Etwas leiser bitte!


Das Viertel, in dem ich wohne, ist laut. Keine Frage. Es ist eine typische Ausgehgegend und nachts, vor allem Freitags und Samstags, ist hier die Hölle los.
Komischerweise stört mich das nicht so. Ich schließe das Fenster und fertig.

Letzte Nacht bzw. heute Morgen hätte ich allerdings am liebsten einen Lautstärkeregler für meine Umwelt gehabt.
Mittwochnacht. Eigentlich nicht ganz so laut. Aber…
…um zwei Uhr Morgens finden sich offenbar Betrunkene auf der Straße vorm Haus ein, um das ein oder andere Ständchen vor sich hin zu gröhlen. Die Gesangsleistungen sind wirklich beeindruckend, und mein Schlaf hat sich verstört in eine Ecke verzogen.
…um vier Uhr morgens fährt irgendeine Art LKW durch die kleine Straße, so daß mein Bett regelrecht bebt.
…um sechs Uhr morgens fühlt sich das Familienhündchen durch irgendwen gestört und bellt, daß die Wände wackeln.
…um acht Uhr morgens veranstalten ALLE Autos, die sich in der Straße vorm Haus befinden, ein Hupkonzert von etwa fünf Minuten. Vielleicht waren es auch alle Autos von Buenos Aires.

Also Freunde, ganz ehrlich: meine Siesta fällt heute wohl etwas länger aus!

Umgezogen


Umgezogen. Gestern dreimal, weil es so heiß war!

Und einmal in mein neues Domizil! Ich bin jetzt ein Mädchen aus Palermo Hollywood, und ich fühle mich großartig!
Meine Vermieterin, Melina, hat mir das Viertel gezeigt (, das ich ja schon etwas kannte), und ich habe innerlich gejubelt.

Das Haus, in dem ich jetzt wohne, ist das einzige Wohnhaus in der Umgebung. Alles andere sind Restaurants, Bars und Diskotheken.
Welch ein Glück, daß ich dieses Zimmer gefunden habe!
Klar ist es nachts ziemlich laut, weil überall gefeiert wird. Die Gegend ist eben eine Ausgeh-Gegend. Dafür ist es aber auch sehr sicher, weil immer Leute auf der Straße sind.

Vor zwanzig Jahren gab es hier nichts weiter als ein paar Häuser und fünf Geschäfte, erzählt mir Fernando, der Vater des Hauses.

Heute Morgen wurde ich schon erwartet. Vor meiner Zimmertür saß Ona, der kleine Hund, und hat mich begrüßt.
Celeste, die Katze, hat sich diese Mühe nicht gemacht, aber Melina und ihr Vater hatten dafür schon den Kaffee und den Toast fertig.

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Ich werde nachher Pflanzen kaufen gehen und ein paar Kräuter im Garten beheimaten. Rosmarin, Thymian, Basilikum und Co.
Denn immerhin werde ich hier eine Weile bleiben.

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El Ron de Buenos Aires


Ich besuche Puerto Madero, weil ich dort tagsüber noch nicht war.
Ich laufe am Fluß entlang, spaziere über die berühmte Brücke Puente de la Mujer und setze mich auf der anderen Seite auf eine Bank, um das Treiben der Geschäftsleute und Touristen zu beobachten.

Neben mir hält ein Mann an, etwa 80, schätze ich. Ob mir sein Hund gefällt, fragt er mich unvermittelt.
Wie bitte?
Achja, an der Leine hat er einen gepflegt aussehenden Wuschel Marke Golden Retriever, der mich zusammen mit dem Herrchen anblickt, in Erwartung einer positiven Antwort auf die Frage.
Ja, hübscher Hund.

Ob ich auch einen habe.
Nein, hab ich nicht.
Warum nicht? Ob ich denn keine Hunde mag?
Doch, mag ich. Aber ich habe eben keinen.

Und dann erzählt mir der Mann alles Mögliche. Daß er mal zwei Monate in Hamburg gelebt und viele deutsche Freunde habe.
Daß es in Berlin keine Polizei gebe, und Buenos Aires deshalb viel sicherer sei (interessant, das wußte ich gar nicht. Vielleicht wäre das eine Marktlücke: Polizei in Berlin…), daß alle Deutschen, die er kennt, Anna heißen und beim Fernsehen arbeiten, weil sie alle blond sind, und daß sein Hund eine große Berühmtheit ist, weil er ein Filmstar sei und sogar eine Facebookseite hat.

Der Hund heißt Ron. Also Rum. Wie das Getränk.
Ron trägt eine Büchse mit Tütchen am Halsband. Damit ist er wahrscheinlich der einzige Hund in Buenos Aires, dessen Hinterlassenschaften nicht auf dem Bürgersteig liegenbleiben. Vielleicht macht Ron sie sogar selber weg, weil er ja sehr begabt ist.

Aber Ron hat offenbar heute Pause vom berühmt und wichtig sein. Er pinkelt lieber gegen die Straßenlaterne, während sein Herrchen Loblieder auf ihn singt.

Ich stehe auf und wünsche den beiden Glück. Er (der Mann) lächelt mich an und erwidert meinen Wunsch.

Wenn Ihr also einen Film mit einem wuscheligen Golden Retriever seht, dann könnte es Ron sein.
Eine lebende Legende in Buenos Aires.