Planänderung


Die Abende in Hoi An sind lang. Wir genießen die warme Abendluft und die schöne Lichterstimmung.

Direkt am Ankunftstag kommen wir später zurück zur Unterkunft als geplant. Herbergsmutter Bi hat uns einen Schlüssel für das Torschloss gegeben mit dem ausdrücklichen Hinweis, wir sollten in den Bars auf den Tischen tanzen und es uns gut gehen lassen.

Als wir also nachts wieder beim Homestay ankommen, ist das Tor verschlossen. Und zwar nicht nur mit dem Schloss, zu dem wir einen Schlüssel haben, sondern zusätzlich mit einem Zahlenschloss. Noch ehe wir darüber nachdenken können, kommt gefühlt aus dem Nichts ein zahnloser Opa von der Straße und gibt die Zahlenkombination ein. Genauso schnell wie er da war, verschwindet er auch wieder.

Am folgenden Abend stehen wir vor der gleichen Situation. Diesmal ohne Opa.

Ich schlage vor, dass wir es mit 0000 oder 1234 probieren. Meine Reisebegleitung bekommt in diesem Fall ein Bienchen; sie hat in der Nacht zuvor aufgepasst und kann Variante 2 bestätigen. Was Passwörter angeht, sind die Vietnamesen generell eher einfach. Mit einer Reihe von eins bis acht oder neun kommt man auch in so manches WLAN, haben wir bereits erfreut festgestellt.

Vor lauter Kaufrausch, kulinarischer Entdeckungen und abendlicher Gemütlichkeit haben wir uns keine großen Gedanken um die Weiterreise gemacht.

Wir wissen nur: Mui Ne soll es werden. Ein Ort, an dem Dünen ins Meer laufen. Und wir wollen Zug fahren, bitte nicht mehr im Nachtbus.

An unserem letzten Tag in Hoi An recherchiere ich – und stelle fest, dass von hier kein Zug nach Mui Ne zu fahren scheint. Also doch wieder Bus? Die Fahrt würde uns allerdings insgesamt über 30 Stunden kosten. Sogar, wenn wir nach Ho Chi Minh City fliegen und wieder ein Stück hoch fahren würden, wäre es so lange, weil wir zwischendurch stundenlang warten müssten.

Dann doch ein anderer Strandort entlang der Küste? Die anderen Optionen sind ähnlich. Und überhaupt müssen wir dann noch Reisezeit bis Ho Chi Minh City einplanen, von wo wir zurück fliegen.

Nein. Bitte keine zwei volle Tage mit Busreisen verschwenden. Dann fliegen wir doch einfach woanders hin. Nach Phu Quoc zum Beispiel. Die Insel im Süden Vietnams soll traumhafte Strände haben und sowieso wunderschön sein. Und ein paar Tage Strand wären schon wünschenswert.

Wir verbringen also eine Stunde unserer Zeit in Hoi An im Reisebüro. Dafür haben wir am Ende einen Flug nach Phu Quoc und einen zurück nach Ho Chi Minh City inklusive Transfer zum Flughafen. Ist doch super.

Nur das mit der Unterkunft haben wir etwas schleifen lassen. Aber auch die haben wir um zwei Uhr morgens dann – quasi im Halbschlaf – noch gebucht.

Sehr gut! Ich hoffe also sehr, dass ich schon am folgenden Nachmittag meine Füße in den Sand strecke. Tja, hoffen darf man ja…

Tigre, die Dritte


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Klar, daß ich als bekennender Tigre-Fan meinen Eltern das hübsche Flussdelta nördlich von Buenos Aires zeigen möchte.

Mein Vater will mit dem Zug fahren.
Eigentlich will er schon seit der Ankunft in Buenos Aires mit dem Zug fahren. Seine Konstante, an der er sich zu orientieren versucht (leider vergeblich, sorry Papa), ist der Hauptbahnhof, auch, wenn der nicht mal in der Nähe von dort, wo ich wohne, liegt.
Der Bahnhof und jegliche Form von Gleisen (neben einem guten Steak) scheinen eine magische Anziehungskraft auf ihn auszuüben.
Nur mal ein Stück will er fahren. Von einer Station zur nächsten. Warum auch immer…

Nun, da bietet sich der Ausflug an den Tigre an. Der Zug braucht etwa eine Stunde. Zwar fahren wir nicht vom Hauptbahnhof ab, aber mein Vater ist erfreut, lobt sogar das digitale Anzeigen-System am Bahnsteig, während meine Mutter im Zug ungläubig auf die uralten und verkratzen Sitze starrt. Manchmal gehen die Vorstellungen von Abenteuer eben auch nach über 30 Jahren Ehe noch auseinander. Aber kein Grund für Misstimmung. Im Gegenteil!

Der Tag ist herrlich sonnig, und am Tigre angekommen, spazieren wir am Fluß entlang, vorbei an den schönen Kolonialbauten, drehen eine Runde durch den kleinen Frachthafen und machen schließlich noch eine Bootsfahrt mit.

Diesmal nicht, wie bei meinem ersten Mal, in einem kleinen vier Mann Boot. Da hätten wir meine Mutter nicht hinein bekommen.
Aber auch, wenn das etwas größere Boot nicht in die Seitenarme fahren kann, kriegen wir einen schönen Einblick in das Leben am Rande des Tigres.

Und meine Eltern scheinen mit diesem weiteren Ausflug, inklusive heiß ersehnter Zugfahrt, rundum zufrieden zu sein.
Ich bin es auch.

Und so ein Wochenendhäuschen am Tigre…

Tren de la Costa


Ausflug mit Mirta. Auch, wenn ich nicht mehr bei ihr wohne. Aber am Montag hat sie mich gefragt, ob wir den Sonntag zusammen verbringen und was unternehmen wollen. Na klar. Dann begleite ich sie eben. Warum nicht.

Schon vorher hat sie mir vom ‚Tren de la Costa‘ erzählt. Klar, ‚tren‘ ist Zug. Küstenzug also. Aber gleichzeitig hat sie immer davon geredet, zu diesem Zug hinzufahren und dann einen Kaffee zu trinken. Das sei besonders. Also bin ich irgendwie davon ausgegangen, daß es ein Café gibt, das so heißt.

Kein Problem, da fahren wir hin. Ich hab zwar immer noch nicht kapiert, wohin genau, aber: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.

Wir sitzen im Bus und steigen nach etwa einer Stunde aus.
Eine ziemlich weite Fahrt, um einen Kaffee zu trinken, oder?
Von der Bushaltestelle laufen wir fünf Minuten um ein sehr seltsames Gebäude zu betreten.
Das sei der Bahnhof, sagt mir Mirta. Aha, es geht also tatsächlich um einen richtigen, echten Zug und nicht um ein Café, das so heißt. Aber das soll ein Bahnhof sein? Die Halle ist menschenleer, dafür voll mit alten Möbeln. Es sieht eher aus wie in einem längst vergessenen Antiquitätenladen.

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Aber irgendwo, eine Treppe nach oben und ganz hinten, findet sich dann doch ein kleiner Schalter, an dem wir Tickets kaufen. Gleich daneben geht es raus zum Bahnsteig.

Und dann beginnt unsere Fahrt. Durch hübsche kleine Dörfer mit Palmen und Gärten entlang des Rio de la Plata. Endlich hab ich es kapiert. Dieser Zug fährt durch all diese schönen Orte, damit man zwischendurch aussteigen und sich was anschauen kann, um irgendwann weiter zu fahren.
Und genau das machen wir. Wir steigen aus, streifen über Märkte, trinken frischgepresste Säfte, essen frisch gebackenes Brot, entdecken andere Welten, steigen wieder ein und fahren weiter. Bis zum Delta in Tigre.

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Und obwohl für den ganzen Tag Regen angesagt war, scheint die Sonne.

Mirta fragt mich, ob wir diese Woche vielleicht mal nach San Telmo fahren.
Ich glaube schon.