Wichtige Botschaft


Ich bin Botschafter für Deutschland.
Nicht so wirklich in der Botschaft. Also gar nicht, um ehrlich zu sein.
Aber immerhin für eine Organisation, die Leute aller Welt zusammenbringt, damit man die Sprache üben kann, die man gerne lernen möchte.

Hab davon gelesen, gesagt, daß ich mitmachen will, und schon bin ich dabei.
Mein erstes Ehrenamt.

Meine Aufgaben?
Alle, die Lust dazu haben, einzuladen. Mit Leuten aller Sprachen reden. Menschen zusammenbringen. Ansprechpartner sein.

Ich glaube, das kann ganz gut werden.

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All that Jazz


Es ist schon echt erstaunlich, was hier so geboten wird. Jeden Tag kann man irgendeiner Veranstaltung beiwohnen, wenn man möchte, und normalerweise kostenlos.
Viele Events werden direkt von der Stadt organisiert.
Vielleicht ist es in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Co genauso, und es ist mir nur nie aufgefallen, weil man einfach so seinen Trott hat.

Also studiere ich den Veranstaltungskalender, und es steht an: Festival de Jazz!
Und das auch noch bei mir in der Nähe. In dem Park, der mir normalerweise dazu dient, daß ich schweißgebadet ein paar Runden jogge, in der Hoffnung, daß sich an meinem Körper wieder Konturen bilden, die nicht aus Speck bestehen.

Zwei Tage hintereinander finden im Park Konzerte statt, jeweils abends um 19, 20 und 21 Uhr. Und wieder einmal kostenlos.

Klar, daß ich hingehe. Am ersten Abend ziehe ich mir etwas Schickeres an. Man weiß ja nie, was so genau passiert. Das Konzert ist toll! Qualitativ hochwertig und das schönste: die Arena vor der Bühne ist voll! Die Leute wissen das Angebot offenbar zu schätzen.

Am zweiten Abend bemerke ich die Problematik, die sich mir jetzt stellt. Normalerweise würde ich um die Uhrzeit um den Park laufen und nicht drin sitzen. Gestern war ich ja schon nicht joggen, also müsste und will ich heute.
Naja, gestern hatte ich was Schickes an, dann tun es doch heute die Sportsachen, oder?

Das Konzert ist wesentlich anspruchsvoller, aber offensichtlich genießen die Porteños schwere Kost nicht nur, wenn es ums Essen geht. Ich bin froh, daß ich hingegangen bin! Und daß ich in Trainingshose und Schlabbershirt dasitze, stört auch niemanden. Direkt danach, um zehn, laufe ich noch zweieinhalb Runden um den Park. Es ist immer noch heiß, aber ich bin zufrieden.

Ich hab alles unter einen Hut gekriegt, und der Abend ist noch lange nicht vorbei…

Man weiß ja nie, was kommt


Oft wird alles ganz anders.
„Wir tanzen heute Abend. Möchtest Du auch kommen?“ , fragt meine Mitbewohnerin.
Klar will ich. Sie gibt mir die Adresse. Halb zehn dort. Alles klar.
Ich ziehe meine hohen Schuhe an. Zum Tanzen sind die auf jeden Fall besser als Flip Flops.
Um halb zehn bin ich vor Ort, und der Ort ist…eine Schule! Aha. Drin sitzen Eltern und Kinder in Stuhlreihen. Ich werde voraussichtlich nicht selbst tanzen, also setze ich mich auch. Und los geht’s. Es handelt sich um die 25-Jahr Feier des ortsansässigen Kulturvereins. Den Anfang macht meine Mitbewohnerin. Zusammen mit anderen Tanzpaaren zeigen sie, wie man Tango richtig tanzt. Bewundernswert!

Und so geht das Programm weiter durch alle Tanzstile und Musikrichtungen Argentiniens. Klar, die Trachtentanzgruppe, die ganz fleißig geübt hat, gefühlt viel zu viel Zeit des Abends in Anspruch nimmt und eher unkoordiniert ihre Schritte präsentiert, ist auch dabei, und eine Gruppe von Musikern, die vor lauter Peace and Love ihre Flötentöne vergessen, aber inbrünstig schief singen, ist ja auch Pflicht, aber ansonsten…

…habe ich wirklich einen tollen Abend! Wie wunderschön tanzen die Frauen Folklore, wie liebevoll umgarnen die Männer ihre Tanzpartnerinnen, wie rhythmisch schwingen die Mädchen die Hüften zu Salsa und Co.

Um eins ist die Veranstaltung zu Ende. Ich tue so, als trüge ich immer Tanzschuhe. Vielleicht brauche ich sie ja in Zukunft wirklich öfter, denn was ich alles gerne lernen würde, habe ich eben gesehen.