Urlaub


Mein Leben könnte wirklich schlimmer sein! Gerade im Hostel angekommen und sehr positiv überrascht. Auf in den Pool!!!

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Mein rosa Herz


Seit Mai war ich nicht mehr krank.
Zu Zeiten fester Arbeit war ich im Abstand von maximal zwei Monaten mindestens einmal erkältet, vergrippt, entzündet oder was weiß ich.
Nicht, daß ich damit sagen will, feste Arbeit sei schlecht. Noch dazu hatte ich einen Chef, der uns lieber zum Arzt und ins Bett geschickt hat, als uns im Büro leiden zu lassen. Aber so richtig Zeit zum gesund werden, hat man irgendwie doch nicht, und letztendlich wandern die Bakterien und Viren immer schön im Kreis, von einem zum nächsten und zurück.

Nun, seit Mai ist schon ziemlich lang, da dachte sich mein Körper wohl, daß es mal wieder an der Zeit sei. So für die Quote. Und schließlich schnieft und niest es momentan an allen Ecken.
Meine Eltern, die mittlerweile wieder in Deutschland sind, reisten mit Halsschmerzen ab, und in meiner argentinischen Familie und näheren Umgebung ist gerade von Schnupfen bis Fieber alles vertreten.
Man kann es meinem Körper also nicht wirklich verdenken, daß er gerne dazu gehören möchte.

Seit meine Eltern weg sind, ist auch das Wetter in Buenos Aires schlechter geworden. Schlagartig.
Seit Monaten trage ich sogar tagsüber wieder lange Hosen.
Und nachts wird es für mein Empfinden schon ungemütlich frisch und kühl.
(Allerdings bin ich eine klassische Frostbeule.)

Wie gut, daß meine Mutter mir, auf mein Bitten hin, etwas mitgebracht hat. Etwas, was man hierzulande eher selten oder vielleicht gar nicht findet: eine Wärmflasche!
Die gute, alte Gummiflasche, die man mit heißem Wasser füllt.

Vor wenigen Minuten hatte sie ihren ersten Auftritt.
Mit meinem herzförmigen, rosa Fläschchen hab ich mich in die Küche geschlichen, es mit kochendem Wasser gefüllt und blieb zum Glück unbemerkt. Gerade keine Lust auf Erklärungen, nur auf Wärme.

Und während meine Nase noch fröhlich weiter läuft, hüllt sich der Rest in kuschelig wohlige Temperaturen.
Man muß vielleicht manchmal eine Erkältung hinnehmen, aber kalte Füße braucht kein Mensch!

Ein neues Familienmitglied


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Mein kleiner Garten wächst und gedeiht. Die Kräuter, die ich im Dezember im Garten angepflanzt habe, fühlen sich offenbar wohl. Oregano und Minze sogar so wohl, daß sie sich schon gegenseitig den Platz streitig machen.

Was mir noch fehlt, ist Koriander.
Den mag nicht jeder. Ich finde ihn aber zu dem ein oder anderen Gericht ganz wunderbar.

Heute findet ein Bio-Markt statt. Ganz in der Nähe.
Die hundert Menschen, die sich in Buenos Aires für Bio-Produkte interessieren, sind offenbar auch dort.
Und wie es der Zufall so will, gibt es einen Stand mit Kräutern in Töpfen.

Ich frage nach Koriander.
Er habe nur noch eine Pflanze, sagt mir der Verkäufer. Und die könne er mir nicht verkaufen, denn sie sei schon so gut wie tot. Noch nicht ganz, aber fast. Hat wohl die Wärme des Tages nicht vertragen.
Und tatsächlich ist das Pflänzchen nicht viel mehr als eine Ansammlung vierer graugrüner Stängel.
Gut, nicht verkaufen, aber verschenken vielleicht?
Na gut.
Er gibt mir den Topf, der mehr Erde als Pflanze enthält und rät mir, das Ding zu gießen, wenn es irgendwie noch überleben soll.

Ich ‚gieße‘ meinen Kräuterneuling mit zwei Eiswürfeln, die ich aus meinem Getränk fische. Wasser, Erfrischung und leichter Maracujageschmack. Wenn das nicht hilft…

Direkt nach dem Markt geht es zur Tangostunde.
Es geht nicht anders. Der Koriander muß eben mit. Musik hat ja auch positive Effekte auf Organismen.

Und nach der Tangostunde will ich noch auf einen anderen Markt.
Es geht nicht anders. Der Koriander muß eben mit. So kommt er wenigstens mal rum, bevor er nur noch den Garten sieht und sich mit seinem neuen Nachbarn, dem Thymian, unterhält.

Während unserer kleinen Reise scheinen sich die Eiswürfel in einen See zu verwandeln. Die Erde ist mittlerweile durch und durch nass und aus dem Topf tropft es. Was waren das denn bitte für Eiswürfel?

Aber ganz ehrlich… Als ich zu Hause ankomme, bin ich mir sicher, daß der Koriander nicht nur wieder quicklebendig ist, sondern schon ein ganzes Stück gewachsen ist.

Das wird was mit uns!

La Boca die Zweite


Heute Morgen sah es so aus, als werde der Tag nicht ganz so heiß. Ein wenig bewölkt, etwas windig, und die Wettervorhersage sprach sogar von späterem Regen. Perfekt für einen Ausflug also.

Wie es der Zufall so will, trifft man manchmal Leute, die man kennt, aber seit fast zehn Jahren nicht gesehen hat, plötzlich in einem ganz anderen Teil der Welt. So auch hier. Mich wundert sowieso überhaupt nichts mehr, ich freue mich einfach.
Und weil es so ein schöner Tag ist, und La Boca noch nicht bei allen als gesehen abgehakt werden kann, geht der Ausflug genau dorthin.

Schon im Bus (ich wiederhole noch mal die Preiserhöhung: von 1,70 auf 3,70!), der etwa eine Stunde braucht, sind wir förmlich zerflossen. Mittlerweile sind alle Wolken wie weggeblasen, es herrscht Windstille, und das Quecksilber klettert ohne Erbarmen nach oben.
Kaum angekommen, ist das erste Ziel ein Restaurant, eine kleine Stärkung, Schatten und vor allem (extrem überteuertes) Wasser.
Und trotzdem ist es den Besuch mal wieder wert. Die bunten Häuser leuchten in der Sonne, vor jedem Restaurant bieten Tangotänzer und -sänger ihr Können dar, und an einem Montag ist zwar viel los, aber es ist nicht so eng und überlaufen wie an Wochenenden. La Boca rund um seine Gasse Caminito ist Tourismus pur, aber irgendwie erfrischend. Und besonders.

Der Bus fährt uns wieder zurück, außer duschen und sich unter den Ventilator legen, ist heute nicht mehr viel drin.
Reicht ja auch. Morgen ist schließlich ein neuer Sommertag.

Es gibt Reis, Baby… Unter anderem


Hitze!
Mittlerweile ist es so warm, daß man auch nachts im T-Shirt rausgehen kann. Momentan zumindest. Das Wetter in Buenos Aires hat bisher nicht durch Zuverlässigkeit geglänzt.
Aber heute war es heiß.

Im Esszimmer summt der Ventilator, und in der Küche summt Fernando, der Herr des Hauses. Töpfe klappern, Wasser kocht, und es riecht plötzlich ganz wunderbar im Haus.

Mittagessen. Es gibt eine Tarte mit Mais gefüllt und Salat. Und es stellt sich heraus, daß hier jemand sehr gerne kocht.
Denn mit dem Mittagessen ist es nicht getan.
Abends fragt mich Fernando, ob ich schon gegessen habe.
Nur ein Stückchen noch von der Tarte, sage ich.
Na, aber! Er habe noch mehr! Und mal was Neues ausprobiert. Die Nichte plus Freund kommt auch zum Essen.
Was soll ich mich dagegen wehren…

Also gibt es noch einen Rest der Maistarte, panierte Auberginen, mit Reis gefüllte rote Beete und ein Broccolisoufflé.
Dazu sympathische Tischnachbarn und eine laue Sommernacht.

Habe ich schon erwähnt, daß es mir hier gefällt?

Bitter macht wach


20131008-170530.jpg In der Schule gibt es morgens Kaffee. Und Tee. Ganz normalen Tee. Beutel und heißes Wasser in Tassen. Allerdings eher frequentiert von den Schülern, nicht von den Lehrern.

Die haben ihre eigenen Thermoskannen. Und zwar permanent dabei. Wie sehr viele der Argentinier. Denn nur so können sie ihren unerschöpflichen Vorrat an Mate Tee aufrecht erhalten.

Ich bin mittlerweile auch keine Jungfrau mehr in Sachen Mate. Schon am zweiten Tag hab ich probiert.
Das Leben kann manchmal bitter sein, der Mate ist es immer. Selbst mit Honig, denn freundlicherweise hat man mir zum Anfang erstmal eine ’süße‘ Version angeboten. Mate mit Honig ist ungefähr so, als würde man versuchen, einem Sojasoße als Schokolade zu verkaufen. Es funktioniert einfach nicht. (Damit will ich nicht sagen, dass Mate auch nur ansatzweise nach Sojasoße schmeckt.) Entweder man mag ihn in seiner Bitterkeit oder eben nicht.

Ich mag ihn. Auch, wenn ich ihn nicht mit jedem trinken würde. Denn man teilt sich in der Regel ein Gefäß und einen Trinkhalm, der aus Holz oder Metall sein kann. Einer (der mit der Thermoskanne) gießt heißes Wasser auf die Kräuter und läßt das Gefäß dann rumgehen. Wenn die Flüssigkeit alle ist, wird Wasser nachgegossen.

Und so geht das den ganzen Tag.

Wer schon mal Mate in Deutschland aus der Flasche getrunken hat, hat etwa ein viertel an Bitterkeit probiert, wie beim richtigen Mate.

Und das Zeug macht wach. Wahrscheinlich sind die Nächte hier deshalb so lang…