Auf nach Córdoba


So machen wir uns also auf den Weg nach Córdoba.
Die Lunchtüten sind gepackt und der Rest auch. Zu dritt sitzen wir im Auto.

Kurz nach eins mittags starten wir die Reise, und entgegen aller Erwartungen sind die Straßen überhaupt nicht überfüllt. Wir kommen gut vorwärts, und schon bald beginnt die Landschaft sich zu verändern.

Alles Flach. Wir fahren hunderte von Kilometern ohne einen Hügel durch die Pampa.
Ich gebe offen zu, daß mir die ein oder andere Erhebung in der Landschaft schon immer besser gefallen hat, aber hier ist es nunmal eben platt.
Und geregnet hat es offenbar auch viel. Teilweise stehen die Felder links und rechts der Straße unter Wasser. Mais, Alfalfa und vor allem Soja schwimmen mehr oder weniger vor sich hin. Rinder sehen wir weniger als erwartet. Vielleicht gibt es doch gar nicht so viele in Argentinien? Oder alle schon aufgegessen?

Unsere Reise verläuft ohne Zwischenfälle… Bis die Sonne sich dem Horizont nähert. Plötzlich blenden die Strahlen so sehr, daß man kaum noch etwas sieht. Ich sitze auf dem Beifahrersitz und habe ab jetzt eine neue Aufgabe: Abstandswarner. Denn immer wieder fährt Fernando rechts in die Pampa, weil er die Straße nicht mehr richtig erkennt. Den ein oder anderen Schreck muß ich so über mich ergehen lassen. Noch schlimmer wird es, als wir so ziemlich alle Mosquitos Argentiniens auf der Windschutzscheibe haben. Die Nichte fragt noch vom Rücksitz ob es regnet. Nein, das, was aufs Auto prasselt, sind Insekten in Hülle und Fülle.

Es hilft nichts. Wir müssen anhalten und provisorisch die Scheibe reinigen, man sieht gar nichts mehr.
Aber für all die kleinen Widrigkeiten werden wir mit schönen Farben am Himmel entschädigt.

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Nach etwas über acht Stunden erreichen wir schließlich unser Ziel. Und natürlich geht es direkt los mit Essen.
Es wird großzügig aufgetischt, und ohne einen Nachschlag komme auch ich nicht davon.
Mal sehen, wie viele Kilos man in vier Tagen zunehmen kann.

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Fleisch oder Fleisch


Ich bin vermutlich die schlechteste Vegetarierin Argentiniens. Vielleicht auch die einzige? Nein. Es gibt wirklich viele vegetarische Alternativen, ganze Restaurants, die mit Quinoa, Linsenburgern und Tofuschnitzeln aufwarten.

Seit meine Eltern da sind, habe ich meinen Magen aber tatsächlich etwas überfordert.
Mein Vater freut sich tierisch über ein gutes Steak. Dementsprechend sind wir auch in den ersten Tagen in verschiedenen Steakrestaurants gewesen. Schließlich sind wir in Argentinien!
Und wenn schon, denn schon. Dann gibt’s für mich eben ein hübsches Filet.
Normalerweise übrigens so gut wie ohne Beilagen, weil das Fleisch mengenmäßig schon genug ist. Abgesehen davon soll man ja abends eh auf die bösen Kohlehydrate verzichten.

Da sitze ich also, normalerweise fleisch- und fischlos, mit einem Batzen Rind und nichts sonst auf dem Teller. Und ich freue mich darüber genauso wie mein Vater.
Nicht, daß wir uns falsch verstehen… Ich esse kein Schwein, kein Huhn, und auch sonst nicht irgendsoein Zeug. Nein, nur feines Filet vom Rind.

Ich bin damit völlig im Reinen, nur mein Magen weiß das nicht.
Nach zwei Tagen der tierischen Eiweißbelieferung setzt die Überforderung in Form von Krämpfen ein. Nicht furchtbar schlimm, aber ich spüre deutlich den Kampf, den meine arme Verdauung, sonst auf Blätter und Teigwaren geschult, durchmacht.
Aber nur deswegen kann ich ja nicht aufhören. Nach dem dritten Tag Fleisch in Folge allerdings muß ich meinem Körper eine Pause gönnen.
Also gibt es einen Abend Pasta und einen Reis.

Aber heute… Also, heute krampft gar nichts mehr.
Da könnte ich doch heute Abend… so ein kleines Filet…

Fleischeslust


Seit einer Woche wieder in Buenos Aires und natürlich schon dem Fleisch verfallen.
Generell habe ich meine Ernährung momentan ganz gut im Griff. Das meiste habe ich ja beim letzten Mal schon probiert, kann ich also beruhigt stehen lassen. Eis hatte ich bisher erst einmal und nicht täglich, und die letzte größere Mahlzeit gibt es für gewöhnlich gegen acht und nicht gegen elf.

Aber man darf ja auch mal eine Ausnahme machen, vor allem, wenn man mit anderen Essen geht.
Diesmal ist es später, seit dem Frühstück habe ich nichts mehr gegessen und dementsprechend einen Bärenhunger. Aber die bösen Kohlenhydrate will ich um elf Uhr abends schon gern vermeiden. Also teilen wir uns zu dritt eine Grillplatte plus Salat.

Ich habe mich noch nie so auf Fleisch gestürzt. Und es war so gut. Selbstverständlich nur die zartesten Teile des lieben Viehs.
Einfach herrlich. Gerne hätte ich mich persönlich bei der Kuh bedankt, aber aus offensichtlichen Gründen war das nicht möglich.

Und mit so vielen Proteinen fühle ich mich nicht mal vollgefressen.
Geht doch.

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Vielleicht ein bißchen viel


Die Menschen hier sind bisher wirklich nett und hilfsbereit. Sehr entgegenkommend.
Da war es nicht allzu verwunderlich, daß man gestern Abend tatsächlich ein vegetarisches Restaurant rausgesucht hatte, um NACH dem Kinobesuch, also so gegen elf, Abend zu essen.
Offenbar hatten aber alle Freunde des gepflegten Blattgrüns die selbe Idee. Alle in Buenos Aires, die Tierisches verweigern, schienen sich in diesem Restaurant eingefunden zu haben.
Keine Chance für uns!

Und was ist die naheliegendste Alternative in so einem Fall? Parrilla! Also ein Restaurant, in dem alles gegrillt wird, was das Rind so hergibt. Na klar!
Ok, überall gibt es Salat und außerdem könnte ich ja nochmal testen, ob mir das Fleisch immer noch schmeckt. Tat es. Also, viel Salat, ein bißchen gebackener Käse, etwas Fleisch und im Anschluß – man gönnt sich ja sonst nichts – Pudding mit Dulce de leche.
Dann nach Hause und ins Bett.

Schöner Abend, grausame Nacht! Sagen wir, ich hatte einige Begegnungen mit der Kloschüssel (und habe mir die Seele aus dem Leib…)
Schade um das gute Essen.
Kreislauf am Boden, Kopfschmerzen und auch sonst ziemlich elendiglich – für Mirta, meine Vemieterin, völlig logisch. Jeder wird krank, wenn man seine Gewohnheiten so umstellt. Das kenne sie schon.
Mit einem Tee, der geschmacklich direkt aus der Hölle kommt, legt sie mir nahe, meinen Körper für heute zu entgiften.
Mache ich! Und ab jetzt werde ich auch vorsichtiger essen!

Bein bitte


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Die Uhren ticken hier anders. Wenn man zum Abendessen verabredet ist, heißt das, man trifft sich gegen halb zehn irgendwo, geht seeeehr langsam und gemütlich los und isst gegen elf. Um diese Uhrzeit sind die Restaurants voll. Man ist dann dementsprechend lange wach, um das Ganze zu verdauen. So zumindest am Wochenende.

Auch ein Sonntag beginnt gemüüütlich. Und in meinem Fall mit einem ASADO!

Asado ist grillen. Bitte jetzt keine Gedanken an Gasgrill und ein paar Würstchen! Nein, gegen elf lagen Huhn und Rind (pollo y carne! Laut Sprachgebrauch ist ein Huhn tatsächlich nur ein Huhn und nicht ‚carne‘, also übersetzt Fleisch) auf dem ‚parrilla‘ im Garten (einem gemauerten Grill, der Größe eines Kamins) und haben es sich so langsam warm gemacht. Gegen zwei war es dann soweit. Und auch wenn man hier mit den Augen rollt, wenn sich jemand als Vegetarier outet- den Salat und die Guacamole essen sie dann doch ziemlich gern.

Und nun die große Frage: hat sie oder nicht?

Klar, hat sie! Das erste Stück Fleisch, das ich probiert habe… Fürchterlich!!! Ich dachte, es sei Huhn, soll aber Rind gewesen sein. Fett und komplett durchgebraten. Das war ein Stück aus der Bauchgegend, sagt man mir. Ja, laßt es am Bauch. Stand der Kuh bestimmt gut!

Das Huhn hat mich einfach nicht angelächelt. Federvieh eben. Gackert, pickt, legt Eier, aber essen… kein Bedarf. Da habe ich weder Mitleid noch Gelüste.

Aber dieses eine Stück… Ohne Fett, ganz zart und durch und durch mit Geschmack! Ich hab’s aufgegessen. War gar nicht konsistenzgestört, fad oder ‚wird mehr, wenn man darauf kaut‘. Es war das Bein! Liebe Kuh, ich danke Dir für dieses schmackhafte Stückchen Bein, und ich würde es wieder tun!

Nicht, daß jemand denkt, ich hätte Massen verdrückt. Ich habe auch die Blutwurst missachtet. Das wäre ein bißchen viel für den Anfang. Aber es war ein Stück, und trotzdem fühle ich mich immer noch sehr fleischlos. Vielleicht, weil ich mir beim essen die Wiese, auf der das Rind wohnte, so lebhaft vorstellen konnte. Und die Gräser, die es gefuttert hat. Ich glaube, das Rind, von dessen Bein ich heute ein Stück gegessen habe, war sehr glücklich.

Aber bin ich jetzt eigentlich noch Vegetarier?