Bohnen, Bus und Gegrilltes


Der Flug war pünktlich, und dank meines wunderbaren, neuen Reisekissens habe ich einigermaßen bequem schlafen können.
Ein ewiges Rätsel wird mir das Flugzeugessen bleiben. Es ist nicht das erste Mal, daß es an Bord in irgendeiner Form Bohnen gibt. Grüne, rote… Dabei kennt doch jeder den Spruch: jedes Böhnchen, ein Tönchen.
Ich stelle mir vor, wie der Koch, der für das Essen verantwortlich ist, still in sich hineinkichert bei dem Gedanken, ein paar hundert Menschen in einem geschlossenen System mit Bohnen versorgt zu haben. Vielleicht soll das ja auch für mehr Auftrieb sorgen und Kerosin sparen. Zumindest ist aber die Maschine nicht aufgrund erhöhter Gasentwicklung explodiert.

Ich bin also gut angekommen, morgens kurz nach acht.
Daß es heiß sein würde, wußte ich, aber die Wand, die mich erwartete, hatte ich mir nicht ganz so heftig vorgestellt. Innerhalb von Sekunden war ich nass geschwitzt (zusätzlich hatte ich ja lange Hosen vom Flug an), und um mich herum alle genauso.

Diesmal wollte ich mich ja dem Abenteuer „Flughafen – Stadt“ im normalen Bus widmen. Hab ich auch. Lief auch alles prima und nach zweimal umsteigen und zweieinhalb Stunden Fahrt war ich dann da. (Erste Neuerung: Die Busfahrpreise wurden erhöht.) Wenn man zuviel Zeit hat und Geld sparen muß, ist das bestimmt eine tolle Alternative, ich werde beim nächsten Mal vielleicht lieber wieder auf ein Taxi zurückgreifen.

Mein Schlüssel passt noch, und ich werde sogar erwartet. Fernando begrüßt mich, er habe bereits den Grill angeschmissen und ein paar Stücke Fleisch besorgt. Was will man sich dagegen wehren?!
Nachdem ich mich aus meinen schweißnassen Klamotten gepellt und geduscht habe, gibt’s also direkt das erste Stück Fleisch in Argentinien, so wie es sich für einen Vegetarier gehört. Nebenher höre ich Fernando zu und versuche zu antworten. Es klappt auch noch einigermaßen, aber irgendwie komme ich mir selbst ganz fremd vor, wenn ich Spanisch spreche. Ganz seltsam.
Viel geht nicht rein, sowohl vom Fleisch, als auch Spanisch in meine Ohren, denn ich bin so kaputt von Flug und Hitze, daß es Zeit für eine Siesta wird.
Sofern das bei der Hitze möglich ist.
Ich werde einfach von einem Schwimmbad träumen.

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Bunt, bunter, La Boca


In La Boca war ich bisher nicht. La Boca ist ein Hafenviertel im Osten der Stadt, bekannt durch sein Fußballstadion „La Bombonera“, in dem die Boca Juniors zu Hause sind, so wie durch die bunten Häuser, die entstanden sind, weil die Bewohner übriggebliebenen Schiffslack verwendeten, um die Fassaden zu streichen.

Ich war deshalb noch nicht da, weil die Gegend als gefährlich gilt. Nicht nur Geschichten kursieren um Jugendbanden, sondern ich selbst habe ein Mädchen kennengelernt, die am helligten Tag dort überfallen wurde.

Aber heute habe ich Begleitung. Mirta. Meine erste Vermieterin hat eine Einladung zu einer Ausstellung und möchte, daß ich sie begleite. Mach ich gern. Erstens, weil ich eben noch nicht in La Boca war und zweitens, weil Ausflüge mit Mirta meistens etwas Ungewöhnliches an sich haben.

Es ist extrem heiß. Mich freut das, aber Mirta, der das Laufen generell schwer fällt, macht es zu schaffen. Deshalb fahren wir auch kurze Wege, die man eigentlich in fünf Minuten laufen könnte, mit dem Bus. Macht ja nichts.
Nachdem wir die Ausstellung (die offenbar mehr etwas wie ein kurzer ‚ich war da Termin‘ für Kunstliebhaber war) begutachtet haben, fahren wir weiter und steigen Höhe Caminito aus. Eine der bekanntesten Straßen, oder mehr Gassen, gefüllt mit Strassenkünstlern, Restaurants und Touristen. Hier muß ich wohl höchstens meine Handtasche im Auge behalten, aber einen Überfall wird bei der Masse an Menschen bestimmt keiner wagen.

Der Besuch lohnt sich. Die bunten Häuser, die Musiker auf der Straße, die Händler und der Fluß, der höchst dreckig und muffig vor sich hin wabert, bilden eine besondere Atmosphäre. Die bunten Häuser geben all dem einen Touch von Spielzeugland und ständiger Freude.
Neben mir stöhnt Mirta vor lauter Hitze, trinkt mir mein Wasser weg und murmelt unentwegt Unverständliches vor sich hin.

Auf dem Heimweg fährt der Bus auch durch die Nebenstraßen, die gar nicht mehr so bunt sind. Und gar nicht mehr so belebt. Und die Bewohner gar nicht mehr so herausgeputzt, um den Touristen zu gefallen und ein paar Pesos zu verdienen. Hier würde ich bestimmt nicht aussteigen. Aber muß ich ja auch nicht. Der Bus bringt mich zurück in meine heile Welt.
Nicht ganz so bunt angemalt, aber dafür nicht nur Fassade.
(Und merke: Ausflüge im Sommer mit Mirta können anstrengend sein!)

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Oh, Tannenbaum


Am achten Dezember passiert hier ein Teil der großen Magie des Weihnachtsfestes: der Baum wird aufgestellt!
Traditionell wird das an diesem Tag gemacht, auch damit das Bäumchen mit Licht und Schmückung alle Herzen erfreuen kann.

Man stelle sich 37 Grad vor, der Ventilator summt und statt an Glühwein, Knödel und Plätzchen denkt man eher an Eis in allen möglichen Formen.
Auch in unserem Haus wird ein Baum aufgestellt. Aber mit Magie hat das so wenig zu tun, wie das Wetter mit Schnee.
Melina, die Tochter des Hauses, holt eine kleine Kiste hervor, zieht einen fertig geschmückten Plastikbaum heraus, stellt ihn auf den Tisch, steckt den Stecker in die Steckdose und fertig.
Baum steht, Mission erfüllt, weiter geht es mit dem Alltag. Der Ventilator summt, wir trinken Saft mit viel Eiswürfeln, und ich stelle fest, daß mir der Weihnachtsbaum mit den Wurzeln der Tradition meines Elternhauses doch besser gefällt.

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Es gibt Reis, Baby… Unter anderem


Hitze!
Mittlerweile ist es so warm, daß man auch nachts im T-Shirt rausgehen kann. Momentan zumindest. Das Wetter in Buenos Aires hat bisher nicht durch Zuverlässigkeit geglänzt.
Aber heute war es heiß.

Im Esszimmer summt der Ventilator, und in der Küche summt Fernando, der Herr des Hauses. Töpfe klappern, Wasser kocht, und es riecht plötzlich ganz wunderbar im Haus.

Mittagessen. Es gibt eine Tarte mit Mais gefüllt und Salat. Und es stellt sich heraus, daß hier jemand sehr gerne kocht.
Denn mit dem Mittagessen ist es nicht getan.
Abends fragt mich Fernando, ob ich schon gegessen habe.
Nur ein Stückchen noch von der Tarte, sage ich.
Na, aber! Er habe noch mehr! Und mal was Neues ausprobiert. Die Nichte plus Freund kommt auch zum Essen.
Was soll ich mich dagegen wehren…

Also gibt es noch einen Rest der Maistarte, panierte Auberginen, mit Reis gefüllte rote Beete und ein Broccolisoufflé.
Dazu sympathische Tischnachbarn und eine laue Sommernacht.

Habe ich schon erwähnt, daß es mir hier gefällt?

Am laufenden Band


Ich muß was tun! Empanadas, Medialunas, Galletitas, Helado und Co. fordern ihren Tribut, und zwar auf meinen Hüften!
In Deutschland war ich immerhin aktives (und nicht nur angemeldetes) Mitglied im Fitnessstudio, außerdem habe ich ja im Juni dieses Jahres das Joggen für mich entdeckt. Daran muß ich mich nur erinnern.

Meine Laufschuhe warten schon die ganze Zeit geduldig im Koffer auf ihren Auftritt, also los!
In der Nähe gibt es einen Park, um den man wunderbar drum herum laufen kann. Theoretisch.
Praktisch ist da so viel Verkehr, daß man eher an Abgasen erstickt, als daß man an einen Punkt völliger Erschöpfung geraten könnte.
Zusätzlich ist es tagsüber einfach zu warm und schwül. Eine Kombination, die leicht an Selbstmord denken läßt. Nicht gerade mein Vorhaben.

Durch den Park laufen geht leider nicht gut, da die Wege im Zickzack angelegt sind und aus Schotter bestehen. Unangenehm. Und kühler ist es dort auch nicht.

Zweimal habe ich es versucht. Beim ersten Mal habe ich zwei Runden um den Park geschafft, habe mich aber einer Lungenvergiftung nahe gefühlt und mußte zur Abkühlung einen viertel Liter Eis essen, beim zweiten Mal war es so heiß, daß ich nach einer Runde aufgegeben habe.

Wie ärgerlich! Dabei möchte ich wirklich! (Abgesehen vom ‚ich muß!!!‘)

Die Lösung ist eigentlich sehr einfach. Ich gehe einfach abends gegen halb zehn laufen. Wer will mich schon überfallen? Schließlich habe ich kein Geld und nichts dabei. Ein Versuch ist es wert. Und siehe da…
…genau so machen es die Porteños (die Einwohner der Stadt) auch. Rund um den Park ist es um diese Uhrzeit voll. Alle Lauffreunde drehen ihre Runden, der Verkehr ist längst nicht mehr so schlimm und die Temperatur angenehm. Ich reihe mich ein und laufe einfach mit.

Und da ist es endlich wieder: das Gefühl, wenn die Beine wie von alleine laufen und der Kopf frei wird.
Und ich mache noch eine Entdeckung: das, was ich tagsüber als Kinderspielplatz am Rande des Parks abgetan habe, entpuppt sich als Fitnessstudio an frischer Luft zum freien Gebrauch. Alle Geräte, die man so benötigt, um sich ordentlich zu malträtieren.
Ok, das nutze ich vielleicht beim nächsten Mal. Nicht alles auf einmal!

Aber trotzdem: Ich fühle mich sehr gut. Das Laufen um diese Zeit werde ich öfter machen, und zur Belohnung gibt es jetzt erstmal einen Keks!

Regen in Buenos Aires


20131020-082906.jpg Erst kommt der Wind.
Den ganzen Abend hatte er durch die Straßen gefegt, an Türen gerüttelt und halbherzig geschlossene Fenster geöffnet.
Und dann entlud sich die Hitze des Tages in einem Gewitter, das jeden Schlafenden weckt.
Jetzt regnet es. In Strömen. Ein Sonntag im Regen. Was ich mit dem Tag mache? … Erstmal noch eine Stunde schlafen…