Ausgeschlossen


Es gibt ja so Tage…
So Tage, die man sich auch sparen kann. So einer war gestern.

Mir ging es immer noch nicht besonders gut, aber irgendwie hatte ich mal wieder Lust auf Nudeln mit einer schön scharfen Tomatensoße.

Ich gehe also zum Supermarkt, um alles Nötige zu besorgen.

In Buenos Aires ist es eigentlich nicht möglich, seinen Schlüssel zu vergessen, denn für gewöhnlich sind die Türen immer von innen verschlossen. Ohne Schlüssel kommt man also erst gar nicht raus.
Doch hier finden sich andere Wege, sich „auszuschließen“.
Zum Beispiel läßt sich die Tür einfach nicht mehr öffnen.

Ich komme zurück vom Supermarkt, will aufschließen, und es geht nicht.
Der Schlüssel läßt sich im Schlüsselloch einfach nicht drehen. Egal, was ich versuche, die Tür bleibt zu.

Leider sind alle Vögelchen ausgeflogen. Die Tochter des Hauses zur Arbeit und der Hausherr zu Besorgungen in die Stadt. Und mein Handy liegt natürlich in meinem Zimmer. Schließlich wollte ich nur fünf Minuten weg bleiben. Ich muß also warten, bis irgendwer nach Hause kommt.
Das wird am ehesten der Hausherr Fernando sein. Aber wann?

Erstmal Kaffee trinken.
Im Café in der Nähe gibt es nur gerade keinen Kaffee. Stromausfall.
Dann eben Limonade. Ist mir jetzt auch egal.
Ich schlage dort ein bißchen Zeit tot, neben mir meine Einkaufstasche, und gedanklich schon im Bett, weil ich mich wirklich nicht wohl fühle. Auf die Nudeln habe ich mittlerweile keine Lust mehr.

Ich kann mich nicht ewig in dem Café ohne Kaffee aufhalten, außerdem will ich ja nicht verpassen, wenn jemand nach Hause kommt.
Ich gehe also zurück. Und warte. Und warte. Und warte.
Wenn man im Schatten steht, wird es schon teilweise sehr kühl. Und mittlerweile stehe ich im Schatten.
Zwischendurch versuche ich immer mal wieder die Tür aufzuschließen, aber die bleibt stur.
Als es mir irgendwann doch zu kalt wird, setze ich mich schräg gegenüber in ein American Diner und bestelle, weil ich ja irgendwas bestellen muß, mit dem ich eine Weile bleiben kann, eine Portion Pommes.
Die Pommes sind schrecklich, aber wenigstens taue ich langsam wieder auf.
Und dann kommt Fernando. Insgesamt sechs Stunden später!

Und er kann die Tür auch nicht aufschließen. Vor Ewigkeiten sei das schon mal passiert, sagt er. Vor Eeeewigkeiten.
Da stehen wir also. Vor der blöden Tür, die uns nicht reinlassen will.
Da fällt ihm was ein. Er läßt sich vom Automechaniker um die Ecke den Schlüssel zerteilen und siehe da… Mit einem halben Schlüssel läßt sie sich öffnen, die sture Tür.

Fernando leitet umgehend Präventionsmaßnahmen ein, und läßt auf der Stelle für jeden Hausbewohner einen Schlüssel zu seinem Büro kopieren. Nur so für alle Fälle. Daß wir wenigstens irgendwo reinkommen.

Ich leite weitere Auftaumaßnahmen in Form von Wärmflasche und Tee ein, aber die Bronchitis ist trotzdem heute da.

Und natürlich war auch noch ein Ei in der Einkaufstasche kaputt, so wie es sich für so einen Tag gehört. So Tage, die man sich auch sparen kann.

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Mit und ohne Hund


Fernando, der Hausherr, vergisst ab und zu mal was.
Zum Beispiel das Hündchen Ona im Supermarkt.
Oder das Hundefutter im Auto, mit dem er dann den ganzen Tag unterwegs ist.
Er hat offizielles Hunde-Ausführ-Verbot.
Einmal, hat er mir gestern mit einem Grinsen erzählt, hat er das Hündchen mit zum Chinesen genommen.
Erst Stunden später, als der Laden schon lange geschlossen hatte, fiel ihm auf, daß der Hund nicht da war.
Die Chinesen hatten sie zum Glück nicht zu Frühlingsrolle verarbeitet, sondern sich Onas angenommen, bis sie abgeholt wurde.

Gestern hat er, dem Verbot zum Trotz, das Hündchen doch mit zum Supermarkt genommen – und wieder mitgebracht.
Das hat er ganz stolz seiner Tochter per Whatsapp mitgeteilt.

Manchmal sind es die kleinen Erfolge des Alltags…

Entdeckung der Langsamkeit


Einkaufen. Das Gute ist, daß die Supermärkte täglich bis neun geöffnet haben. Und meine Theorie ist, daß sie das auch müssen, weil sonst niemand zum Kaufen käme, denn ein Besuch im Supermarkt nimmt Zeit in Anspruch!

Ich möchte ein Stück Käse kaufen, Brot, eine Avocado, eine Zitrone und eine Zwiebel. Ich könnte in den Käseladen gehen, dann zum Bäcker und zum Gemüsehändler. Oder ich versuche es eben im Supermarkt, denn da gibt es alles.

Zeiträuber 1: sämtliche Käsestücke sind eher für Familien abgewogen als für eine Einzelperson. Ich möchte kein halbes Kilo Käse kaufen, also suche ich nach dem kleinsten Stück. Das dauert und kostet verhältnismäßig viel.

Zeiträuber 2: Gemüse muß man abwiegen lassen. Ein Mann wiegt alles, und da alle irgendwelches Gemüse kaufen, ist die Schlange dementsprechend lang. Und selbstverständlich wird jedes Stück in eine eigene Tüte verfrachtet.

Mittlerweile, eine halbe Stunde später, habe ich also vier Tüten. Eine mit einer Zitrone, eine mit einer Avocado, eine mit einer Zwiebel und eine mit Brot. Dazu kommt mein abgepackter Käse.

Zeiträuber 3: die Kasse. Es gibt zwar viele Kassen, aber vor allen steht jeweils eine lange Schlange. Also anstellen. Und teilhaben an der Entdeckung der Langsamkeit!
Die Kassiererinnen ziehen einen Artikel nach dem anderen vor den Sensor, wie in Deutschland, nur viel laaaangsamer. Und es gibt pro Einkauf immer ein oder zwei Artikel, die Probleme bereiten. Die der Sensor nicht lesen kann zum Beispiel. Aber bevor man die Nummer manuell eingibt, versucht man es lieber zwanzigmal. Und wenn man dann die Nummer manuell eingibt, vertippt man sich am besten und fängt von vorne an.
Und es gibt auch grundsätzlich kein Wechselgeld. Also schreit die Kassiererin jedesmal nach ihren Kolleginnen, ob die vielleicht gerade Kleingeld haben. Haben sie nicht normalerweise. Wenigstens wird der Einkauf großzügigerweise um ein paar Centavos abgerundet.

Ich habe also jetzt ein Stück Käse, eine Zitrone, eine Avocado, Brot und eine Zwiebel. Etwa eine Stunde nach Betreten des Supermarktes.

Das nächste Mal gehe ich zum Bäcker, zum Gemüsehändler und zum Käseladen.