Essen aus Höflichkeit


Empanadas.
Ich muß sagen, mein Verhältnis zu den gefüllten Teigtaschen ist gespalten. Wenn sie richtig frisch und knusprig sind, können sie super sein. Zum Beispiel mit Mais gefüllt oder mit Käse und Zwiebeln. Herrlich.

Aber oftmals, wenn man sie irgendwo bei einem Imbiss oder in irgendeinem Laden kauft (und es gibt sie wirklich fast überall!) sind sie schnell in der Mikrowelle erwärmt und eher eine labbrige Jämmerlichkeit.

Natürlich sind sie am besten hausgemacht. Und weil in meinem Haus eben wahnsinnig gern gekocht wird, gibt es Empanadas.
Leider nur in zwei Varianten: ‚con carne‘ (in dem Fall mit Hackfleisch) und ‚con jamón y queso‘ (mit Schinken und Käse).
Ich bin ja gut erzogen, also probiere ich. Zuerst mit Hackfleisch. Nicht meins. Ich überdecke den Geschmack mit einer Gabel Salat pro halbem Biss Empanada. Problem ist, daß ich Hunger habe. Aber die mit Schinken und Käse sind bestimmt eher mein Ding. Käse mag ich schließlich sehr gerne.
Der Schinken überwiegt aber leider. Bei weitem! So viel Salat kann ich gar nicht hinterherschieben. Irgendwann fällt das dann ja auch auf. Und wenn ich mich schon nicht in überschwänglichen Lobeshymnen über das Essen äußere, muß ja wenigstens niemand mitkriegen, daß ich in Wirklichkeit dem Brechreiz nahe bin.
Ich denke also einfach an was anderes. Versuche, nur den Teig zu schmecken, und bin dankbar, daß Empanadas nicht so groß sind.

Das Filet auf dem Grill, das mir so gut schmeckt, macht einen Vegetarier eben noch nicht zum Fleischesser.

Fernsehen? Na klar!


Ich gehe zum Bäcker. Ich bin ganz verrückt nach Chipa! Das sind kleine Brötchenbällchen mit einem Hauch von Käse.
Hier gehe ich auch komplett ungeschminkt auf die Straße, ohne Mascara und Co. In Deutschland wäre ich mir da eher nackt vorgekommen, hier ist es mir meistens egal.
In der Bäckerei bedient mich ein Mädchen mit einer Stimme, die noch kleiner ist, als sie selbst.
Ungewöhnlich. Normalerweise sprechen die Argentinierinnen seeeeehr laut. Man hat eigentlich ständig das Gefühl angeschrien zu werden.

Sie piepst mir die Preise vor (mittlerweile verstehe ich auch Piepsstimmen, yeah!), und als ich meinen Einkauf beendet habe, fragt sie mich mit großen Augen, woher ich komme.
Aus Deutschland.
Und, arbeitest Du hier?
Nein, noch nicht. Aber ich würde gern.
Beim Fernsehen?
Äh, weiß nicht.
Naja, Du könntest doch beim Fernsehen arbeiten.
Ich werde mal drüber nachdenken. Danke.

Also, ich werde mal drüber nachdenken…
Aber erst esse ich meine Chipas.

Entdeckung der Langsamkeit


Einkaufen. Das Gute ist, daß die Supermärkte täglich bis neun geöffnet haben. Und meine Theorie ist, daß sie das auch müssen, weil sonst niemand zum Kaufen käme, denn ein Besuch im Supermarkt nimmt Zeit in Anspruch!

Ich möchte ein Stück Käse kaufen, Brot, eine Avocado, eine Zitrone und eine Zwiebel. Ich könnte in den Käseladen gehen, dann zum Bäcker und zum Gemüsehändler. Oder ich versuche es eben im Supermarkt, denn da gibt es alles.

Zeiträuber 1: sämtliche Käsestücke sind eher für Familien abgewogen als für eine Einzelperson. Ich möchte kein halbes Kilo Käse kaufen, also suche ich nach dem kleinsten Stück. Das dauert und kostet verhältnismäßig viel.

Zeiträuber 2: Gemüse muß man abwiegen lassen. Ein Mann wiegt alles, und da alle irgendwelches Gemüse kaufen, ist die Schlange dementsprechend lang. Und selbstverständlich wird jedes Stück in eine eigene Tüte verfrachtet.

Mittlerweile, eine halbe Stunde später, habe ich also vier Tüten. Eine mit einer Zitrone, eine mit einer Avocado, eine mit einer Zwiebel und eine mit Brot. Dazu kommt mein abgepackter Käse.

Zeiträuber 3: die Kasse. Es gibt zwar viele Kassen, aber vor allen steht jeweils eine lange Schlange. Also anstellen. Und teilhaben an der Entdeckung der Langsamkeit!
Die Kassiererinnen ziehen einen Artikel nach dem anderen vor den Sensor, wie in Deutschland, nur viel laaaangsamer. Und es gibt pro Einkauf immer ein oder zwei Artikel, die Probleme bereiten. Die der Sensor nicht lesen kann zum Beispiel. Aber bevor man die Nummer manuell eingibt, versucht man es lieber zwanzigmal. Und wenn man dann die Nummer manuell eingibt, vertippt man sich am besten und fängt von vorne an.
Und es gibt auch grundsätzlich kein Wechselgeld. Also schreit die Kassiererin jedesmal nach ihren Kolleginnen, ob die vielleicht gerade Kleingeld haben. Haben sie nicht normalerweise. Wenigstens wird der Einkauf großzügigerweise um ein paar Centavos abgerundet.

Ich habe also jetzt ein Stück Käse, eine Zitrone, eine Avocado, Brot und eine Zwiebel. Etwa eine Stunde nach Betreten des Supermarktes.

Das nächste Mal gehe ich zum Bäcker, zum Gemüsehändler und zum Käseladen.

Wein und mehr


Man hat schnell das Gefühl, daß die Menschen die Dinge hier mit guter Laune angehen. Zumindest sind die Leute in den Geschäften fast alle extrem freundlich und hilfsbereit. (Ich frage mich, ob sie einen vor lauter Hilfsbereitschaft auch in die falsche Richtung schicken würden, wenn man nach dem Weg fragt, und sie ihn eigentlich nicht wissen.)

Die gute Laune war auch deutlich auf meiner kleinen Weintour zu spüren. Ich bin eigentlich eher Biertrinker, aber was soll’s. Ist ja eine Möglichkeit, Leute kennen zu lernen. Also habe ich mich der Tour angeschlossen. Man zahlt, kriegt ein hübsches Rotweinglas und dann geht’s los. Von einem Geschäft ins nächste. Keine Weingeschäfte, sondern Klamotten- und Schmuckläden. In jedem wartete ein Sommelier mit drei bis fünf verschiedenen Weinen, Crackern und Käse.
Insgesamt acht Stationen. Ich kann nur soviel sagen: ich habe an dem Abend keinen getroffen, der es bis zur Acht geschafft hat. Ich selbst bin bis zur fünf gekommen.

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Und mit ein bißchen Wein spricht und versteht es sich auch viel besser auf Spanisch!