Tanzmaus


Als ich meinen Eltern heute am Telefon sagte, daß es diese Woche kühl bleibt, nur so bis 30 Grad, dachten die, sie hätten sich verhört.
Aber tatsächlich gehe ich momentan mit Fleecejacke nach draußen. Gut, heute waren es wirklich nur 20 Grad.

Die frischen Tage, an denen man nicht hitzebedingt einem Kreislaufkollaps nahe kommt, muß man für Bewegung nutzen.
Ja, ich hätte auch joggen können, aber tanzen ist doch auch schön.
Also wird es an einem Abend Bachata. So etwas ähnliches wie Salsa (zumindest für meine Ohren). Schon einmal war ich in dieser Bar und landete unwissentlich in der Tanzstunde, diesmal ganz bewußt. Eineinhalb Stunden werden die Hüften geschwungen, Drehungen geübt, und die Lachmuskeln kommen auch nicht zu kurz.

Heute dann mal wieder Tango. Ich habe eine Adresse bekommen, von einem Ort, an dem Anfängerunterricht stattfindet. Erst hab ich gezögert, aber gucken kann man ja mal.
Wie immer bin ich die erste vor Ort. Ich denke schon, ich habe mich im Haus geirrt, als dann wirklich gerade so pünktlich, und keine Sekunde zu früh, die Tanzlehrer und anderen Schüler kommen. (Memo: Ich muß mir unbedingt mehr Zeit lassen bei allem.)
Wir sind zu acht, alles Anfänger. Die anderen waren aber schon ein paar Mal da. Wiedereinmal beginnen wir, Gehen zu lernen.
Und dann, nach und nach, gehen wir im Wechsel mit den verschiedenen Tanzpartnern und irgendwann, nach einer Stunde, fühlt es sich nicht mehr ganz so nach Gehen, sondern auch ein bißchen nach Tanzen an.

Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, ich fühle einen leichten Muskelkater in Armen, Po und Beinen, und ich freue mich schon auf nächsten Samstag.

Am Dienstag steht übrigens Samba auf dem Plan. Mal sehen, ob das was wird.

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Tango zum Gehen


20140123-142831.jpgEigentlich hatte ich mir ja überlegt, daß Tango vielleicht doch nichts für mich ist. Schließlich dauert es so lange, bis man in irgendeiner Form sagen könnte, daß man den Tanz etwas beherrscht, und ich weiß nicht, ob ich dafür Zeit und Finanzen aufbringen will.

Aber einmal ist ja schließlich keinmal… So eine Stunde kann man ja nochmal mitmachen. Und diesmal ist es auch keine richtige Tanzstunde, sondern es geht ausschließlich ums Gehen.
Klingt etwas seltsam, denke ich auch, stelle aber fest, daß es tatsächlich sinnvoll ist, das zu üben, denn man verliert schneller das Gleichgewicht, als man denkt.

In dem kleinen Saal mit Steinboden haben sich etwa 40 Leute versammelt, um das Gehen zu üben. Und bei weitem nicht nur Anfänger.
Männer und Frauen getrennt, schleichen wir in Reihen mal vorwärts, mal rückwärts, mal seitlich und schon ist die Stunde vorbei.
Eine Stunde Konzentration, daß man mit den hohen Hackenschuhen nicht ausrutscht oder umfällt, Bauch anspannen, Arme fest und wieder einmal schweißgebadet.
Wer hätte gedacht, daß Gehen so anstrengend und schwierig sein kann. Und trotzdem Spaß macht.
Naja, vielleicht gehe ich ja doch nochmal zu irgendeiner Unterrichtsstunde.

La Catedral


20131113-133253.jpgJa, ich besuche ‚La Catedral‘. Allerdings nicht an einem Sonntagmorgen sondern an einem Dienstagabend.

‚La Catedral‘ ist eine Milonga. Also ein Ort, an dem Tango getanzt wird, und diese Milonga scheint eine der bekanntesten zu sein.
Schließlich will ich endlich meine erste Tangostunde haben.

Von außen sieht das Gebäude nicht sehr sakral aus, mehr wie ein heruntergekommenes Fabrikgebäude. Also lieber reingehen.

Ich habe mich informiert. Um neun ist eine Stunde Gruppenunterricht für Anfänger. Etwa um zehn vor neun bin ich da.
Der Herr vorm Tanzsaal sitzt an seinem kleinen Tisch und schaut mich mürrisch an. Ich erkläre ihm freundlich, daß ich die Stunde um neun mitmachen möchte und noch nie Tango getanzt habe. Das ist ihm egal.
Die Stunde um neun ist jetzt die Stunde um zehn, sagt er mir. Welche ich also mitmachen will. Die um neun oder die um zehn?
Naja, die um neun. – Ja, aber die ist jetzt um zehn. Ob ich die, die jetzt anfängt, mitmachen will??
Das weiß ich nicht. Was ist denn das jetzt für eine Stunde? Ist das sinnvoll? (Ich hatte ihm ja gesagt, daß ich noch nie Tango getanzt habe. Ist ihm immer noch egal.)
Gemurmel. Ich solle mich doch jetzt bitte entscheiden, welche Stunde ich mitmachen will!
Ok, dann die, die jetzt um neun anfängt, die aber nicht die Stunde um neun ist, weil die um zehn anfängt.
Alles klar. Macht vierzig Pesos (etwa 4Euro). Ich gebe 100.
Wie genervt kann ein Mensch sein!? Ob ich es denn nicht kleiner habe? Er brauche Wechselgeld!
Kleiner habe ich nur 37 Pesos. Keine Gnade. So dringend will er das Wechselgeld dann auch nicht, daß er mir die drei Pesos erlässt, stattdessen gibt er mir, begleitet von weiterem Gemurmel, das ich zum Glück nicht verstehe, auf meine Hundert raus.

Endlich habe ich den bisher unfreundlichsten Menschen Argentiniens überstanden, da fängt die Stunde auch schon an. Etwa 25 Pärchen stehen auf der großen Tanzfläche, in der Mitte die Lehrer und drum herum Tische und Stühle, gefüllt mit Leuten, die zum Essen, Trinken und Schauen gekommen sind. Und, ein Glück, ich habe eine Anfängerstunde erwischt.

Wir lernen die ersten einfachen Schritte, und dann soll sich jeder einen Partner suchen. Mit sowas habe ich ja immer besonders viel Glück. Der einzige Typ, der offenbar ohne weibliche Begleitung gekommen ist, wird mir zugeteilt, hat Mundgeruch, ist klein, spricht nur Portugiesisch und kann noch weniger tanzen als ich.
Während die anderen Paare Fortschritte machen und wörtlich den Dreh raushaben, latscht er konsequent in die falsche Richtung und will auch erst glauben, daß der Schritt so nicht stimmt, als der Tanzlehrer ihn korrigiert.

Nach einer Stunde sind wir zwar immer noch das schlechteste Tanzpaar, aber wenigstens habe ich eine Ahnung davon, daß es durchaus Spaß machen kann (als der Tanzlehrer ihm den Schritt gezeigt hat, hat er kurz mit mir getanzt).

Der Portugiese lädt mich zu seinen portugiesischen Pärchenfreunden an den Tisch ein, an dem sie ausschließlich Portugiesisch sprechen, und er weiter Mundgeruch hat.
Und um halb elf fängt dann die Stunde an, die nicht die Stunde um neun ist, weil sie heute um zehn anfängt.

Ich komme bestimmt noch mal wieder.
Dann aber so gegen achtzehn Minuten vor oder nach zehn und einer Tasche voll Pfefferminzbonbons.

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Entdeckung der Langsamkeit


Einkaufen. Das Gute ist, daß die Supermärkte täglich bis neun geöffnet haben. Und meine Theorie ist, daß sie das auch müssen, weil sonst niemand zum Kaufen käme, denn ein Besuch im Supermarkt nimmt Zeit in Anspruch!

Ich möchte ein Stück Käse kaufen, Brot, eine Avocado, eine Zitrone und eine Zwiebel. Ich könnte in den Käseladen gehen, dann zum Bäcker und zum Gemüsehändler. Oder ich versuche es eben im Supermarkt, denn da gibt es alles.

Zeiträuber 1: sämtliche Käsestücke sind eher für Familien abgewogen als für eine Einzelperson. Ich möchte kein halbes Kilo Käse kaufen, also suche ich nach dem kleinsten Stück. Das dauert und kostet verhältnismäßig viel.

Zeiträuber 2: Gemüse muß man abwiegen lassen. Ein Mann wiegt alles, und da alle irgendwelches Gemüse kaufen, ist die Schlange dementsprechend lang. Und selbstverständlich wird jedes Stück in eine eigene Tüte verfrachtet.

Mittlerweile, eine halbe Stunde später, habe ich also vier Tüten. Eine mit einer Zitrone, eine mit einer Avocado, eine mit einer Zwiebel und eine mit Brot. Dazu kommt mein abgepackter Käse.

Zeiträuber 3: die Kasse. Es gibt zwar viele Kassen, aber vor allen steht jeweils eine lange Schlange. Also anstellen. Und teilhaben an der Entdeckung der Langsamkeit!
Die Kassiererinnen ziehen einen Artikel nach dem anderen vor den Sensor, wie in Deutschland, nur viel laaaangsamer. Und es gibt pro Einkauf immer ein oder zwei Artikel, die Probleme bereiten. Die der Sensor nicht lesen kann zum Beispiel. Aber bevor man die Nummer manuell eingibt, versucht man es lieber zwanzigmal. Und wenn man dann die Nummer manuell eingibt, vertippt man sich am besten und fängt von vorne an.
Und es gibt auch grundsätzlich kein Wechselgeld. Also schreit die Kassiererin jedesmal nach ihren Kolleginnen, ob die vielleicht gerade Kleingeld haben. Haben sie nicht normalerweise. Wenigstens wird der Einkauf großzügigerweise um ein paar Centavos abgerundet.

Ich habe also jetzt ein Stück Käse, eine Zitrone, eine Avocado, Brot und eine Zwiebel. Etwa eine Stunde nach Betreten des Supermarktes.

Das nächste Mal gehe ich zum Bäcker, zum Gemüsehändler und zum Käseladen.

Bailando ODER Man, bin ich deutsch! ODER Ich muß mal!


Tanzstunde.
Nach einer Woche Lernen und Kopf rauchen, brauche ich physischen Ausgleich. Da reicht auch der Weg zur Schule jeden Morgen nicht. Also gehe ich mit einer anderen Deutschen, die hier wohnt, zu einer Tanzstunde. Was genau das wird, weiß ich noch nicht. Ist ja auch egal, Hauptsache ein bißchen Bewegung.

Außer uns sind noch zwei Mädels aus Argentinien da und die Lehrerin. Alle ungefähr 1,55m groß, zierlich, laut – sehr laut! – und gut gelaunt. Bevor man mit der Stunde anfängt, müssen erstmal die privaten Zustände erörtert werden… Ist die eine noch mit ihrem Freund zusammen, wohin will die andere umziehen, was gibt es Neues bei der Schwester der Dritten…

Und dann geht es los. Reaggaton nennt sich die Musik und Tanzart. Wie Reggae, nur viel schneller und härter. Und zwar sehr schnell. Es stellt sich heraus, daß die anderen Mädels bereits in den Wochen zuvor mit einer Choreographie begonnen haben. Da bin ich also erstmal raus. Aber ich kann ja bei den neuen Teilen einsteigen. Leichter gesagt als getan. Die Damen bewegen sich so schnell, schütteln Hüften und Popos und sehen dabei einfach nur gut aus. Ich fühle mich wahnsinnig deutsch.
Bei einem Tanzschritt versucht mir die Lehrerin was zu erklären. No entiendo! Also übersetzt die andere Deutsche für mich: ein bißchen so, als müßtest Du aufs Klo.
Aha. So sehe ich also beim Tanzen aus. Na, sehr freundlich!
Zum Glück ist die Stunde bald vorbei. Mir reicht’s! Das Missverständnis klärt sich leider erst danach auf. Nicht ich sehe so aus, als müsse ich aufs Klo, sondern die Beinhaltung bei dem Tanzschritt soll so aussehen.

Ich bin ein bißchen erleichtert. Beim nächsten Mal werde ich einfach vorher sehr viel trinken. Vielleicht klappt’s dann!