Deutsches Missverständnis


Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit als deutsche Botschafterin bei der Sprachorganisation passiert es häufig, daß man mich bittet, gewisse grammatikalische Begebenheiten im Deutschen genauer zu erklären (was nicht gerade leicht ist) oder daß man mich nach der richtigen Aussprache eines Wortes fragt.
Dementsprechend hat es mich auch nicht stutzig gemacht, als ein Typ, den ich dort schon öfter gesehen habe, weil er immer mit seiner Freundin da ist, mich fragte, ob ich ihm helfen könne. Er habe gerade mit Deutschunterricht angefangen, hatte fünf Stunden und er verstehe gar nichts. Ob ich mich nicht für eine Stunde mit ihm in einem Café treffen könnte, um ihm ein paar Dinge zu erklären.

Na gut. Montagabend, nach seiner Arbeit.
Am Treffpunkt sagt er mir, daß er ziemlichen Hunger habe, weil er eben gerade erst von der Arbeit komme. Ob es ok sei, irgendwo hinzugehen, wo man essen kann.

Klar. Kommt mir gelegen. Ich habe auch Hunger.
Beim Essen frage ich also, wie ich ihm helfen kann, aber gezielte Fragen hat er nicht. Mehr so allgemein über Deutschland und nicht unbedingt zur Sprache. Und ob ich nicht noch mehr Wein wolle.
Nein, eigentlich nicht.

Er schaut mich enttäuscht an; aber sein Plan sei doch gewesen, mich betrunken zu machen und die Situation auszunutzen.
Aha. Wenigstens ziemlich ehrlich! (Aber das müßte er überhaupt erst mal schaffen.)
Und seine Freundin? … Ist nicht seine Freundin, sondern eine gute Freundin.
Und das Baby, das er auf seinem Facebook Profilbild in den Armen hält? … Ist nicht sein Kind, sondern sein Neffe.

Da war der Typ also mehr an der Deutschen als am Deutsch interessiert.
Tut mir leid, so läuft der Hase nicht. Schweren Herzens gibt er sich geschlagen und seinen Plan auf.
Aber wenigstens hat er die Rechnung übernommen. Deutsch üben muß er allein.

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Tango zum Gehen


20140123-142831.jpgEigentlich hatte ich mir ja überlegt, daß Tango vielleicht doch nichts für mich ist. Schließlich dauert es so lange, bis man in irgendeiner Form sagen könnte, daß man den Tanz etwas beherrscht, und ich weiß nicht, ob ich dafür Zeit und Finanzen aufbringen will.

Aber einmal ist ja schließlich keinmal… So eine Stunde kann man ja nochmal mitmachen. Und diesmal ist es auch keine richtige Tanzstunde, sondern es geht ausschließlich ums Gehen.
Klingt etwas seltsam, denke ich auch, stelle aber fest, daß es tatsächlich sinnvoll ist, das zu üben, denn man verliert schneller das Gleichgewicht, als man denkt.

In dem kleinen Saal mit Steinboden haben sich etwa 40 Leute versammelt, um das Gehen zu üben. Und bei weitem nicht nur Anfänger.
Männer und Frauen getrennt, schleichen wir in Reihen mal vorwärts, mal rückwärts, mal seitlich und schon ist die Stunde vorbei.
Eine Stunde Konzentration, daß man mit den hohen Hackenschuhen nicht ausrutscht oder umfällt, Bauch anspannen, Arme fest und wieder einmal schweißgebadet.
Wer hätte gedacht, daß Gehen so anstrengend und schwierig sein kann. Und trotzdem Spaß macht.
Naja, vielleicht gehe ich ja doch nochmal zu irgendeiner Unterrichtsstunde.

Tango ist ein Arschloch


Da klappt es jetzt endlich mit der Sprache, zumindest im Großen und Ganzen, da stellt sich mir das nächste Verständigungsproblem. Das auf der Tanzfläche.
Ich hatte erst fünf Stunden, das ist quasi gar nichts. Aber es ist genau wie bei einer Sprache, wenn man nicht rausgeht und sich in freier Wildbahn versucht, nützen auch die besten Unterrichtsstunden nichts.
Und Tango hat tatsächlich was von einer Sprache. Der Mann markiert, im besten Falle verständlich, welche Bewegung als nächstes folgen soll, und die Frau versteht, im besten Falle, was der Mann ihr markiert.

Bei mir ist es so: ich verstehe beim Tango noch nicht viel. Deshalb ist es nett, wenn jemand langsam und deutlich „spricht“.

Beim Spanisch lernen war das viel einfacher. Da sind alle entgegenkommend und hilfsbereit, beim Tango will man lieber einfach tanzen und zeigen, was man kann.
Einige wenige gibt es, die sich Zeit nehmen und erklären. Und dann passiert es tatsächlich…
Dieser Moment, in dem man tanzt, ist als würde man fliegen.

Aber gestern hat mich einer aufgefordert, der genau wußte, daß ich Anfängerin bin. Nach einem halbem Lied wollte er dann auch schon nicht mehr. Und das ist sehr, sehr unhöflich! Und macht einen sehr, sehr unsicher!

Manchmal ist Tango ein Arschloch, und in dem Fall der Typ auch!
Weitertanzen werde ich trotzdem…

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