Sri Lanka 15 – Die Reihen lichten sich


Die E-Mail ist ein Schock für uns. Colombo – Dubai erst am 02. April? Unvorstellbar. So lange können wir einfach nicht mehr bleiben.
Wir schauen online in unsere Buchung und sehen: der eigentliche Flug am Montag ist nicht gecancelt, es ist nur dieser ominöse, dritte Flug dazu gekommen. Also: Colombo – Dubai und Dubai – München am Montag und dann Colombo – Dubai am 02. April.
Auch, wenn das ein Hoffnungsschimmer ist, geht es uns schlecht. Es ist schon wieder spät am Abend und wir können heute nichts mehr tun. Morgen müssen wir wieder bei Emirates anrufen.

In dieser Nacht schlafe ich nicht, ich bete.
Ich bete dafür, dass alles gut geht, dass wir nach Hause kommen, dass wir und alle zu Hause gesund bleiben, dass jetzt nichts Schlimmes mehr passiert.

Am nächsten Morgen bereitet uns Hilda Frühstück zu. Die Reihen lichten sich um uns herum, täglich reisen jetzt Touristen ab. Uns ist es ganz recht. Bitte keinen Kontakt.
Nach dem Frühstück muss ich nun diesen Anruf tätigen. Ich will nicht. Ich habe Angst, dass wir eine negative Nachricht bekommen, die keiner von uns hören will und ich müsste sie auch noch überbringen.
Aber es hilft nichts.

Natürlich dürfen wir Hildas Telefon benutzen. Mit zittrigen Händen wähle ich die Nummer, ich bin jetzt schon schweißgebadet. Ich hätte nie gedacht, dass diese Situation psychisch so belastend ist.
Ich hänge mehr als 20 Minuten in der Warteschleife, dann werde ich rausgeschmissen. Ich wähle erneut. Nach weiteren ca. 20 Minuten geht endlich jemand ran. Ich erzähle ihr von der E-Mail, sie checkt die Buchung und bestätigt, dass das sehr verwirrend ist. Sie löscht den dritten Flug, alles bleibt bei Montag.

Trotzdem frage ich sie, ob es nicht doch die Möglichkeit gibt, früher zu fliegen. Sie checkt. Es gibt den Flug bis Düsseldorf am Sonntag, sagt sie.
Ah, das war der, auf den wir ja schonmal fehlgebucht waren.
Ich höre ihr Tippen auf der Tastatur. Mhhhh, sieht schlecht aus, meint sie. Würde auch teurer werden, aber sie guckt mal, was sie tun kann. Und dann…
… Stromausfall.

Für den Bruchteil einer Sekunde fällt der Strom bei Hilda aus und die Verbindung wird unterbrochen. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Und ich kann dort auch nicht mehr anrufen.
Ich bitte meine Mitreisenden, sich mit dem Gedanken an den Flug am Montag zurechtzufinden. Sie nicken. Wir checken nocheinmal online und jetzt ist alles korrekt: der dritte Flug ist weg, wir fliegen am Montag bis München.
Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir diesen Düsseldorf Flug auch einfach nicht nehmen sollen. Wer weiß, warum. Aber nun sind wir schon zum zweiten Mal knapp an ihm vorbei geschrammt.

Nach diesem Telefonat bleibe ich erstmal allein auf dem Zimmer. Ich muss mich sammeln, rufe meine Liebsten an. Es tut gut, die Stimmen zu hören, zu wissen, dass es allen gut geht. Ihnen geht es auch so.

Und dann mache ich nicht nur social distancing – am Strand ist sowieso kaum jemand – ich mache auch social Media distancing. Ich lasse mein Handy auf dem Zimmer. Ein Nachmittag ohne Nachrichten, ohne Fragen, ohne negative Entwicklungen. Nur der Strand, das Meer, mein Buch, meine zwei Freundinnen und ich.

Ich komme langsam wieder zur Ruhe.

Am Abend serviert uns Hilda Reis mit Curry. Sie hat am Mittag extra mehr gekocht. Sie, ihr Mann, Ranga… sie sind wie Engel, die auf uns aufpassen.

Es ist noch früh am Abend, deshalb beschließen wir, noch ein bisschen am Strand entlang zu gehen. Wir sind so gut wie allein. Auch in den Restaurants rund herum sitzen nur noch sehr vereinzelt Leute. Weit weg von uns.
Uns begleitet einzig einer der vielen Streuner. Er läuft neben uns her, um uns herum und scheint sich selbst über Gesellschaft zu freuen. Wir gehen ca. einen Kilometer, da sehen wir in der Ferne am Strand drei weitere Hunde. Sie stehen in einer Reihe. Wie Wachhunde. Bisher war keiner der Hunde aggressiv.
Unser Begleiter nähert sich den Dreien und sie rennen auf ihn zu. Bellend und knurrend schlagen sie ihn zurück.
Wir kehren natürlich sofort um.
Der Kleine hält sie noch ein bisschen in Schach, dann beruhigt sich die Situation und er folgt uns wieder. Aber nur noch kurz, dann verschwindet er im Dickicht.
Wir schicken ihm einen Dank hinterher, denn irgendwie hat er die Meute ja doch von uns abgelenkt. Auch, wenn sie uns wahrscheinlich nicht angegriffen hätten.

Wir liegen schon im Bett, als Ranga gegen halb elf nochmal anruft. Wir sind überrascht. Um diese Zeit?
Es sei alles in Ordnung, aber er wollte uns mitteilen, dass es im Hotel Eden den ersten bestätigten Corona Fall gab. Er bittet uns, nur noch bei Hilda und am Strand direkt davor zu bleiben.

Wir googeln das Hotel und stellen fest: es ist genau an der Stelle, wo wir die Begegnung mit den Hunden hatten, die uns auf eine Distanz von ca. 100 Metern gehalten haben.
Sicher hätten wir uns im Vorbeigehen nicht angesteckt, aber vielleicht hat uns unser kleiner Begleiter trotzdem vor einer in unserer Situation verhängnisvollen Begegnung bewahrt.

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