Lost in translation


SMS (auf Spanisch) erhalten: Willst Du mit uns Essen heute?

Meine Antwort (auf Spanisch) sollte sein: Ich würde mich freuen! ABER war leider: Ich würde mich singen!

Jetzt muß ich wahrscheinlich singen vor Freude.

Tourist mit Ambitionen


Eine Woche ohne Schule. Das heißt, mit ausschlafen. Aber zu faul soll es ja auch nicht werden, und meine oberste Mission lautet ja immer noch Spanisch lernen.
Es gibt Momente, da verstehe ich alles. In anderen summt alles einfach nur so an mir vorbei. Die Konzentration läßt eben manchmal nach. Ich glaube, das ist normal.
Mirta nötigt mich, Fern zu sehen. Damit ich mehr höre. Sie hat Recht. Nur da war ja das Problem mit der Lautstärke. Wenn sie also kurz ins Bad oder in die Küche geht, mache ich den Fernseher schnell ein bißchen leiser. Von „ich bin kurz vor taub“ auf „etwas weniger taub“.

Meine erste Zeitschrift auf Spanisch habe ich mir auch schon gekauft. Eine Cosmopolitan. Da sind die Themen nicht so hochtrabend und gut zu verstehen. Aber zugegeben, es sind auch viele Bilder drin. Naja, ich steigere den Wortanteil langsam.

Und dann lerne ich natürlich noch weiter. Jeden Tag wandere ich wie ein Tourist durch die Gegend, mache ein paar Fotos, staune über die Vielfältigkeit der Stadt, um mich letztendlich in einen Park zu schmeißen und mich in meine Bücher zu vertiefen. Jeden Tag ein bißchen mehr. Und ich habe immer ein Vokabelheft dabei, in das ich auch die Wörter eintrage, die ich in Gesprächen mitkriege.

Gestern wollte ich Mirta erzählen, worum es in dem Film geht, den ich mir im Kino angeschaut habe. Auf Spanisch (der Film und meine Erzählung). Es ging um die Probleme verschiedener Paare. Paar heißt ‚pareja‘. Und leider gibt es ein Wort, das ganz ähnlich klingt, man muß nur das r und das j vertauschen und aus dem letzten a ein o machen. Und schon ist es ein ziemlich übles Schimpfwort.
Mirta hat mich mit sehr großen Augen angeschaut, sich aber nicht viel anmerken lassen, bis ich meinen Fehler selbst bemerkt habe. Auch ich habe so getan, als wisse ich nicht, was das Wort heißt.

Morgen muß ich wieder in den Park und unbedingt Vokabeln lernen!

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Wein und mehr


Man hat schnell das Gefühl, daß die Menschen die Dinge hier mit guter Laune angehen. Zumindest sind die Leute in den Geschäften fast alle extrem freundlich und hilfsbereit. (Ich frage mich, ob sie einen vor lauter Hilfsbereitschaft auch in die falsche Richtung schicken würden, wenn man nach dem Weg fragt, und sie ihn eigentlich nicht wissen.)

Die gute Laune war auch deutlich auf meiner kleinen Weintour zu spüren. Ich bin eigentlich eher Biertrinker, aber was soll’s. Ist ja eine Möglichkeit, Leute kennen zu lernen. Also habe ich mich der Tour angeschlossen. Man zahlt, kriegt ein hübsches Rotweinglas und dann geht’s los. Von einem Geschäft ins nächste. Keine Weingeschäfte, sondern Klamotten- und Schmuckläden. In jedem wartete ein Sommelier mit drei bis fünf verschiedenen Weinen, Crackern und Käse.
Insgesamt acht Stationen. Ich kann nur soviel sagen: ich habe an dem Abend keinen getroffen, der es bis zur Acht geschafft hat. Ich selbst bin bis zur fünf gekommen.

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Und mit ein bißchen Wein spricht und versteht es sich auch viel besser auf Spanisch!

Schweinchen


Irgendjemand hat leider vergessen, Die kleine Raupe Nimmersatt in Argentinien bekannt zu machen.
Da ist es natürlich um so schwieriger, den Einheimischen klarzumachen, daß dieses Kinderbuch des Öfteren mein Essverhalten beschreibt. (Ganz zu schweigen vom Versuch, das Kinderbuch zu beschreiben. Was heißt eigentlich Raupe auf Spanisch…)
Hier gibt es offenbar keinen festen Ausdruck dafür. Weder essen die Leute einem hier die Haare vom Kopf (aber nach meinen Erklärungsversuchen denken einige, in Deutschland gäbe man seinen Gästen Haare zu essen), noch ist man eine Raupe Nimmersatt, wenn man viel isst. Das Wort, das man wohl am ehesten benutzt, um eine Frau mit gutem Hunger zu beschreiben, sei Schweinchen: chanchita.

Und plötzlich hatte ich einen Spitznamen. Da Schweinchen als etwas beleidigend gilt, hat man lediglich das Wort etwas transformiert. Ab und zu und immer öfter bin ich also jetzt Chachi. Ist aber ganz herzlich gemeint. Und klingt doch eigentlich ganz niedlich.

Kein Schulkind mehr


Vorerst.
Heute war mein letzter Schultag. Das heißt nicht, daß ich alles kann und alles gelernt habe. Lange nicht. Aber zumindest so viel, daß ich es jetzt anwenden möchte. Und zwar mit ganz viel sprechen und so. Wenn sich das Gelernte gesetzt hat, und ich das schonmal richtig anwenden kann, kann ich schon eine Menge. Dann werde ich wahrscheinlich noch ein paar Einzelstunden nehmen, um mein Grammatikwissen zu erweitern (und die wirklich komplizierten Dinge zu lernen) und voilá: irgendwann kann ich dann hoffentlich Spanisch!

Heute habe ich erstmal mit Stolz mein Zertifikat entgegengenommen (natürlich als Klassenbeste. Furchtbar, diese Streber!):

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Das war Woche Nr. 1


Es ist mir eben erst bewußt geworden: gestern war ich genau seit einer Woche schon hier.

Und gestern Abend habe ich mich mit Mirta, meiner Vermieterin, unterhalten. Unterhalten! (Natürlich nicht fehlerfrei.) Ich habe erzählt, was ich gemacht habe, wo ich so war, sie hat mir erzählt, dass es am Wochenende einen tollen Markt gibt, und dass ich die Kirche in der Nähe unbedingt anschauen muß. Und andere Sachen. Und dann hat sie gesagt, daß sie es kaum Glauben kann: ich antworte in ganzen Sätzen und man könne mit mir sprechen.

Am Anfang habe sie sich immer gefragt, was ich wohl mit meinen Wortexperimenten sagen will. Ich hab’s doch gewusst; ich war nicht die einzige, die nichts verstanden hat!

Die aus der ersten Reihe


Mein vierter Tag in der Schule. Ich mache Fortschritte, alle anderen auch. Es läuft also. Auch der junge Mann, gerade mal so Mitte 40 (ich entschuldige mich für vorherige Formulierungen), hat mittlerweile sein Labyrinth verlassen und sich den Weg zur spanischen Sprache freigekämpft. Wir sind alle lernfreudig. Fast alle. Alle, bis auf diesen Typ aus Schweden. Der ist am zweiten Tag zu uns gestoßen und seitdem geht es etwas schleppender voran. Denn statt auf Spanisch stammelt er lieber auf englisch und statt zuzuhören, spielt er lieber an seinem Handy rum. Und er hält uns auf!

Oh je. Ich klinge wie die Klassenstreberin aus der ersten Reihe. Aber das ist der Unterschied, wenn man lernen will und nicht muß. Außerdem kostet die Schule Geld! (typisch Deutsch: ich will was haben für mein Geld)

Nächste Woche wäre ich nur mit dem Schweden und dem Herrn aus Seattle in einer Klasse. Tut mir leid, das geht so nicht.
Meine Lehrerin hat das auch so gesehen und mit der Direktorin gesprochen (wenn, dann mache ich die Pferde richtig scheu).

Die Lösung ist simpel und doch harte Arbeit: morgen nach dem Unterricht und dem Test, den wir schreiben, habe ich zwei Privatstunden, in denen ich das lerne, was meine Klasse nächste Woche lernt, damit ich eine Woche überspringen kann.

Das Wochenende werde ich dann wohl recht viel mit Lernen verbringen.
Meine Mutter hätte sich gefreut, wenn ich diesen Satz mal vorm Abitur gesagt hätte…