Heim


Fernando, der Hausherr, hat mal wieder wunderbar gekocht, und wir sitzen beim Mittagessen.
Ich gehöre mittlerweile zu den Trompetern vom Dienst, was mein Geschnaube in Sachen Schnupfen angeht.
Und leider kann ich es auch während des Essens nicht vermeiden, meine Nase zu schneuzen.
Ich drehe mich vom Tisch weg und entschuldige mich anschließend, weil es wirklich nicht schön ist.

„Bitte nicht um Entschuldigung in Deinem zu Hause“, sagt Fernando. „Das hier ist Deine Station ‚Heim‘ in Argentinien.“

…er hat recht. Zu Hause ist überall da, wo geliebte Menschen sind.

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Muppet Apotheke


Da hat es mich doch ganz schön erwischt. Halsschmerzen und Rotz vom Feinsten (Entschuldigung, aber so ist es nunmal).
Keine Lust auf krank!
Fernando sieht das auch so und schreibt mir den Namen eines Medikaments auf, daß ich mir besorgen soll. Hilft immer, sagt er.

In der winzigen Apotheke um die Ecke bin ich zum ersten Mal.
Hinter dem Schalter steht ein ältlicher Herr und davor sitzen zwei rüstige Knaben, die da eben einfach so sitzen, weil sie offenbar sonst nichts zu tun haben. Mit dem Rücken zur Wand, nebeneinander und mit Blick auf die Tür.
Spontan fühle ich mich an die beiden Alten aus der Muppet Show erinnert.

Ich gebe dem Herrn meinen Zettel mit dem Namen des Medikaments, und er fängt sofort an zu scherzen und mit seinen beiden Muppet Kumpels zu lachen. Mich fragt er auch irgendwas, aber ich verstehe ihn einfach nicht.
Bei pharmazeutischen Fachbegriffen hört es bei mir auf.
Dann erzählt er mir irgendwas von Sparen. Wieviel er spart, oder was ich mir besser spare… Keine Ahnung!

Schließlich kramt er aus einem Schuhkarton die gefragten Pillen. Wie viele ich will?… Ach, gib mir zwei Packungen. Man weiß ja nie.
Er lacht, und meint, das gefalle ihm.
Die Muppet Brüder lachen mit. Und ich kann mir das Grinsen auch nicht verkneifen.

Mit meinem frisch erworbenem Breitbandantibiotikum für umgerechnet keine zwei Euro und dem Schalk der drei Herrn aus der Apotheke im Nacken gehe ich nach Hause. Heute ein Tag im Bett. Mit Wärmflasche natürlich. Und den Muppet Wunderpillen.

Also, wenn das alles nicht hilft…

Mein rosa Herz


Seit Mai war ich nicht mehr krank.
Zu Zeiten fester Arbeit war ich im Abstand von maximal zwei Monaten mindestens einmal erkältet, vergrippt, entzündet oder was weiß ich.
Nicht, daß ich damit sagen will, feste Arbeit sei schlecht. Noch dazu hatte ich einen Chef, der uns lieber zum Arzt und ins Bett geschickt hat, als uns im Büro leiden zu lassen. Aber so richtig Zeit zum gesund werden, hat man irgendwie doch nicht, und letztendlich wandern die Bakterien und Viren immer schön im Kreis, von einem zum nächsten und zurück.

Nun, seit Mai ist schon ziemlich lang, da dachte sich mein Körper wohl, daß es mal wieder an der Zeit sei. So für die Quote. Und schließlich schnieft und niest es momentan an allen Ecken.
Meine Eltern, die mittlerweile wieder in Deutschland sind, reisten mit Halsschmerzen ab, und in meiner argentinischen Familie und näheren Umgebung ist gerade von Schnupfen bis Fieber alles vertreten.
Man kann es meinem Körper also nicht wirklich verdenken, daß er gerne dazu gehören möchte.

Seit meine Eltern weg sind, ist auch das Wetter in Buenos Aires schlechter geworden. Schlagartig.
Seit Monaten trage ich sogar tagsüber wieder lange Hosen.
Und nachts wird es für mein Empfinden schon ungemütlich frisch und kühl.
(Allerdings bin ich eine klassische Frostbeule.)

Wie gut, daß meine Mutter mir, auf mein Bitten hin, etwas mitgebracht hat. Etwas, was man hierzulande eher selten oder vielleicht gar nicht findet: eine Wärmflasche!
Die gute, alte Gummiflasche, die man mit heißem Wasser füllt.

Vor wenigen Minuten hatte sie ihren ersten Auftritt.
Mit meinem herzförmigen, rosa Fläschchen hab ich mich in die Küche geschlichen, es mit kochendem Wasser gefüllt und blieb zum Glück unbemerkt. Gerade keine Lust auf Erklärungen, nur auf Wärme.

Und während meine Nase noch fröhlich weiter läuft, hüllt sich der Rest in kuschelig wohlige Temperaturen.
Man muß vielleicht manchmal eine Erkältung hinnehmen, aber kalte Füße braucht kein Mensch!