Wer mitlesen möchte, ist herzlich eingeladen! Der Countdown läuft…