Auf der Jagd


Mein Highlight am Strand ist die Dame, die mit ihrer Schultertrage vorbeikommt, die Körbe voller Obst. Sie ist die einzige, glücklicherweise ist der Strand nicht voll mit Menschen, die ihre Sachen anpreisen. Immer wieder haben wir den Abschnitt, an dem wir liegen, ganz für uns allein.

Ich taufe sie Miss Coconut und ab jetzt erwarte ich sie bei unseren Strandbesuchen sehnlich. Sie schneidet uns eine Ananas auf in Scheiben, die wie kleine Windräder aussehen, Mangos, für jeden eine Kokosnuss zum Trinken und als Bonbon gibt es noch eine Maracuja für jede. Während mir der süße Ananassaft auf die Beine tropft und mir irgendwann vor lauter Fruchtsäure die Mundwinkel einreißen und die Zunge brennt, bin ich hochgradig glücklich. So stelle ich mir einen Strandtag vor. Und ich bin erstaunt, wie durstlöschend eine Kokosnuss ist. Eine einzige der noch grünen, voll gefüllten Nüsse bringt mich über den Nachmittag. So eine tolle Erfindung der Natur, denke ich. Sie bringt ihren eigenen Behälter und auch noch einen Henkel zum Tragen mit. Je nach Reifegrad kann man sie danach auch noch aufbrechen und das Kokosfleisch essen. Ich bin begeistert. Zugegeben; das sind Gedanken, die man sich macht, wenn man bei 35 Grad, leichtem Wind, herrlicher Sonne, Meer und Palmenschatten an nichts anderes denken muss.

Das Essen am Abend gestaltet sich leider nicht so einfach. Auf der Insel sind Fisch und Meeresfrüchte in fast jedem Restaurant die dominierenden Zutaten. Naheliegend, wenn das Meer vor der Haustür liegt. Überall sehen wir Meeresfrüchte-Barbecues. Neben den Grills liegen auf Eis die frischen Meerestiere, die dann auf dem Rost mariniert und mit Soßen gereicht werden. Es sieht wirklich gut aus, riecht sogar gut. Aber bei Meeresfrüchten hört bei mir leider die Probierfreudigkeit auf – jeder Versuch ist bisher in einer Gänsehaut vor Ekel geendet. Hauptsächlich wegen der Konsistenz.

Alle Restaurants bieten mehr oder weniger das gleiche an. Also spazieren wir ein wenig herum, bis wir auf ein thailändisches Restaurant stoßen. Das könnte doch auch gut sein. Thai esse ich sehr gern und hier sind wir, räumlich gesehen, ja nicht mal weit weg.

Leider entpuppt sich das sogar relativ teure Essen als Reinfall. Es schmeckt nach Tiefkühlgemüse in Kokosmilch ohne weitere Gewürze. Schade. Der Hunger treibt es rein, aber wir beschließen, dass wir irgendwo wieder Streetfood oder Garküchen finden müssen. Das war bisher mit am Besten.

Am nächsten Abend laufen wir also nach Duong Dong. Dort soll es einen Nachtmarkt geben. Gibt es auch. Aber auch hier nur Meeresgetier. Und es ist alles sehr teuer.

Wir laufen also durch die Seitenstraßen auf der Jagd nach Nahrung und mittlerweile habe ich wirklich großen Hunger.

Dann entdecken wir wieder einen der kleinen Mini-Wägen an der Straße. Daneben stehen die schon bekannten bunten Kinderstühle und passende Tischchen. Die Dame hinter dem Wagen bietet Pizza an. Ich schlage vor, uns hier eine kleine Pizza zu teilen, damit wir in Ruhe weitersuchen können. Wir bestellen bei ihr die Veggie-Version – sie hat Bilder der Pizzen, die sie machen kann – und sehen ihr zu: auf den fertigen Rohling haut sie etwas Tomatensoße, viel Mais, viele Zwiebeln, viel Paprika und dann Mayonnaise, dann Käse, dann Mayonnaise und nochmal Käse. Sie hat zwei kleine, elektrische Backöfen, die von einem anderen Mädchen bewacht werden. Wir nehmen Platz auf einem der Kinderstühle zwischen den anderen vietnamesischen Frauen und warten.

Man schaut uns mit großen Augen an. Keiner hier scheint auch nur ein Wort englisch zu sprechen, aber das macht auch nichts. Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte. Das Interesse der anderen ‚Restaurantbesucher‘ bekunden wir mit einem ebensolchen und stoßen damit offensichtlich und Wohlwollen. Und dann kommt das gute Stück. Doppelt Käse und doppelt Mayonnaise. Wir hauen noch ordentlich Chilisoße drauf und beschließen, dass wir doch eigentlich gar nicht weitersuchen müssen. Wir bestellen eine zweite Pizza hinterher. Die Mädels um uns herum lachen und wir sind anschließend wirklich satt.

Gut, dass wir noch zwei Kilometer Heimweg haben.

Werbeanzeigen

Schreib was Nettes...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s