Chivito in Merlo


Schon um acht Uhr morgens starten wir zu einem kleinen Ausflug in das zwei Stunden entfernt gelegene Merlo. Fernando will einen alten Freund besuchen, aber eigentlich, sagt er mir, ist das für ihn nur ein netter Vorwand um mal wieder dort hin zu fahren.

Die Straße ist relativ neu und von bester Qualität, kaum Verkehr, und so kommen wir schnell voran. Auf der einen Seite erhebt sich ein Berg, auf der anderen Seite kann man kilometerweit über die Pampa schauen.

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Fernando erzählt mir Geschichten zu den wenigen kleinen Dörfern, die wir passieren. Wo sie als Kinder gespielt haben, Urlaub gemacht haben, und was es damals noch nicht gab.
Und er erzählt von einer kleinen Ziegenart, die für die Region typisch sei, die wir unbedingt probieren müssten.

Der Ort ist extrem hübsch und erstreckt sich über den Hang des Berges.

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Der Besuch bei seinem alten Freund dauert etwa zehn Minuten (wirklich nur ein Vorwand also), danach schauen wir uns zu Fuß den Ort an.
Sehr touristisch, aber schön angelegt. Und das wichtigste: überall werden die kleinen Ziegen, Chivitos, angeboten.

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Ich bin skeptisch. Schon die Zubereitungsart – Stunden um Stunden an der Seite des Feuers – und der Anblick der aufgespießten Tiere erwecken bei mir nicht unbedingt Gelüste. Aber ich hatte versprochen, zu probieren.

In einem Restaurant, das uns eine Verkäuferin im Ort empfohlen hat, lassen wir uns nieder. Wir wollen Chivito probieren.
Dann bringe er uns zwei Portionen, sagt der Kellner. Nein, sage ich, lieber eine. Ich will ja nur probieren.
Zum Glück!
Eine Portion ist schon riesig, und das Fleisch gelinde gesagt furchtbar. Zum einen ist kaum was dran an dem Tierchen, zum anderen ist es das trockenste, das ich je gegessen habe (schlimmer als Lama). Wenn Essen im Mund beim Kauen mehr wird…
Nach einer Gabel lege ich den Rest zurück auf die Grillplatte.
Ich halte mich an Salat und Brot und überlasse Fernando den Rest. Der isst brav einen Großteil auf. Dann schaut er mich an und sagt: es ist wirklich extrem trocken.
Wir beschließen beide, daß wir Chivito von der Liste der essbaren Dinge streichen können.

Die Rechnung kommt, und damit der Schock! Mehr, als wenn man in Buenos Aires in einem guten Restaurant zu dritt essen geht und dazu ordentlich trinkt.
Fernando zückt schon seine Kreditkarte, aber um das ungeprüft zu lassen, bin ich vielleicht zu Deutsch. Und tatsächlich ist es auch gar nicht unsere Rechnung. Nach Beanstandung bringt uns der Kellner die richtige, die nur etwa halb so viel drauf hat.

Wir machen uns auf den Rückweg, denn schließlich werden wir auch im Dorf wieder erwartet. Mit Essen, wie immer. Aber wenigstens mit gutem!

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Hauptsache gesund


Ich will auf den Markt. Langsam muß man ja daran denken, Weihnachtsgeschenke zu besorgen, auch wenn die Stimmung hier nicht besonders weihnachtlich ist. (Ein paar Geschäfte verkaufen Weihnachtsartikel, wie bei uns auch, aber irgendwie passt es nicht in den Sommer.)

Der Markt soll ganz schön sein, mit vielen handgemachten Dingen wie Schmuck und Lederwaren.
Leider ist er für mich eine Enttäuschung. Winzig klein, zwar mit hübschen Sachen, aber nicht das, was ich mir vorgestellt habe.

Ich schlendere ein bißchen weiter. Immerhin bin ich schonmal in der Ecke, in der ich sonst nicht so oft bin. Belgrano.
Da entdecke ich an einem weiteren Platz einen anderen Markt. Viel größer und voll mit Leuten.
Ein ‚Organic Food Market‘. Diese Bewegung des supergesunden Essens, überwiegend vegan, hält offenbar überall Einzug, denn aus Berlin und London kenne ich das schon. Alles muß Gluten- frei sein (wer weiß schon, was Gluten ist), möglichst alleine vom Baum fallen und das Schlimmste: durch Geschmacksneutralität glänzen.

Und diese Sachen sehen wirklich toll aus! Ich kaufe mir einen Burger aus Linsen, mit Vollkornbrot und frischem Salat…
…und bekomme eine sehr trockene Masse, die mehr oder weniger nach Nichts schmeckt.
Kein Wunder, daß man bei einigen der Besucher förmlich die Knochen sehen kann. Schön ist das auch nicht!

Ich frage mich, wer auf die Idee gekommen ist, daß vegetarisches, veganes oder einfach nur gesundes Essen nach Nichts schmecken und trocken sein muß!

Ich geb es ganz offen zu: ich hab mir beim Bäcker noch einen Muffin geholt. Ich kam mir schon ganz vertrocknet und verhärmt vor, sah meine Zukunft meditierend auf dem Rasen mit knurrendem Magen, betend um Geschmack in meinem Leben.
Der Muffin hat’s gerichtet. Gottseidank!