Ein ganz normales Dorf in Córdoba


Frühstücken ist einfach nicht möglich. Der Magen ist morgens noch so voll vom Abendessen, da mache ich lieber eine Pause.
Und ein bißchen Bewegung wäre schön. Man gibt mir ein Fahrrad, damit ich das Dorf erkunden kann. Sehr gut. Leider bin ich nach fünfzehn Minuten fertig mit Erkunden und habe schon die meisten Straßen mehr als einmal durchfahren. Das Dorf ist eben klein und typisch: in der Mitte ein Platz mit Kirche, Schule und Polizei, rund herum Häuser und ab und zu ein kleiner Supermarkt.

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Ich beschließe also, meine kleine Tour für heute zu beenden und kehre zurück zum Haus. Das hat sich mittlerweile gefüllt. Mit Verwandten und Bekannten aller Art, die mal eben vorbeischauen. Überall wuseln Kinder und Hunde, und es ist vor allem laut. Aber eben so herzlich. Und natürlich gibt es Essen. Und ich soll meine Karotten Torte machen, von der Fernando allen vorgeschwärmt hat.

Inmitten all der Menschen stehe ich also in der Küche und backe. Immer wieder kommt jemand zum plaudern vorbei, bringt mir Mate Tee. Herrlich.

Die Torte gelingt und wird zur Nachspeise des Abendessens. Natürlich so gegen elf, nicht früher.
Und man sagt mir, die Schlagworte dieser Tage sind: mucho, rico y tarde.
Was bedeutet: viel, lecker und spät.
Das trifft es!

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Ein Tag mehr in Salta


Argentinien ist immer für eine Überraschung gut, bzw war die Überraschung in diesem Fall nicht ganz so groß, weil sie schon im
Vorhinein angekündigt wurde: Generalstreik im ganzen Land.
Nichts geht mehr. Keine Busse, Züge, Taxen, Flüge, selbst die Mehrzahl der Geschäfte bleibt geschlossen (zumindest in Salta).

Dementsprechend ist auch mein Flug gestrichen.
Ich mache mich also schon morgens auf den Weg ins Büro der Fluggesellschaft und lasse mein Ticket auf den nächsten Tag umschreiben.
Ein Tag mehr in Salta also.

Da nichts fährt, muss ich zwangsläufig in der Stadt bleiben. Da das Wetter leider nicht besonders toll ist, macht das Rumlaufen auch nur bedingt Spaß.
Also besuche ich ein Museum.
Das ‚Museo de Arqueología de Alta Montaña‘.

In ganz Argentinien gibt es immer mindestens zwei Preise. Einen für Einheimische, einen für Ausländer, und der ist immer wesentlich höher.
An der Kasse werde ich also gefragt, wo ich her komme (es gibt blonde Argentinier, also…). Ich antworte wahrheitsgemäß. Die Dame fragt weiter, ob ich dann vielleicht einen Studentenausweis habe.
Nein, habe ich auch nicht.
‚Aber Du sprichst sehr gut Spanisch. Ich berechne Dir den Preis für Einheimische.‘
Man kann sich vorstellen, wie mich das gefreut hat.

Und das Museum ist wirklich interessant. Es erzählt viel über die Geschichte und das Leben der Inka, die auch hier im Norden Argentiniens ansässig waren. Noch immer leben hier ihre Nachfahren.

1999 wurden auf dem Berg Llullaillaco in 6700 Metern Höhe bei Ausgrabungen drei Kinder gefunden. Eingegraben in der Erde. Sie wurden bei einer feierlichen Zeremonie geopfert, zusammen mit vielen detaillegetreuen Grabbeigaben. Die Kälte und sauerstoffarme Luft des Berges haben sie perfekt konserviert. In dem Museum werden die Grabbeigaben, sowie eines der Kinder, aber eben auch Materialien, die die Inka benutzen, und andere interessante Dinge gezeigt. Klein, aber einen Besuch wert.

Nachdem ich das Museum gesehen habe, fehlt mir noch die Kirche. Die Kirchturmuhr beschallt die Innenstadt alle fünfzehn Minuten mit einer Melodie, und noch mehr Musik erwartet mich innen.
Ein Orchester probt gerade, und ich komme in den Genuss eines hübschen Stückes für Streicher und Oboe, keine Ahnung welches Komponisten.

Ich streife noch ein wenig über den zitrusbaumgesäumten Platz und genieße den restlichen Tag mit dem Duft von Orangen in der Nase.
Gar nicht so schlecht, wenn alles streikt in Argentinien.

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Das war Woche Nr. 1


Es ist mir eben erst bewußt geworden: gestern war ich genau seit einer Woche schon hier.

Und gestern Abend habe ich mich mit Mirta, meiner Vermieterin, unterhalten. Unterhalten! (Natürlich nicht fehlerfrei.) Ich habe erzählt, was ich gemacht habe, wo ich so war, sie hat mir erzählt, dass es am Wochenende einen tollen Markt gibt, und dass ich die Kirche in der Nähe unbedingt anschauen muß. Und andere Sachen. Und dann hat sie gesagt, daß sie es kaum Glauben kann: ich antworte in ganzen Sätzen und man könne mit mir sprechen.

Am Anfang habe sie sich immer gefragt, was ich wohl mit meinen Wortexperimenten sagen will. Ich hab’s doch gewusst; ich war nicht die einzige, die nichts verstanden hat!