Müllabfuhr auf argentinisch


20140227-013436.jpg
In La Plata

Werbeanzeigen

Mein Erfolg im Müll


Müll ist hier ja so eine Sache. Eine, die bloß nicht überbewertet wird.
Also, nix so in Richtung Mülltrennung. Und wie ich schon einmal geschrieben habe, wird vielerorts der Müll einfach in einer Tüte an die Straße geworfen und irgendwie, von irgendwem, irgendwann eingesammelt.

Aber wie ich auch schon geschrieben habe, wohne ich ja in einem sehr touristischen Viertel. Palermo Hollywood.
Und die lieben Touristen wollen keinen Müll auf der Straße.
Also gibt es hier nicht nur Tonnen an jeder Ecke, in die man seine Tüten werfen kann, anstatt sie dem Asphalt zu überlassen, es gibt sogar verschiedene Tonnen!

Eine Schwarze für alles und eine grüne für recyclebaren Abfall.
Zugegeben; der Inhalt der grünen Tonne läßt nicht direkt eine Trennung erkennen, obwohl außen aufgedruckt ist, was rein soll. Auch hier, zugegeben, ist so ziemlich alles außer Küchenabfällen aufgedruckt.

Aber trotzdem fühle ich mich tausend mal besser, als ich all meine Plastikflaschen – und nichts sonst – in die Tonne werfe.

Mir war vorher nie bewußt, daß der innere Drang, Müll zu trennen in mir so stark ist.

20140214-183734.jpg

Alles Müll


Es ist einfach was anderes, wenn man irgendwie sein eigenes Reich hat. Zwar mit Mitbewohnerin, aber die ist zum einen nett, zum anderen hat man die gleichen Rechte.
Also habe ich zum ersten Mal, seit ich in Argentinien bin, selbst so richtig gekocht. Und nebenbei wieder bemerkt, wie gut mir Gasherde gefallen.

Und klar, beim Kochen fällt auch Müll an. An der Haustür hängt ein Zettel auf dem steht: Müll runterbringen zwischen 20 und 21 Uhr außer Samstags.
Aha.
Vorsichtshalber schaue ich mich nachmittags schonmal nach einer Tonne um, in die ich meinen gesammelten Abfall werfen kann. Selbstverständlich völlig ungetrennt. Müll trennt man hier nicht.

Ich entdecke nichts. Keine Tonne. Nichts. Also frage ich nach.
Und nun kommt das große Aha-Erlebnis! Die zugeknoteten Müllbeutel wirft man einfach an die Straße, an den nächsten Baum, Pfosten oder was auch immer. Und von da werden sie dann eingesammelt.
Mir wird einiges klar. Kein Wunder, daß die Straßen jeden Morgen übersät sind mit Plastiktüten, Obstschalen und Co!

Nun gut. So läuft das eben hier. Also bringe ich mit deutscher Pünktlichkeit den Müll um acht Uhr runter. Ein junger Mann ist gerade dabei, andere Tüten aufzureißen, die schon daliegen, und Plastikflaschen rauszusammeln (pfandfrei). Ich weiß nicht, ob das schon der offizielle Einsammler ist oder ein Penner. Ich werfe meine Tüten so unauffällig wie nur möglich dazu, um ihn nicht zu stören, und drehe mich um. Schnell wieder rein.
Es tut mir leid, aber ich muß trotz dieser schändlichen Umweltbehandlung wegschauen. Aber ab morgen werde ich versuchen, etwas weniger Abfall zu produzieren.

Für ein minimal saubereres Buenos Aires.

Zimmerjagd Nr. 2


Es kam tatsächlich zur vereinbarten Zimmerbesichtigung. Nach ca. 10 Minuten und unzähligen Klingelversuchen öffnet ein junger Mann, der sich selbst ‚Der Tiger‘ nennt. Freudestrahlend zeigt er mir das „wunderschöne Haus“ mit der „noch schöneren Terrasse“.

Und jetzt die harten Fakten: sechs Leute teilen sich ein winziges Bad ohne Dusche. Die Terrasse ist eine Müllhalde, das Zimmer, das mir angeboten wurde, ist eine Art Dachboden direkt über der Küche ohne Tür, dafür mit Schimmel.

Danke, Tiger. Ich verzichte. Aber die Erfahrung war es wert. Und wenigstens ist es beim vorher ausgemachten Freitag geblieben.

Der frühe Vogel


Meine Schule beginnt diese Woche etwas früher. Weil der Montag frei war, wird der fehlende Tag durch eine Stunde mehr Unterricht täglich ersetzt.
Ich gehe immer noch zu Fuß zur Schule. Mittlerweile ist es schon morgens ziemlich warm, und mich zur Stoßzeit in einen überfüllten Bus zu quetschen, erscheint mir nicht sehr erfreulich.

Wenn ich zur Schule gehe, sind die meisten Geschäfte noch geschlossen. Nur die Kioske, die es hier an jeder Ecke gibt, und in denen man quasi alles bekommt, was man im Notfall braucht, sind schon offen. Und einige der ‚panaderías‘ – Bäckereien, die mit einem Angebot an Torten und Gebäck aufwarten, wie es sich Naschkatzen nur erträumen können.

Die Stadt erwacht.

Buenos Aires ist laut. Der anscheinend nie enden wollende Verkehr, die Straßen voll mit Menschen.
Buenos Aires ist sehr laut.
Und dreckig. Besonders am frühen Morgen fällt auf, wie viel vom vergangenen Tag liegen geblieben ist. Müll türmt sich überall am Straßenrand, Gerüche kriechen aus überquellenden Tonnen, und jeder kehrt vor seiner eigenen Tür. Die Bürgersteige werden gefegt, Türschilder poliert, die Eingangsstufen geschrubbt, die letzten Penner der Nacht beiseite geschoben, sogar die Mülltonnen selbst werden vom gröbsten Schmutz befreit. Das heißt nicht, daß es danach sauber ist. Nur für den Moment nicht mehr ganz so dreckig.

20131015-182827.jpg
Und dann passiert es: die Ampeln schalten auf rot, die Autos müssen sich einen Moment gedulden und schweigen, es wird unerwartet still, die Vögel singen ihre bezaubernden Melodien, die Sonne wirft die Schatten der Bäume auf die Straße, und die Tür einer panadería öffnet sich und verströmt den Duft von frischgebackenen Croissants.

Buenos Aires. Du laute, dreckige, charmante, schöne, magische Stadt!

20131015-182921.jpg