Osteressen


Ostern steht vor der Tür und damit ein langes Wochenende für alle.
Und für mich eine Fahrt nach Córdoba, einer Provinz im Landesinneren.

Hausherr Fernando und seine Familie kommen von dort, und bis auf er selbst leben dort noch alle seine Brüder. Zeit für eine Familienreunion also.
Und ich bin eingeladen, sie zu begleiten.
Auf die Frage hin, was wir dort voraussichtlich so machen, hieß es, ziemlich viel Essen, lange schlafen, noch mehr essen, am Sonntag besonders viel Schokolade essen, und schon gleich, wenn wir abends ankommen Essen gehen.
Ich sehe meinen Magen schon um Hilfe schreien, aber da muß er wohl durch.

Morgen Mittag geht die Fahrt im Auto los, mindestens acht Stunden werden wir wahrscheinlich unterwegs sein.
Ich zweifle noch, ob ich meinen Magen vortrainieren soll oder lieber ab sofort gar nichts mehr esse, bis wir ankommen.
Ostern wird dieses Jahr auf jeden Fall anders.

Werbeanzeigen

Bein bitte


20131006-202627.jpg
Die Uhren ticken hier anders. Wenn man zum Abendessen verabredet ist, heißt das, man trifft sich gegen halb zehn irgendwo, geht seeeehr langsam und gemütlich los und isst gegen elf. Um diese Uhrzeit sind die Restaurants voll. Man ist dann dementsprechend lange wach, um das Ganze zu verdauen. So zumindest am Wochenende.

Auch ein Sonntag beginnt gemüüütlich. Und in meinem Fall mit einem ASADO!

Asado ist grillen. Bitte jetzt keine Gedanken an Gasgrill und ein paar Würstchen! Nein, gegen elf lagen Huhn und Rind (pollo y carne! Laut Sprachgebrauch ist ein Huhn tatsächlich nur ein Huhn und nicht ‚carne‘, also übersetzt Fleisch) auf dem ‚parrilla‘ im Garten (einem gemauerten Grill, der Größe eines Kamins) und haben es sich so langsam warm gemacht. Gegen zwei war es dann soweit. Und auch wenn man hier mit den Augen rollt, wenn sich jemand als Vegetarier outet- den Salat und die Guacamole essen sie dann doch ziemlich gern.

Und nun die große Frage: hat sie oder nicht?

Klar, hat sie! Das erste Stück Fleisch, das ich probiert habe… Fürchterlich!!! Ich dachte, es sei Huhn, soll aber Rind gewesen sein. Fett und komplett durchgebraten. Das war ein Stück aus der Bauchgegend, sagt man mir. Ja, laßt es am Bauch. Stand der Kuh bestimmt gut!

Das Huhn hat mich einfach nicht angelächelt. Federvieh eben. Gackert, pickt, legt Eier, aber essen… kein Bedarf. Da habe ich weder Mitleid noch Gelüste.

Aber dieses eine Stück… Ohne Fett, ganz zart und durch und durch mit Geschmack! Ich hab’s aufgegessen. War gar nicht konsistenzgestört, fad oder ‚wird mehr, wenn man darauf kaut‘. Es war das Bein! Liebe Kuh, ich danke Dir für dieses schmackhafte Stückchen Bein, und ich würde es wieder tun!

Nicht, daß jemand denkt, ich hätte Massen verdrückt. Ich habe auch die Blutwurst missachtet. Das wäre ein bißchen viel für den Anfang. Aber es war ein Stück, und trotzdem fühle ich mich immer noch sehr fleischlos. Vielleicht, weil ich mir beim essen die Wiese, auf der das Rind wohnte, so lebhaft vorstellen konnte. Und die Gräser, die es gefuttert hat. Ich glaube, das Rind, von dessen Bein ich heute ein Stück gegessen habe, war sehr glücklich.

Aber bin ich jetzt eigentlich noch Vegetarier?